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SAATKORN

Vorzeigeprojekt zur Integration

Bei einem Tag der offenen Tür gab der Verein „Saatkorn Projekt“ Einblick in sein Konzept, das Lernen, Leben und Arbeiten für junge Flüchtlinge umfasst.

Bei einem kleinen Basar werden Täschchen und Topfuntersetzer verkauft. Fotos: Ramona Theiss
Bei einem kleinen Basar werden Täschchen und Topfuntersetzer verkauft. Foto: Ramona Theiss
Flüchtlinge verkaufen Nudeln aus eigener Herstellung.
Flüchtlinge verkaufen Nudeln aus eigener Herstellung.

KORNTAL-MÜNCHINGEN. Vor dem Haus Nummer 39 in der Martin-Luther-Straße in Korntal boten am Samstag junge Flüchtlinge Nudeln und Pesto an, im Hof wurde gegrillt, im Obergeschoss des Hauses gab es einen kleinen Basar. „Den Tag der offenen Tür veranstalten wir für die Nachbarschaft, um noch vorhandene Distanz aufzulösen“, erklärte Monika Klotz, Gründungsmitglied des Saatkorn Projekts und stellvertretende Vorsitzende.

Wohnungen, Café und eine

Nudelmanufaktur

Seit der Verein im August 2016 aus der Taufe gehoben wurde, hat sich viel getan. Das Mehrfamilienhaus und eine weitere Wohnung in einem anderen Gebäude wurden angemietet und Wohngemeinschaften für junge Flüchtlinge eingerichtet. Außerdem wurde ein paar Häuser weiter die Nudelmanufaktur Kornhaus mit Café gegründet. Dort stellen die Asylbewerber verschiedene Teigwaren sowie Pesto her, verkaufen sie und bieten einen Mittagstisch an. Aufgenommen werden junge Leute, die allein nach Deutschland gekommen, aber bereits volljährig sind. „Wir wollen ihnen Heimat geben und sie beim Deutsch lernen und auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützen“, so Klotz. „Damit sie lernen, nach deutschen Maßstäben zu arbeiten, haben wir den Handwerksbetrieb gegründet.“ Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Beachtung hygienischer Vorschriften, höflicher Umgang und Konfliktlösung werden den Männern zur Vorbereitung auf das Berufsleben vermittelt. Wer nur eine Wohnung sucht, hat Pech, Saatkorn nimmt nur Flüchtlinge auf, die das Gesamtpaket haben wollen.

Wer noch keinen Beruf hat, der muss ehrenamtlich arbeiten

„Momentan wohnen bei uns 17 junge Männer, darüber hinaus betreuen wir noch knapp zehn weitere Geflüchtete“, berichte Monika Klotz. Wer noch keiner beruflichen Tätigkeit nachgeht, ist zu zehn ehrenamtlichen Arbeitsstunden im Kornhaus verpflichtet, gern dürfen es auch mehr sein. „Ich bin sehr froh, beim Saatkorn Projekt dabei zu sein“, sagte Abdolah Mohammadi aus Afghanistan, der beim Tag der offenen Tür Nudeln verkaufte und Fotos machte. „Ich habe hier Deutsch gelernt und man hat mir geholfen, einen Ausbildungsplatz als Feinwerkmechaniker in Steinheim zu finden.“ Auch wenn die Fahrt dorthin mit öffentlichen Verkehrsmitteln viel Zeit kostet, möchte der 22-Jährige keinesfalls umziehen. In Korntal hat er Freunde und ein Stück neue Heimat gefunden. Auch der junge Inder Sanju Sharma hat sehr von der Integration am Nudelbrett profitiert. Dass die Flüchtlinge auch manche andere Talente mitbringen, zeigte der kleine Basar. Es wurden Kinderkleider, Täschchen und Topfuntersetzer angeboten. Genäht hat sie Niang Lum aus Gambia. „Ich bin Schneider“, so der 21-Jährige, der auch hier sehr gern in seinem Beruf tätig wäre. „Doch er hat noch keinen Aufenthaltsstatus und darf nicht arbeiten“, sagte Monika Klotz. „Niang Lum muss immer etwas tun“, ergänzte Sofia Marvaki-Wolski, die die „Jungs“ coacht. Wegen ihres eigenen Migrationshintergrunds kann sie besonders gut nachvollziehen, was es heißt, in einem fremden Land neu anzufangen. Um die jungen Geflüchteten kümmert sich auch Integrationsbegleiter Mahir Ghalioun, der seine Arbeitszeit je zur Hälfte für das Kornhaus und die Wohngemeinschaften einsetzt. Finanziert wird er vom Verein, der vom Landratsamt Ludwigsburg für die Unterkunft der Flüchtlinge mehr Geld erhält, als dem Hauseigentümer an Miete gezahlt werden muss. So können die Lohnkosten gestemmt werden. „Doch es sind jede Woche auch noch viele Arbeitsstunden von Ehrenamtlichen notwendig“, macht Klotz deutlich, dass die vorbildliche Integrationsarbeit kein Selbstläufer ist. „Wir müssen dran arbeiten, mit einem sehr schönen Ergebnis.“

Dass die Besucher am Tag der offenen Tür voll des Lobes waren, freute Vereinsmitglieder und Flüchtlinge.

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