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Wie die Sparkassen auf die Wirtschaft im Südwesten blicken

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Die Sparkassen sehen in den wirtschaftlichen Kernbereichen in Baden-Württemberg «einen regelrechten Strukturbruch». (Symbolbild) Foto: Bernd Weißbrod
Die Wirtschaftslage im Südwesten ist ernst. Gerade die Maschinenbauer und Autohersteller haben mit Problemen zu kämpfen. Die Sparkassen im Land registrieren aber auch erste positive Signale.

Stuttgart. Aufgehelltes Geschäftsklima, mehr Kreditzusagen: Trotz großer Herausforderungen sehen die Sparkassen im Südwesten erste zarte Hinweise auf eine Wirtschaftserholung. Baden-Württemberg sei ein industrie- und exportstarkes Bundesland, sagte Sparkassenpräsident Matthias Neth in Stuttgart. Ein hoher Anteil an Wertschöpfung komme aus dem Maschinen- und Automobilbau. In diesen Bereichen sehe man unter anderem durch die Zoll- und Handelspolitik der USA und wachsenden Konkurrenzdruck aus China «einen regelrechten Strukturbruch».

2025 sei die Wirtschaftsleistung im Land laut aktuellen Einschätzungen zum dritten Mal in Folge rückläufig gewesen, sagte Neth. Das müsse man in aller Nüchternheit festhalten. Die Erwartungen an das laufende Jahr seien etwas besser, auch das Geschäftsklima habe sich zuletzt aufgehellt. Die Besserung spiele sich aber auf einem «viel zu niedrigen Niveau» ab, sagte der Sparkassenpräsident. 

Eine neue Landesregierung müsse sich auf die wesentlichen Zuständigkeiten besinnen, die das Land habe. Unter anderem müsse das Thema Bürokratie angegangen werden. Aber auch Hochschulthemen seien wichtig. Es könne nicht sein, dass die Grundlagenforschung, aber nicht das daraus resultierende Produkt in Baden-Württemberg stattfinde, sagte Neth.

Mehr Kreditzusagen an Unternehmen

In den Geschäftszahlen der Südwest-Sparkassen zeigen sich aber auch erste positive Entwicklungen: 2025 haben die Institute Kredite in Höhe von rund 15,5 Milliarden Euro an Unternehmen und Selbstständige zugesagt - ein Plus von 11,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Davon entfielen fast 12 Milliarden Euro auf Betriebsmittel und Investitionen. Nach drei Jahren Rezession lasse das auf eine gewisse Belebung hoffen, sagte Neth. Tragfähige Vorhaben würden auch in unsicheren Zeiten finanziert. «Wir sind auch fähig und bereit für mehr».

Angesichts der Wirtschaftslage und der Zunahme von Insolvenzen sicherten sich die Sparkassen aber auch gegen Kreditausfälle ab. Dafür wurden 2025 nach vorläufigen Zahlen 435 Millionen Euro zurückgelegt. «Wir spüren, dass das Wirtschaftsleben in Baden-Württemberg gerade unter Druck ist», sagte Neth. Oft gehe es um mittelständischen Kunden wie Zulieferern von Zulieferern, die Probleme hätten. Die Risikovorsorge falle zwar niedriger aus als in früheren Jahren. Dennoch sei es ein Wert, der ihn besorge.

Sparkassenverband Baden-Württemberg - Matthias Neth
Sparkassen-Chef Neth: «Wir spüren, dass das Wirtschaftsleben in Baden-Württemberg gerade unter Druck ist». (Archivbild) Foto: Marijan Murat

Wachstum verzeichnete der Sparkassenverband unter anderem auch bei den privaten Wohnbaukrediten, den Wertpapierumsätzen und Kundeneinlagen. Die Bilanzsumme stieg 2025 um 1,7 Prozent auf 254,3 Milliarden Euro. Der Gewinn unter dem Strich lag mit rund 1,5 Milliarden Euro leicht unter dem Vorjahreswert. Nach eigenen Angaben haben die 50 Sparkassen landesweit gut 1.670 Filialen und mehrere Millionen Privat- und Unternehmenskunden.

© dpa-infocom, dpa:260204-930-641163/1