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Politische Äußerungen
Rückendeckung für Alphaville nach Festival-Ausladung

Sänger Marian Gold von Alphaville
Alphaville darf nicht beim Glücksgefühle-Festival auftreten. (Archivbild) Foto: Jens Kalaene
Campino
Campino hat Alphaville den Rücken gestärkt. (Archivbild) Foto: Jens Büttner
Lukas Podolski
Lukas Podolski ist Mitorganisator des Glücksgefühle-Festivals. (Archivbild) Foto: Uwe Anspach
Campino und Mateo kritisieren die Ausladung der Band scharf. Und auch die Politik reagiert. Was steckt hinter dem Streit um Demokratie und Meinungsfreiheit beim Glücksgefühle-Festival?

Hockenheim/Münster. Nach der Absage eines Auftritts von Alphaville («Forever Young») beim Glücksgefühle-Festival auf dem Hockenheimring mehrt sich Kritik an den Veranstaltern. Diese hatten den für Freitag geplanten Auftritt abgesagt, weil man sich mit der Band nicht darauf habe einigen können, «politische Äußerungen auf unserer Bühne zu unterlassen». Laut dem Bandmanager geht es um Aussagen gegen rechts und für Demokratie.

«Letztendlich ist es so, dass wir das schon extrem fragwürdig finden und auch absurd, jemanden auszuladen, der sich gegen die AfD äußert oder gegen Trump oder wie auch immer. Jemand, der stabil ist für die Demokratie», sagte Campino, Frontmann der Toten Hosen, am Mittwochabend bei einem Konzert in Münster. «Ich finde, da ist eine neue Grenze überschritten und eingerissen.»

Sänger Mateo von der Band Culcha Candela, die am Samstag beim Glücksgefühle-Festival auftreten soll, bewertete die Entscheidung der Organisatoren als ein kompliziertes Verhältnis zur Demokratie, «Level AfD-Hauptsponsor». «Leben wir schon in Russland oder ist es noch Deutschland, die BRD, Demokratie?», fragte er. «Also gestern waren wir noch Demokratie und Meinungsfreiheit.»

Culcha Candela sage bei jedem Auftritt, was sie von der AfD halte: «Fuck Nazis!», erklärte der Musiker. «Und das werden wir, falls wir bis dahin nicht ausgeladen werden, auch auf dieser Bühne sagen. Und zwar lauter denn je.»

SPD-Landeschef ruft zu Protest auf

Der Co-Vorsitzende der baden-württembergischen SPD, Robin Mesarosch, sagte in einem Video auf Instagram: «Du kannst nicht nicht-politisch sein, so sehr du dir das wünschst.» Er verwies auf Sänger Andreas Gabalier, der auf dem Festival auftreten soll und dessen Lieder auch politisch seien, wenn es etwa um Kameradschaft und Eiserne Kreuze gehe. «Es ist vor allem Murks, wenn ein Veranstalter den einen Musiker auftreten lässt, den anderen aber nicht, und dann auch noch behauptet, das wär unpolitisch», sagte Mesarosch.

«Es ist nicht die Aufgabe von dem Festival-Veranstalter, ganz allein die AfD aufzuhalten», sagte der Sozialdemokrat. Aber es könne auch niemand so tun, «als wäre man in einem unpolitischen Fantasieraum und das hätte alles nichts mit einem zu tun». Mesarosch rief Menschen auf, den Veranstaltern zu schreiben, was sie von der Entscheidung halten. «Und die Bitte richte ich auch an die Bands, die in den nächsten Tagen auf dem Glücksgefühle-Festival auftreten.»

Veranstalter verweisen auf Kritik von Konzertbesuchern 

Das Festival hatte auf Instagram erklärt, nach einem anderen Auftritt von Alphaville mit politischen Äußerungen habe es Unmut bei einigen Besuchern gegeben. In zahlreichen Nachrichten sei man gebeten worden, «als Veranstalter dafür Sorge zu tragen, dass die Künstler sich auf ihre Musik fokussieren». Daran habe man noch einmal vor dem Glücksgefühle-Festival erinnert. 

«Uns geht es dabei nicht um die politische Haltung von Marian Gold oder Alphaville und auch nicht darum, jemandem seine persönliche Meinung abzusprechen», heißt es weiter. «Es geht ausschließlich darum, welchen Rahmen wir als Veranstalter für unsere Veranstaltungen und unsere Bühnen setzen und stehen hier auch in der Verantwortung für unsere Besucher und unser Versprechen ihnen gegenüber: GOOD VIBES ONLY.»

Das Festival dauert bis Sonntag. Ex-Fußballnationalspieler Lukas Podolski und Veranstalter Markus Krampe organisieren es seit 2023. Auf Nachfragen der Deutschen Presse-Agentur unter anderem dazu, ob auch mit anderen Künstlern wegen politischer Äußerungen gesprochen worden sei, ob es weitere Absagen von Auftritten gebe oder Besucher ihre Tickets nach der Absage zurückgeben, reagierten die Veranstalter zunächst nicht.

Alphaville-Sänger: «Maulkorberlass»

Sänger Marian Gold von Alphaville hatte in einem Beitrag in sozialen Netzwerken die Absage öffentlich gemacht. «Diese Begründung gleicht aus unserer Sicht einem Maulkorberlass - uns allen bestens bekannt aus Diktaturen», schrieb der 72-Jährige dazu. «Das eine derartige Einschränkung der Meinungs- Rede- und Kunstfreiheit nun auf einem der größten Popfestivals Deutschlands angekommen zu sein scheint, empfinden wir als absolut untragbar und erschütternd.» 

«Alphaville halten Meinungsfreiheit, Toleranz und Demokratie noch immer für hohe Güter, die mit allen legalen Mitteln verteidigt werden müssen, auch und gerade von Künstlerinnen und Künstlern», heißt es weiter. «Dieser feindselige und vollkommen unnötige Akt lässt tief blicken, was das Demokratie- und Weltverständnis der Verantwortlichen des Glücksgefühle Festivals betrifft.»

Gold hatte sich bei Konzerten in der Ansage des Songs «Carry Your Flag» deutlich gegen rechtsradikale Tendenzen und für Freiheit, Toleranz und Demokratie eingesetzt. Das habe zu Diskussionen mit den Veranstaltern der «Glücksgefühle» geführt, sagte Bandmanager Christian Mielke am Mittwoch der dpa.

Die Veranstalter erklärten der dpa: «Das Verhalten von Alphaville und Marian Gold ist inakzeptabel. Wir lassen uns nicht in irgendeine politische Ecke drängen und werden uns hier mit allen Mitteln wehren.» Das Festival sei komplett unpolitisch - «und das gilt unabhängig davon, in welche politische Richtung eine Äußerung geht: für rechts, für links oder für jede andere politische Richtung».

© dpa-infocom, dpa:260903-930-627307/1