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SGV Freiberg

Grätschen ist im Training verboten

Der SGV Freiberg hat seine Trainerfrage geklärt. Wie der Fußball-Oberligist gestern mitteilte, wird Milorad Pilipovic Nachfolger von Mario Estasi. Trotz Abstiegsgefahr hat der 61-Jährige eine klare Erfolgsformel.

Will Zuschauern und Spielern Spaß am Fußball vermitteln: Coach Milorad PilipovicFoto: O. Bürkle
Will Zuschauern und Spielern Spaß am Fußball vermitteln: Coach Milorad Pilipovic Foto: O. Bürkle

Freiberg. Zumindest die Mailboxansprache von Milorad Pilipovic ist außergewöhnlich. „Tooooor für den Karlsruher SC“, meldet sich der Anrufbeantworter des Fußball-Lehrers. „Torschütze mit der Nummer 10, Milorad Pilipovic. Wenn Sie nun ihre Glückwünsche überbringen wollen, sprechen Sie nach dem Signalton.“

In den 80er Jahren spielte der neue Trainer des SGV Freiberg beim KSC und stieg unter Trainer Winfried Schäfer 1987 in die Bundesliga auf, nun soll er den schwäbischen Fußball-Oberligisten wieder in die Spur bringen – und zwar mit attraktivem Fußball im Stile des FC Barcelona. „Meine Spielidee ist absolut identisch zu der beim FC Barcelona unter Pep Guardiola zwischen 2008 und 2012, da war das Team unschlagbar“, erklärt der 61-Jährige. „Die Ästhetik ist mir wichtig, ich weiß, was schöner Fußball ist, ich will das Spiel genießen.“

Doch an Genussfußball ist in Freiberg derzeit nicht zu denken. Der Verein strebt schon seit Jahren nach dem Aufstieg in die Regionalliga. Aber nach einer 0:5-Niederlage gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen und einer 0:7-Klatsche beim SSV Reutlingen steht das Team nur auf Rang 12 und hat nach 16 Spielen und 43 Gegentoren die schlechteste Abwehr der Liga. Deshalb musste Mario Estasi den Platz auf der Trainerbank räumen, den er erst im Sommer als Nachfolger von Ramon Gehrmann übernommen hatte. „Im Moment brauchen wir nicht über den Regionalliga-Aufstieg zu reden. Wir spucken nicht die großen Töne wir müssen die Mannschaft wieder aufrichten.“

Pilipovic, der in der Nähe von Freiburg im Breisgau lebt, hat schon mal einen Club in einer schwierigen Phase übernommen. Im Jahr 2014 rettete er den Bahlinger SC erst vor dem Abstieg und führte den Club vom Kaiserstuhl im Folgejahr zum Verbandspokalsieg und zum Aufstieg in die Regionalliga. Zuvor war er mit den Frauen des SC Freiburg in die Bundesliga aufgestiegen. Der Serbe ist nach eigenen Angaben hauptberuflich Fußballtrainer und verbrachte seine Zeit seit Ende seines Engagements in Bahlingen 2016 mit verschiedenen Hospitanzen, unter anderem in der berühmten Fußball-Schule des FC Barcelona. Ab Januar will er eine Wohnung in Freiberg beziehen. Solange pendelt er oder übernachtet bei Bedarf in der Stadt.

Wie Pilipovic berichtet, war er schon im Sommer als Nachfolger von Gehrmann im Gespräch, doch die Verantwortlichen des SGV hatten sich dafür entschieden, Estasi vom Co- zum Cheftrainer zu befördern. Nun ist der Wahl-Badener doch noch am Wasen gelandet. „Überzeugt hat mich, dass die Freiberger eine sehr starke und sehr gute Mannschaft haben und der Verein selbst größere Pläne hat.“

Dominantes Auftreten erwünscht

Die erste Trainingseinheit leitete der ehemalige Bundesliga-Spieler am Montagabend. „Ich bin zuversichtlich. Die Mannschaft ist sehr, sehr willig“, schildert er seien ersten Eindruck. Auch die Spieler dürften nach dem ersten Training wissen, was auf sie zukommt. „Ich trete so auf, wie ich auch von meiner Mannschaft erwarte, wie sie auftreten soll: dominant, es gibt Regeln“, stellt Pilipovic klar. Tacklings sind im Training verboten, nicht nur, um Verletzungen vorzubeugen. Das soll nur das letzte Mittel sein. „Durch diese Grätschen will vielleicht einer zeigen, dass er kämpft, aber für mich gibt es im Fußball keinen Kampf. Es heißt Fußball spielen, nicht Fußball kämpfen.“ Stattdessen will der Coach ständige Sprintbereitschaft von seinen Spielern sehen und jederzeit für seine Akteure erreichbar sein: „Ich bin Ratgeber und Hilfeleister, nichts anderes.“

Seine Spielidee sieht er dabei durchaus im Einklang mit der Freiberger Abwehrschwäche: „Wenn der Gegner keinen Ball hat, bekommen wir auch kein Tor“, lautet dabei sein simpler Grundsatz. „Im Moment spricht ganz Deutschland über Umschaltverhalten, das ist aber nur ein Bestandteil. Fußball spielen heißt, am Ball zu sein und am Ball zu bleiben.“ Einen ersten Aufschluss darüber, ob dieser Ansatz zum Erfolg führen könnte, gibt es am Samstag. Dann empfängt der SGV um 14 Uhr den Tabellenzweiten VfB Stuttgart II.

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