Ludwigsburg | 07. September 2013

Mit leidenschaftlichem Einsatz

Künstler-Reihe der Haake-Stiftung im Schloss: Zu Beginn ein Opernabend

„Teufel und Wahnsinn“ – unter diesem Thema treten junge, von der Haake-Stiftung geförderte Künstler im Schloss auf. Foto: Ramona Theiss
„Teufel und Wahnsinn“ – unter diesem Thema treten junge, von der Haake-Stiftung geförderte Künstler im Schloss auf. Foto: Ramona Theiss

Durch die hohen Fenster im Marmorsaal, deren Vorhänge aufgezogen sind, blickt man in den abendlichen Schlossgarten, die Stimmung ist friedlich, während des Konzerts sinkt die Nacht herab. Wieder ein zauberhafter Spätsommerabend – doch der Zauber bei der Eröffnung der siebenteiligen Konzertreihe der Haake-Stiftung im Schloss ist von ganz anderer Art: „Teufel und Wahnsinn“ ist das Thema, mit dem Bernhard Epstein in diesem Jahr wieder junge Sänger und seine Kollegin Sylvia Koncza aus dem Opernstudio der Stuttgarter Musikhochschule nach Ludwigsburg brachte.

Die Haake-Stiftung fördert vornehmlich junge Künstler, die Ludwigsburger Reihe im September schafft ihnen Auftrittsmöglichkeiten, die von einem interessierten Publikum wohlwollend aufgenommen werden – auch wenn die akustischen Bedingungen gerade im Marmorsaal des Schlosses nicht optimal sind. Die starke Hallwirkung lässt zumal die Sopranstimmen manchmal fast klirrend ins Ohr dringen.

Doch sängerisch und gestalterisch erlebt man an diesem Abend Staunenswertes. Schon der Auftakt mit Mephistos Arie über das Goldene Kalb („Le veau d’or“) aus Charles Gounods „Faust“ ist vielversprechend. So teuflisch rot Seok-Hoon Moons Einstecktuch an seiner schwarzen Jacke ist, so finster und gefährlich klingt sein profunder Bass, der auch im zweiten Teil des Abends in seiner Szene („Bonsoir“) und Serenade des Mephisto die Facetten dieser teuflischen Figur gut zur Geltung bringt.

Am meisten beschäftigt in dem von Bernhard Epstein souverän am Klavier begleiteten und launig moderierten Opernkonzert ist die Sopranistin Mi-Yeon Baek – eigentlich eine Einspringerin für die kurzfristig erkrankte Tanja Kuhn. Doch Baek powert ihre Arien des Ännchens aus dem „Freischütz“ und der Ophelia aus „Hamlet“ von Ambroise Thomas mit leidenschaftlich dramatischem Einsatz: In der ironischen Geisterballade vom Kettenhund ist ihre Mimik ganz entzückend, in der Wahnsinnsszene nach Shakespeare holt sie singdarstellerisch alles aus sich heraus. Mit leichterem, beweglicherem Soubrettenton gestaltet sie dann im zweiten Teil ihre Arien und Duette der Cunegonde mit Sylvia Koncza als Old Lady aus Leonard Bernsteins „Candide“. Schade nur, dass sie in den Spitzentönen manchmal unsauber intoniert.

Eine große Zukunft dürfte der in Stuttgart geborene Tenor Dennis Marr vor sich haben, der derzeit im Masterfach der Opernschule studiert. Glänzend differenziert in den verschiedenen Emotionen interpretierte er die große Arie des Max aus Carl Maria von Webers „Freischütz“, und als Candide war er ein strahlender Partner von Mi-Yeon Baek im Duett „O happy we“. Bernard Epstein steuerte noch eine „Suggestion diabolique“ zu dem interessanten Abend bei. Wie „vom Teufel geritten“ – so hat ihm ein russischer Kollege den Titel erklärt – raste das Klavierstück vorüber.

Info: Heute, 20 Uhr, gibt es einen Abend mit Musik im Garde- und Marmorsaal, morgen um 11 Uhr Literatur und Gitarrenmusik im Bacchuszimmer, Balladen und Musik der Romantik um 20 Uhr im Marmorsaal. Karten an der Abendkasse.

Dietholf Zerweck
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