Innsbruck. «Am Abgrund» heißt die zweite Ausgabe der neuen ARD-Krimireihe «Tiroler Blut», die erneut geschickt das Leben der Polizisten-Familie Gruber mit einem Kriminalfall verknüpft. Das Drehbuch stammt von Grimme-Preisträger Christian Jeltsch, dem zufolge «Tiroler Blut» von Menschen erzählt, «die das Richtige tun wollen und dabei an ihre Grenzen geraten». Im Mittelpunkt steht wieder Hauptdarstellerin Ursula Strauss als Chefinspektorin Fanny Gruber.
Die Kommissarin hat es mit einer seltsamen Entführung, einem unentdeckten Verbrechen und einer skrupellosen Geschäftsmasche zu tun. Und auch ihre Tochter Anna (Allegra Tinnefeld) ist plötzlich involviert. In Szene gesetzt hat die Folge Regisseur Matthias Tiefenbacher - erneut vor eindrucksvoller Tiroler Bergkulisse.
Der Film «Am Abgrund» ist nun in der ARD-Mediathek abrufbar und wird am Donnerstag, 15. Oktober, um 20.15 Uhr linear im Ersten gezeigt.
Die tote Freundin
Anna Gruber ist gerade von einer einjährigen Weltreise zurückgekehrt auf den Gruberhof. Anders als ihr Großvater Hannes (Sven-Eric Bechtolf), ihre Mutter Fanny und ihr Bruder Tobi (Noah L. Perktold) hat sie keine Ambitionen, Polizistin zu werden. Die Wiedersehensfreude wird jedoch getrübt. Denn einige Monate zuvor ist Annas beste Freundin Clara (Lara Horvath) tödlich verunglückt. Allem Anschein nach ein Unfall unter Drogeneinfluss. Anna besucht Claras trauernden Vater (Martin Leutgeb).
Fanny Grubers Expertise wird derweil von Immobilienmanager Renner (Cornelius Obonya) gebraucht. Dessen Tochter Emily (Julia Novohradsky) ist entführt worden. Auch wenn Renner Stress mit seiner Tochter hatte, scheint er sich tatsächlich zu sorgen und alles daranzusetzen, Emily zu befreien. Die Entführer stellen eine angesichts Renners Vermögen unerwartet niedrige Lösegeldforderung. Der Mann will das Geld unbedingt übergeben, doch die Aktion geht schief.
Fanny ist sauer. Sie meint, Renner verheimlicht etwas. Zwischen der Ermittlerin und dem Vater kochen die Emotionen hoch, insbesondere als herauskommt, dass die Entführer interne Unterlagen aus Renners Unternehmen einsehen wollen. Unterdessen macht Anna eine Entdeckung, die ein neues Licht auf Claras Tod wirft. Gibt es einen Zusammenhang mit der Entführung?
Von Vertrauen und Schuld
Drehbuchautor Jeltsch erzählt im ARD-Interview, was für ihn den Reiz der neuen Krimireihe ausmacht. «Mich interessieren keine Heldinnen und Helden, die alles im Griff haben, sondern Figuren, die Fehler machen, zweifeln und trotzdem weitermachen.»
Die Essenz der beiden Filme sei für ihn das Thema Vertrauen - in andere Menschen, aber auch in das eigene Urteilsvermögen. «Was passiert, wenn dieses Vertrauen erschüttert wird? Wenn ein einziger Moment das ganze Leben verändert? Genau dort beginnen die Geschichten von Fanny und Tobi.»
Aber auch das Thema Schuld beschäftigt den Autor. Schuld sei selten eindeutig. «Es gibt juristische Schuld, und es gibt die Schuld, die Menschen sich selbst zuschreiben. Oft ist Letztere viel schwerer zu tragen», sagt Jeltsch im Interview weiter.
Spannender als die Suche nach dem Täter findet er in Kriminalgeschichten die Frage, was eine Tat mit den Menschen macht, die zurückbleiben, und zwar Täter wie Opfer. «Charakter zeigt sich erst in Krisen, das ist keine neue Erkenntnis, aber sie bleibt wahr. Deshalb erzählen beide Filme letztlich weniger von Verbrechen als von Menschen, die versuchen, mit ihren Entscheidungen weiterzuleben.»
Familienalltag der Grubers
Was die Reihe auszeichnet, ist die Zeichnung der Figuren. Innerhalb kurzer Zeit erfährt der Zuschauer viel über die Grubers, wie sie zusammenleben und welche Konflikte sie mit sich oder untereinander austragen.
Jeltsch zeigt die Grubers bei alltäglichen Gewohnheiten und Ritualen wie gemeinsamen Mahlzeiten. Das zeige, dass die Familie trotz aller Konflikte verbunden bleibt, sagt er. Tobi findet beim Sport Leichtigkeit und Freiheit. Musik spielt eine wichtige Rolle. «Diese Details sollen die Figuren nicht originell machen, sie sollen ihnen Alltag geben. Je genauer wir unsere Grubers kennenlernen, desto stärker berührt uns, was ihnen widerfährt.»
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