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Insekten
Raupeninvasion in der Schweiz: 50 Hektar kahlgefressen

Raupeninvasion in der Schweiz
In der Region Sargans haben laut Behörden Millionen Einpunkt-Graseulen rund 50 Hektar Wiesen kahlgefressen. (Handout) Foto: Gianluca Volpe
Raupeninvasion in der Schweiz
Die Einpunkt-Graseule ist ein Nachtfalter. Seine Raupen ernähren sich von Gräsern. (Handout) Foto: Gianluca Volpe
Die Einpunkt-Graseulen sterben zwar bei kühleren Temperaturen ab, doch sorgen sich die Behörden schon um das nächste Jahr - und fürchten eine Ausbreitung nach Norden.

St. Gallen. Eine Raupeninvasion hat im Schweizer Kanton St. Gallen erhebliche Schäden angerichtet. In der Region Sargans hätten Millionen Einpunkt-Graseulen rund 50 Hektar Wiesen kahlgefressen, zehn Prozent der gesamten Wiesenfläche in der Region, sagt Bruno Inauen, Chef des St. Galler Amts für Landwirtschaft, der dpa. 

«Es ist wie in einem Horrorfilm», sagt Landwirt Thomas Willi dem Sender SRF. Die Einpunkt-Graseule ist ein Nachtfalter. Seine Raupen ernähren sich von Gräsern. Winterfest sind die nachtaktiven Insekten nicht. Sie sterben bei Kälte ab. 

Ausbreitung Richtung Norden befürchtet 

Eine solche Invasion habe es zum ersten Mal gegeben, wohl begünstigt durch das warme Wetter, sagt Inauen: «Die Eulenfalter sind wärmeliebend und fliegen aus Südeuropa ein.» Sie kommen auch im südlichen Kanton Tessin vor. Er warnt: «Eine Ausbreitung weiter Richtung Norden ist nicht auszuschließen.» Die wenige Zentimeter langen Raupen hätten wohl nicht genügend Fressfeinde in diesen Breitengraden. 

Familie Sieber in Sargans hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen Millionen Raupen vor der Eingangstür und von den Wänden ihres Hauses fortgefegt. «Man konnte vor der Haustür nicht mehr barfuß gehen, und bei den Schuhen klebten sie dann überall in den Ritzen», sagt Nadja Sieber der dpa. Die Wiese vor dem Haus, auf dem ein Trampolin für die Kinder stehe, sehe wie ein Acker aus. «Dort war jeder Quadratzentimeter voller Raupen.» Die Familie habe zeitweise einen Hintereingang benutzt, um ins Haus zu gelangen. Inzwischen gehe die Zahl der Raupen langsam zurück. 

Falter kann mehr als 1.000 Eier legen 

Die St. Galler Behörden blicken aber mit Sorge ins kommende Jahr. Sie wollen in den nächsten Monaten prüfen, ob es ein Mittel gibt, um die Wiesen zu schützen, sagt Inauen. So wird es etwa beim Junikäfer gemacht. Auf einem Substrat wird ein parasitärer Pilz in den Boden gebracht. Wenn der Engerling des Käfers damit in Kontakt kommt, stirbt er ab. 

Eulenfalterweibchen können nach Expertenangaben mehr als 1.000 Eier legen. Je wärmer, desto schneller schlüpfen die Jungraupen, manchmal schon nach wenigen Tagen. Nach rund sechswöchiger Fressphase verpuppen sie sich in der Erde, ehe nach zwei bis vier Wochen neue Falter schlüpfen.

© dpa-infocom, dpa:261016-930-847403/1