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Spannung im Untergrund
«Dreiländerbeben» - Warum am Rhein die Erde gezittert hat

Erdbeben - Seismograph
Das Erdbeben hat zu zahlreichen besorgten Anfragen bei Behörden in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen geführt. (Symbolbild) Foto: Oliver Berg
Am Grenzpunkt von Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen wackelt der Untergrund. Wie schlimm war es - und warum eigentlich dort?

Worms/Mannheim. Ein Ruck ging durch die Region: Das Erdbeben der Stärke 3,5 bei Worms hat zu zahlreichen besorgten Anfragen bei Behörden in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen geführt. Das Epizentrum des «Dreiländerbebens», wie Experten die Erschütterung tauften, lag demnach am Donnerstagabend bei Bobenheim-Roxheim im Rhein-Pfalz-Kreis. Das Ereignis war im Umkreis von rund 30 Kilometern etwa auch in Mannheim zu spüren. Hinweise auf Verletzte oder Schäden gab es am Freitag zunächst nicht.

Schon erste Nachbeben

Das Beben ereignete sich den Angaben zufolge in rund acht Kilometern Tiefe und war natürlichen Ursprungs. Inzwischen registrierten die Behörden zwei weitere Beben in der Region - demnach eines mit einer Magnitude von 1,7 und eines mit 0,7. Beide waren nach Angaben örtlicher Experten nicht spürbar. Schwächere Nach- oder Begleitbeben können auftreten, wenn sich nach einem stärkeren Stoß weitere Spannungen entlang der Störungszonen lösen.

Erdbeben in der Region Mannheim/Worms
Das Beben ereignete sich den Angaben zufolge in rund acht Kilometern Tiefe und war natürlichen Ursprungs. (Archivbild) Foto: Valeria Nickel

Tausende melden ihre Wahrnehmung

Wie sehr die Menschen den mäßig starken Erdstoß am Donnerstag wahrnahmen, zeigt die Resonanz auf den Internetseiten der zuständigen Behörden. Allein beim Landeserdbebendienst Baden-Württemberg trugen sich nach ersten Angaben der Experten rund 2.500 Menschen in die sogenannten makroseismischen Fragebögen ein. Dort können Betroffene schildern, ob sie ein Rütteln, Knacken oder Schwanken wahrgenommen haben.

Es wackelt auch bei der Polizei

Auch in Südhessen war das Beben nach Auskunft des Erdbebendienstes spürbar. Es gebe unter anderem Rückmeldungen von Menschen aus dem Raum Bürstadt, Lampertheim, Viernheim, Lorsch und Heppenheim, teilte der Leiter Benjamin Homuth auf dpa-Anfrage mit. Auch im Odenwald bis nach Wald-Michelbach und nach Norden bis ins Modau- und Fischbachtal sei es zu spüren gewesen. «Von Schäden gibt es bisher keine Berichte», sagte der Seismologe.

«Aus den Rückmeldungen aus der Bevölkerung lässt sich schließen, dass vor allem ein Grollen und eine Vibration, ein Stoß verspürt wurde», erläuterte Homuth. Teilweise sei das Ereignis so beschrieben worden, als würde ein Lastwagen gegen eine Wand fahren und das Haus wackeln. «Es war in Nähe des Epizentrums also deutlich spürbar für eine Dauer von etwa zwei bis fünf Sekunden.» Die Erschütterungen seien auch im Polizeipräsidium in Mannheim zu spüren gewesen, berichtete ein Sprecher in der nordbadischen Stadt.

Straßenbahn in Mannheim
Das Beben war im Umkreis von rund 30 Kilometern etwa auch in Mannheim zu spüren. (Archivbild) Foto: Uwe Anspach

Warum die Erde hier bebt

Die Erschütterungen werden von Wissenschaftlern als sogenanntes tektonisches Erdbeben eingeordnet. Die Region um Worms liegt im Oberrheingraben, einer geologisch alten Bruchzone. Dort gibt es zahlreiche Verwerfungen und Störungen im Untergrund, die als sogenannte natürliche Schwächezonen wirken. Wenn sich entlang solcher Störungen plötzlich Spannungen lösen, gerät der Boden in Bewegung.

Der Oberrheingraben reißt heute zwar nicht mehr weiter auf. Dennoch wirken im Untergrund gewaltige Kräfte. Die afrikanische Platte bewegt sich nach Norden und drückt gegen die europäische Platte. Das kann im Oberrheingraben Spannungen aufbauen, die sich ruckartig entladen.

© dpa-infocom, dpa:260911-930-670301/1