Stuttgart. Erst zeigte Alexander Blessin eine beeindruckende Sprungkraft beim Abklatschen mit Sportchef Rouven Schröder, dann herzte er einen Spieler nach dem anderen. Der Coach von Borussia Mönchengladbach wusste gar nicht, wohin mit seinen Emotionen. Den schlechtesten Saisonstart der Bundesliga-Geschichte gerade noch verhindert, schrie er nach dem 3:2-Erfolg beim VfB seine Freude in die Stuttgarter Nacht hinaus.
«Es ist schwierig, das in Worte zu fassen», sagte Blessin. Nach vier Liga-Niederlagen folgte er bei der Borussia auf Eugen Polanski. Doch auch unter dem 53-Jährigen blieb das erhoffte Erfolgserlebnis zunächst aus - bis zum Flutlichtduell in seiner Geburtsstadt.
«Sechs Spiele, zwei habe ich davon mitbekommen, da hat man schon diese Totengräber-Stimmung mitbekommen», so Blessin, der nach Abpfiff auf die Tribüne kletterte und seine Familie in die Arme schließen durfte. «Das ist schön, man kann das zusammen zelebrieren. Aber Entschuldigung, mir ist es dann wirklich egal, wo die Punkte herkommen.»
Gegen den VfB sah es zunächst nicht gut aus. Torhüter Moritz Nicolas - bislang einer der verlässlichen Leistungsträger - patzte beim frühen Gegentor durch Ermedin Demirovic. Die Gäste ließen sich aber nicht hängen und arbeiteten sich zurück - unter gütiger Mithilfe von erneut wankelmütig auftretenden Stuttgartern.
«In der Liga angekommen»
Joe Scally mit der Hacke noch vor der Pause (38.), Shuto Machino (51.) und Wael Mohya (66.) nach Wiederbeginn - die Borussia zeigte Nehmerqualitäten und ist nach Ansicht von Sportdirektor Schröder nun endlich «in der Liga angekommen». Der ganze Club atme jetzt einfach mal durch, sagte der 51-Jährige.

Viel Zeit bleibt jedoch nicht. Schon am Dienstag (20.45 Uhr/Sky) empfängt die Borussia in der zweiten Runde des DFB-Pokals den Karlsruher SC. Der erste Saisonsieg in der Liga könne nur der Anfang sein, appellierte Blessin an seine Spieler. «Wir dürfen uns jetzt nicht ausruhen.»
Nur ein Trio war noch jünger
Zu den wenigen Lichtblicken in den schwierigen Wochen gehörte der erst 17 Jahre alte Wael Mohya. Auch in Stuttgart spielte das Talent groß auf - mit einem Tor und einer Vorlage. Schon beim 1:2 gegen die TSG Hoffenheim hatte Mohya zuletzt getroffen.
Damit ist er laut Datenanbieter Opta der viertjüngste Spieler, der in zwei aufeinanderfolgenden Bundesliga-Spielen ein Tor erzielt hat. Jünger waren demnach nur Mathys Tel, Christian Pulisic und Florian Wirtz. «Es ist uns heute allen ein Stein vom Herzen gefallen», meinte Mohya. «Es ist natürlich geil, das haben wir uns alle verdient.»
Belohnt wurde er mit der Auszeichnung als «Spieler des Spiels» - und Lob von der sportlichen Führung. «Wie er hier aufdribbelt, wie frech er das Tor vorbereitet - Hut ab», sagte Schröder. Trainer Blessin sagte: «Nicht nur seine Vorlage und sein Tor waren unbeschreiblich gut. Er hat wahnsinnig viel gemacht und sich taktisch sehr gut verhalten.»
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