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„Wir müssen Herausforderungen anpacken“

Zum Weltkindertag feiert die evangelische Jugendhilfe Hochdorf am Sonntag ein Fest – Die Vorstandsvorsitzende hält ein Plädoyer

Bunter Nachmittag mit Spiel und Spaß: Kinder hämmern Nägel ins Holz. Foto: Holm Wolschendorf
Bunter Nachmittag mit Spiel und Spaß: Kinder hämmern Nägel ins Holz. Foto: Holm Wolschendorf

Remseck. Wenn in „High Village“ Kinder- und Familienfest gefeiert wird, scheint immer die Sonne. „In 15 Jahren hat es an diesem Tag noch nie geregnet“, sagt Claudia Obele, Vorstandsvorsitzende der evangelischen Jugendhilfe Hochdorf. Die organisiert zusammen mit der Hobbybude den bunten Nachmittag mit Spiel und Spaß.

Nach dem Gottesdienst im Zelt mit Pfarrerin Irmtraud Aebert und den Grußworten startet das Fest am Sonntag durch: Grundschüler, Kinder vom Kinderhaus und dem Naturkindergarten Watomi singen fröhliche Lieder, die Remsecker Tanzwerkstatt und die 16-Jährige Bewohnerin in einer Verselbständigungsgruppe Xhulijana zeigen Tänze. Zwischendurch werden Waffeln genascht, gebacken von den Frauen von „Inner Wheel“.

Höhepunkt des Programms aber ist eine Vorführung der brasilianischen Sportart Capoeira auf dem Hartplatz. Das ist eine Mischung aus Kampfkunst Musik, Akrobatik und Tanz. Darin ist die 15-jährige Emily Schumacher aus Bietigheim Deutsche Meisterin. Seit sie eingeschult wurde, ist das mit ihr liebstes Hobby. Zusammen mit drei Teamkollegen gibt sie eine Kostprobe geschmeidiger Körperbeherrschung. Es sei eher ein komplexes Spiel innerhalb einer Gruppe mit vielen, aber berührungsfreien Kicks und Bewegungen, wobei jeder seinen eigenen Rhythmus habe, erklärt sie. „Man muss aufpassen, sonst tut es sehr weh.“

Luftgepolstert dagegen sind die, die sich in der Hüpfburg austoben. Die anderen absolvieren die Spielstraße auf dem Sportplatz oder balancieren auf der Slackline im Garten der Wohngruppe „Waldvögel“. Die kann auch besichtigt werden. Jeder der sieben Bewohner kann hier sein Zimmer nach eigenen Vorstellungen gestalten. Die gemischte Gruppe mit Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren ist eine Familie auf Zeit. Bis sie selber flügge geworden sind oder wieder zurück in ihre Familien können. Rund um die Uhr werden sie von Fachkräften betreut – und sie müssen ran im Hauhalt. Wäsche waschen, Staubsaugen, Küchendienst. „Oft mehr als sonst im Hotel Mama üblich“, sagt Obele.

„Genau jetzt!“, lautet das diesjährige Motto des Kinder- und Familienfestes zum Weltkindertag des Deutschen Kinderhilfswerks und Unicef Deutschland. „Allzuoft wird gerne etwas auf die lange Bank geschoben“, sagt Obele in ihrer Begrüßung. Die Steuererklärung, die notwendige Entrümpelung des Kellers, der Kontrolltermin beim Arzt. „Es liegt in der Natur des Menschen, dass wir uns vor unliebsamen Dingen gerne drücken, vielleicht auch schützen, sie jedenfalls zu vermeiden versuchen“, so Obele.

Aber es ergebe keinen Sinn, schwierige Aufgaben und Herausforderungen weg- oder vor sich herzuschieben. „Wir müssen sie annehmen und anpacken“, sagt die Vorsitzende. Vor allem, wenn es um die Rechte und die Bedürfnisse von Kindern gehe. Nicht irgendwann, sondern genau jetzt. So wie die Klimaschutzaktivisten von „Fridays for Future“ ungeduldig zum Handeln drängeln.

Der Remsecker OB Schönberger lobt unterdessen die gute Kooperation mit dem Hochdorfer Jugendhilfeverein, die hier ausstrahle. Auch in zwei weitere, kleinere Wohngemeinschaften oder in die Wilhelm-Keil-Schule, in der an zwei Nachmittagen in der Woche Jugendliche Sozialtraining bekommen. Dankbar ist er darüber hinaus, dass eine Mitarbeiterin Willkommensbesuche bei Familien mit Neugeborenen macht. Etwa 30 frisch gebackene Mamas und Papas pro Jahr möchten das gerne.

Zum guten Schluss – und auch das hat Tradition – tritt eine Gruppe aus Bewohnern und Mitarbeitern der evangelischen Jugendhilfe gegen die Remsecker Promis in der Disziplin „Säckchen-Zielwurf“ und Riesenjenga an.

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