Stuttgart. Bei Mercedes-Benz spitzt sich der Konflikt rund um Sparmaßnahmen zu. Der Ton wird rauer. Beide Seiten - der Vorstand und die Arbeitnehmervertreter - stehen unter Druck. Gewinneinbrüche und Absatzrückgänge haben Spuren hinterlassen. Beschäftigte protestierten zuletzt gegen die Sparmaßnahmen.
Wie konnte es so weit kommen? Eine Chronologie.
20. Februar 2025: «Next Level Performance»
Mercedes verkündet bei der Präsentation seiner Jahreszahlen im schwäbischen Sindelfingen einen Gewinneinbruch. Vor allem wegen des schlecht laufenden Geschäfts in China fiel das Konzernergebnis 2024 im Jahresvergleich um gut 28 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro. Mercedes skizziert deshalb einen Plan, um die Profitabilität und den Absatz wieder zu steigern.
Konkret soll das mit einem Sparprogramm gelingen. Mercedes spricht von einem Programm zur Leistungssteigerung («Next Level Performance»). So sollen die Produktions- und Fixkosten bis 2027 um zehn Prozent gesenkt werden. Auch Materialkosten sollten reduziert werden.
Global sollten die Kapazitäten in den Werken für die Pkw von 2,5 Millionen Einheiten auf 2 bis 2,2 Millionen Einheiten bis 2027 reduziert werden. Werksschließungen in Deutschland seien nicht vorgesehen, heißt es.
4. März 2025: Einigung über Maßnahmenpaket
Mercedes verkündet, sich mit dem Gesamtbetriebsrat auf ein umfangreiches Maßnahmenpaket geeinigt zu haben. Teil dessen ist auch ein Abfindungsprogramm für Beschäftigte in indirekten Bereichen, also nicht in der Produktion. Betriebsbedingte Kündigungen gebe es keine, es gelte die doppelte Freiwilligkeit. Außerdem einigt man sich darauf, die laufende Beschäftigungssicherung in Deutschland bis Ende 2034 zu verlängern.
Tariferhöhungen des damals aktuellen Tarifabschlusses der Metall- und Elektroindustrie sollen nur zur Hälfte angerechnet werden, indem Teile von der übertariflichen Zulage abgezogen werden.
12. Februar 2026: Erneuter Gewinneinbruch und geringere Prämie
Mercedes verkündet, dass der Gewinn 2025 um 49 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro eingebrochen ist. Zölle, negative Wechselkurseffekte und der intensive Wettbewerb in China hätten die Ergebnisse belastet.
Die anspruchsberechtigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland erfahren, dass ihre Prämie voraussichtlich bei bis zu 3.139 Euro liegt. Bereits im Vorjahr war die Prämie niedriger als in den Vorjahren ausgefallen. Damals sollten bis zu 5.220 Euro ausgezahlt werden. 2023 und 2024 hatte die Prämie noch bei einer Rekordhöhe von bis zu 7.300 Euro gelegen.
19. Juni 2026: Vorständin fordert mehr «Gewinnermentalität»
Mercedes kündigt an, mehr aus seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herausholen und deren «Gewinnermentalität» stärken zu wollen. Jeder in seiner Rolle müsse immer wieder gucken, was er optimieren kann, sagt Personal- und IT-Vorständin Britta Seeger der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.
22. Juni 2026: Aufsichtsratschef äußert sich zu Arbeitszeiten
In einem Interview mit dem «Handelsblatt» fordert Aufsichtsratschef Martin Brudermüller eine Diskussion über wettbewerbsfähigere Arbeitskosten in Deutschland. Es sei in der schwierigen Situation zumutbar, wieder länger zu arbeiten. «Wir sollten ernsthaft die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche angehen», sagte Brudermüller.
In der deutschen Autoindustrie ist bei den tarifgebundenen Unternehmen die 35-Stunden-Woche Standard. Gesetzlich verpflichtend ist sie nicht.
26. Juni 2026: Vorstand will mehr Arbeit für das gleiche Geld
Mercedes verschärft seinen Sparkurs. Etwa 90.000 der rund 108.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten nicht wie erwartet im Juli eine tarifliche Sonderzahlung. Diese werde auf das kommende Jahr verschoben, heißt es in einem Schreiben des Vorstands.
Die Arbeitsstunde müsse günstiger werden, heißt es darin. «Der direkteste und in unseren Augen fairste Weg: Wir sollten in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr arbeiten», so der Vorstand. Der Gesamtbetriebsrat kritisierte den Vorstoß.
3. Juli 2026: Proteste gegen Sparkurs
Tausende Mercedes-Beschäftigte gehen gegen die Ausweitung des Sparkurses auf die Straße. Das Management wolle hart erkämpfte Errungenschaften zurückdrehen, sagt Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali in Sindelfingen.
13. Juli 2026: Werkserweiterung in Ungarn
Mercedes eröffnet die Werkserweiterung im ungarischen Kecskemet. Mercedes-Chef Ola Källenius hebt das Werk im ungarischen Kecskemet als Schlüsselstandort hervor. Die Fabrikkosten setzten Maßstäbe in Europa.
21. September 2026: Erneute Proteste
An einem bundesweiten Aktionstag der IG Metall beteiligen sich auch viele Mercedes-Beschäftigte. Gesamtbetriebsratschef Lümali sagt in Sindelfingen, man wolle deutlich machen, dass man sich wehren könne. Wenn der Vorstand meine, er könne einen über den Tisch ziehen, dann werde man zeigen, dass man mit ihm nicht weitermache. Der Vorstand habe jeglichen Verstand für die Beschäftigten verloren, sagte Lümali.

21. September 2026: Werksschließungen werden ins Spiel gebracht
Mercedes-Produktionsvorstand Michael Schiebe kündigt die Schließung von zwei Werken in Deutschland an, wenn die Kosten in Deutschland nicht reduziert werden. Klares Ziel sei es aber, alle Standorte in Deutschland zu erhalten.
29. September 2026: Beschäftigte sollen vier Tage die Woche ins Büro kommen
Die Beschäftigten sollen bald standardmäßig vier Tage in der Woche vor Ort im Büro arbeiten. Eine neue Konzernbetriebsvereinbarung soll «es Führungskräften ermöglichen, für Vollzeitbeschäftigte bis zu vier Präsenztage pro Woche ohne Begründung festzulegen», teilt ein Sprecher mit. Die bisherige Konzernbetriebsvereinbarung sei vom Unternehmen entsprechend gekündigt worden.
30. September 2026: Abfindungsprogramm reaktiviert
Mercedes-Benz legt sein Abfindungsprogramm für Beschäftigte in den indirekten Bereichen - also nicht in der Produktion - Deutschland neu auf. Das Programm starte voraussichtlich im Dezember, hieß es.
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