Frankfurt/Main. Kurz nach der Wahl von München zum nationalen Olympia-Bewerber muss sich der deutsche Sport einen neuen Chef-Funktionär suchen. Mit emotionalen Worten erklärte Thomas Weikert seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur um das Amt des Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbunds. «Ich spüre, dass ich nicht mehr die Kraft aufbringen kann, mich noch einmal vier Jahre mit Vollgas - und nichts anderes hätte der DOSB verdient - den Aufgaben eines Präsidenten zu widmen», schrieb der 64-Jährige in einem Brief auf der Internetseite des Dachverbands.
Zwei Monate vor dem Votum auf der Mitgliederversammlung des DOSB in Frankfurt am Main ist damit das Rennen um den Spitzenposten endgültig eröffnet. Als Favorit auf Weikerts Nachfolge wird IOC-Mitglied Michael Mronz gehandelt, der aber im Sport nicht unumstritten ist. Genannt wird auch der Name von Martin Engelhardt, Präsident der Deutschen Triathlon-Union.
«Ich werde mich zu entsprechenden Personaldiskussionen übrigens weder heute noch vor oder nach der Wahl äußern - mit der Einschränkung, dass ich überzeugt bin, dass der DOSB auch weiterhin in sehr guten Händen sein wird», ließ Weikert wissen.
Panne sorgt für Aufsehen
Der scheidende DOSB-Chef verriet, dass er den hohen Arbeitsaufwand, der mit dem Amt verbunden sei, vorab nicht habe einschätzen können. «Die Belastung habe ich als enorm empfunden, und ich kann sie mir, auch mit Blick auf meine Familie, nicht weitere vier Jahre zumuten», erklärte Weikert.

In den Landessportbünden und Spitzenverbänden hatte es zuletzt wachsenden Widerstand gegen Weikert gegeben. Dies habe bei seiner Entscheidung keine Rolle gespielt, versicherte er. Zuletzt sorgte Weikert mit einer Panne für Aufsehen. Bei der Kür des nationalen Olympia-Bewerbers am Samstag in Baden-Baden hielt er den geöffneten Sieger-Umschlag bei der Übergabe an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unbeholfen so, dass der Name des Gewinners München schon vor der Verkündung zu lesen war.
Seit fast fünf Jahren an der Spitze des deutschen Sports
Der frühere Tischtennis-Weltpräsident steht seit Dezember 2021 als Nachfolger von Alfons Hörmann an der Spitze des Dachverbands, dessen angeschlossene Organisationen mehr als 29 Millionen Mitglieder zählen. Weikert setzte sich bei vorgezogenen Neuwahlen vor fünf Jahren gegen die Ex-Fechterin Claudia Bokel durch. Ein Jahr später stellte sich Weikert für eine vierjährige Amtszeit erneut zur Wahl - ohne Gegenkandidaten wurde er im Amt bestätigt.
Noch ist offiziell unbekannt, wer Nachfolger von Weikert werden möchte. Eine vom deutschen Sport eingerichtete Findungskommission soll mögliche Kandidaten herausfiltern. Mitgliedsorganisationen des DOSB können Vorschläge einreichen. Die Antragsfrist endet am 30. Oktober.
Sportfunktionär Mronz mit Ambitionen?
Das DOSB-Präsidiumsmitglied Mronz hatte Fragen nach seinen Ambitionen vor einigen Tagen im ZDF-«Sportstudio» ausweichend beantwortet. «Ich denke, die erste Frage ist, wie Thomas Weikert sich entscheidet und danach wird die Findungskommission die Gespräche führen und zu einem Ergebnis kommen. Das wird man sehen, was deren Vorschlag ist», hatte der 59-Jährige gesagt.
Erfahrung im Topsport bringt Mronz als Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH mit. In dieser Rolle hat er das Ansehen des Pferdesport-Großevents CHIO gesteigert. Zudem war er Mitbegründer der Initiative Rhein-Ruhr, die eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2032 angestrebt hatte. Daraus wurde aber nichts, weil sich das Internationale Olympische Komitee früher als erwartet auf das australische Brisbane als bevorzugten Kandidaten festlegte.

Gerade wegen dieser Nähe zu den Olympia-Plänen in NRW wird die Rolle von Mronz von einigen Sport-Spitzenvertretern auch kritisch gesehen. Soll Mronz doch in den kommenden Monaten und Jahren nun Münchens Kandidatur um Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 beim Internationalen Olympischen Komitee voranbringen.
Als mögliche Alternative zu Mronz wird Triathlon-Chef Engelhardt genannt, der seit langem als kritischer Kopf im deutschen Sport auftritt. Der 66-Jährige hatte bereits 2018 für den DOSB-Chefposten kandidiert, unterlag damals aber klar gegen Hörmann.
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