Braga. Die Kulisse des berühmten Felsenstadions passt zu dem Kraftakt, der dem SC Freiburg bevorsteht. Die Badener treten im Estádio Municipal zwar nicht zum Steineklopfen an, sondern zum Fußballspielen. Schweißtreibend wird das Halbfinal-Hinspiel der Europa League bei Sporting Braga am Donnerstag (21.00 Uhr/RTL) aber allemal. Der Sport-Club bekommt sein Mammutprogramm dieser Tage deutlich zu spüren. Jetzt, in der alles entscheidenden Phase dieser bemerkenswerten Saison geht es darum, bloß nicht nachzulassen.
Drama in Stuttgart hinterließ Spuren
Die Partie in Portugal ist für die Freiburger das nächste «Highlight-Spiel», wie es Maximilian Eggestein formulierte. «Da sollten alle Körner wieder da sein», sagte der Mittelfeldmann. Eggestein ist einer der Dauerbrenner beim SC. Das Achtelfinal-Hinspiel beim belgischen Vertreter KRC Genk hatte er wegen einer Rotsperre verpasst. Ansonsten stand er in allen bisherigen 47 Pflichtpartien der Freiburger in dieser Saison auf dem Rasen - und immer in der Startelf.
Auch im Liga-Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund (0:4), wo sich der SC am vergangenen Sonntag seine fast schon traditionelle Klatsche abholte. Beim BVB sahen die Freiburger selten gut aus. Diesmal, gezeichnet vom dramatischen Halbfinal-Aus im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart, aber besonders schlecht. Natürlich habe er noch gemerkt, dass es bei der bitteren 1:2-Niederlage nach Verlängerung drei Tage zuvor über 120 Minuten gegangen war, so Eggestein.
Schusters unverzichtbare Achse
Neben der hohen Belastung der Freiburger in dieser Saison veranschaulichte die Partie in Dortmund auch, wie wichtig die Topspieler Matthias Ginter, Johan Manzambi und Yuito Suzuki für den SC sind. Das Trio hatte angeschlagen gefehlt. Eine Achse, die für Trainer Julian Schuster kaum zu ersetzen ist.

Ginter, der Abwehrchef, überzeugt seit Wochen mit starken Leistungen und kämpft mit aller Macht um einen Platz im deutschen WM-Kader. Manzambi, das Schweizer Mittelfeld-Juwel, ist Dreh- und Angelpunkt im Freiburger Spiel. Suzuki, der quirlige Japaner, sorgt offensiv für besondere Momente. Alle drei haben sie enormen Anteil am bisherigen Triumphzug des SC.
Jetzt, wo der nationale Finaltraum geplatzt ist, gilt es, noch den internationalen am Leben zu halten. So weit sind die Freiburger auf der Road to Istanbul, wo am 20. Mai das Europa-League-Endspiel stattfindet, schon gekommen. Nun wollen sie auch noch die letzten Meter gehen und die knifflige Hürde Braga nehmen.
Matanovic fordert «120 Prozent»
«Es ist unfassbar intensiv, was für ein Tempo wir gehen Woche für Woche», sagte Stürmer Igor Matanovic vor dem Hinspiel beim Tabellenvierten der portugiesischen Liga. Umso wichtiger sei es, dass jeder Spieler im Kader immer bereit sei, «120 Prozent zu geben», meinte er. «Wir brauchen jeden Einzelnen.»
Erst ein deutsches Team hat den Nachfolgewettbewerb des UEFA-Cups bisher gewonnen: Eintracht Frankfurt vor vier Jahren. Können die Breisgauer den Hessen, mit denen sie in der Bundesliga noch um den siebten Platz kämpfen, folgen? Erst mal erwartet sie der Kraftakt in Bragas bekanntem Felsenstadion.
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