1. Startseite
  2. Lokales
  3. Wirtschaft
Logo

Fachkräftemangel
Wirtschaftskolumne: Ausbildung gerade jetzt nicht aus dem Blick verlieren!

Martin Scheel, Leiter der Agentur für Arbeit Ludwigsburg
Martin Scheel, Leiter der Agentur für Arbeit Ludwigsburg Foto: Arbeitsagentur/Benjamin Stollenberg
Wer an der Ausbildung spart, spart an der eigenen Zukunft. Sowohl Jugendliche als auch Personaler sollten deshalb die Woche der Ausbildung nutzen.

Kreis Ludwigsburg. Anfang Februar veröffentlichte die IHK Region Stuttgart, Bezirkskammer Ludwigsburg, ihren Wirtschaftslagebericht zum Jahresbeginn 2026, mit der zentralen Botschaft „Leichte Lageverbesserung, Skepsis bleibt“. Sehr bemerkenswert für mich war, dass der Fachkräftemangel im Risikoranking für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen mit rund 28 Prozent Nennungen mittlerweile nicht mehr unter den Top 5 der Risiken genannt wird.

Noch vor kurzem zeigte sich ein ganz anderes Bild. Deutlich über 40 Prozent der Unternehmen sahen im Fachkräftemangel die größte Herausforderung für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Mein erster Gedanke war, „wenn das nur mal gut geht“.

Klar ist, dass alle Faktoren, die bei einer schlechten Auftragslage der Unternehmen kurzfristig das Betriebsergebnis negativ beeinflussen, in der Wahrnehmung dominieren und besonders im Fokus stehen. So insbesondere auch die Personalkosten, die bei einer schwachen Auslastung regelmäßig dazu führen, dass die Unternehmen Beschäftigte entlassen und/oder freie Arbeitsplätze nicht mehr besetzen oder auch an der Ausbildung ihrer Nachwuchskräfte sparen.

Enorme Risiken

Grundsätzlich ist das auch für mich eine nachvollziehbare Reaktion. Bei genauerem Hinsehen sind damit aber auch enorme Risiken verbunden, die sich nicht sofort, sondern häufig erst nach einiger Zeit bemerkbar machen. Ein bisschen so wie bei hohem Blutdruck. Die Einnahme einer Tablette kann sehr schnell den Blutdruck senken, die Nebenwirkungen aber treten häufig später auf. Vorausschauender wäre es da in vielen Fällen, regelmäßig Sport zu treiben und auf eine ausgewogene Ernährung zu achten.

So sehe ich das auch bei der eigenen Ausbildung von Nachwuchskräften, die keinesfalls vernachlässigt werden sollte, auch wenn kurzzeitig Sparmaßnahmen erforderlich sind. Wir stehen in Deutschland vor einer doppelten Herausforderung. Zum einen verschärft der demografische Wandel die Situation auf dem Arbeitsmarkt. In den kommenden Jahren werden deutlich mehr Menschen in Rente gehen, als junge nachrücken. Zum anderen verändern Digitalisierung, Automatisierung und neue Geschäftsmodelle nahezu alle Branchen. Berufsbilder wandeln sich, Qualifikationen werden komplexer, Lernzyklen kürzer.

Fachkräfte für den Mittelstand

Unternehmen, die heute nicht selbst ausbilden, riskieren morgen, die passenden Fachkräfte schlicht nicht mehr zu finden. Das trifft besonders unsere so wichtigen mittelständischen Betriebe. Die Ausbildung ist mehr als ein Kostenfaktor, sie ist eine strategische Investition und Vorsorge für wieder bessere Zeiten, damit ein Unternehmen beim Anspringen der Konjunktur uneingeschränkt handlungsfähig ist. Wichtig: Wer heute ausbildet, erntet erst in drei Jahren die Früchte. Oder anders ausgedrückt: Wer morgen Fachkräfte braucht, muss heute ausbilden.

In der Woche vom 16.03. bis 20.03.2026 findet wieder die Woche der Ausbildung statt. Tage, an denen die Bundesagentur für Arbeit mit vielen Maßnahmen und Aktivitäten auf die Bedeutung der Ausbildung für unsere Gesellschaft aufmerksam macht. Neben Unternehmen, die sich für die Ausbildung der eigenen Fachkräfte engagieren, braucht es auf der anderen Seite Jugendliche beziehungsweise junge Erwachsene, die ihre Zukunft mit einer Berufsausbildung auf ein sicheres Fundament stellen wollen.

Die Woche der Ausbildung ist eine hervorragende Gelegenheit, die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen. Sie als Personalentscheider spielen eine wichtige Rolle bei der Förderung von Nachwuchskräften und der Sicherung des Fachkräftebedarfs in Ihrem Unternehmen.

Ganz nach dem Motto: Wer Fachkräfte sucht, muss anfangen, Fachkräfte zu machen.

Martin Scheel ist Leiter der Agentur für Arbeit Ludwigsburg