Freiburg. Nach seiner Versetzung aus Rom hat Erzbischof Georg Gänswein in Freiburg Kraft getankt und das Geschehen verarbeitet. «Es ist kein Geheimnis, dass mich Papst Franziskus ohne eine konkrete Aufgabe in meine Heimatdiözese zurückbeordert hat. Das war äußerst schmerzhaft: Ich fühlte mich wie ein Hund, der vom Hof gejagt wurde», sagte Gänswein kurz vor seinem 70. Geburtstag an diesem Donnerstag den «Badischen Neuesten Nachrichten». Die Zeit in Freiburg habe geholfen, «Verwundungen zu heilen und Nöte zu überwinden, die durch die Abschiebung aus Rom entstanden sind».
Abschiebung und Asyl
Die Entscheidung von Franziskus habe eine tiefe Wunde geschlagen, sagte er. «Ohne Begründung abgeschoben zu werden, tut weh.» Er habe das päpstliche Machtwort angenommen, weil er dem Papst bei der Bischofsweihe Gehorsam versprochen habe. Dieses Versprechen einzulösen, sei nicht einfach gewesen.
Bei einer Veranstaltung der «Schwäbischen Zeitung» sagte Gänswein laut einem Bericht: «Ich habe einen großen Satz an Sünden im Fegefeuer abgebüßt.» Er habe gebetet und gelitten. «Eines Tages werde ich vielleicht verstehen, warum es so gekommen ist.»
Gänswein: «Rom ist ein Lebensgefühl.»
«Als ich Rom verlassen musste, hat mir Freiburg, um es ungeschönt auszudrücken, Asyl gewährt», sagte Gänswein im Interview der «Badischen Neuesten Nachrichten» weiter. Dafür sei er Erzbischof Stephan Burger sehr dankbar.
Rom fehle ihm, räumte der 69-Jährige auf entsprechende Nachfrage ein. «Rom ist ein Lebensgefühl, gefüllt mit Erfahrungen, Begegnungen, Aufgaben und Herausforderungen, die knapp drei Jahrzehnte meines Lebens umfassen. Aber ich weine der Ewigen Stadt nicht nach.»
Feier zum runden Geburtstag
Das Verhältnis zwischen Franziskus und Gänswein galt über Jahre hinweg als belastet. Der aus dem Schwarzwald stammende Geistliche war langjähriger Privatsekretär von Benedikt XVI. gewesen und hatte den emeritierten Papst nach dessen Rücktritt 2013 fast zehn Jahre lang betreut.
Nach dessen Tod veröffentlichte Gänswein 2022 das Buch «Nichts als die Wahrheit». Darin äußerte er Enttäuschung über Franziskus und machte teils private Briefe öffentlich. In der Folge wurde er zunächst in seine Heimat versetzt und später als Vatikan-Botschafter ins Baltikum entsandt.
«Ich werde den Siebzigsten feiern wie die Geburtstage zuvor, nur mit etwas größerer Feierlichkeit», sagte Gänswein den «Badischen Neuesten Nachrichten». «Gottlob geht es mir gesundheitlich gut, ich bin wohlauf und bester Dinge.» Er habe sein Gleichgewicht wiedergefunden und versuche, seine Kräfte für den apostolischen Dienst im Baltikum, die Kirche, den Glauben und die Menschen einzusetzen.
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