Matinee
Ludwigsburg | 10. September 2013

Zu Besuch bei Goethe

Biografisches, Lyrisches und Gitarrenmusik von der Haake-Stiftung im Bacchus-Zimmer

Ließen die besondere Beziehung Goethes zu Christiane Vulpius aufleben (von links): Nobert Leuz, Brigitte von Egloffstein, Isabelle Boslé, Timm Roller und Christian Kiss. Foto: Benjamin Stollenberg
Ließen die besondere Beziehung Goethes zu Christiane Vulpius aufleben (von links): Nobert Leuz, Brigitte von Egloffstein, Isabelle Boslé, Timm Roller und Christian Kiss. Foto: Benjamin Stollenberg

Goethe war 39, als er der 23-jährigen Christiane Vulpius im Weimarer Schlosspark an der Ilm 1788 zum ersten Mal begegnete. Sein „Erotikon“ und „kleines Naturwesen“, wie der gefeierte Dichter und Minister seine Geliebte in Briefen an sie nannte, war der Gegenstand einer literarisch-musikalischen Sonntagsmatinee der Hakke-Stiftung im Bacchus-Zimmer des Ludwigsburger Schlosses. Brigitte von Egloffstein und Norbert Leuz gaben Zitate aus dem Briefwechsel des ungleichen Paares zum besten, Christian Kiss und Timm Roller spielten Gitarrenmusik aus Goethes Zeit.

Daraus entstand ein unterhaltsames Porträt einer Beziehung, die in den ersten Jahren in der Weimarer Gesellschaft für viel Tratsch und üble Nachrede sorgte. Dass die „fleischliche Vereinigung“ ohne den kirchlichen Segen stattfand und die „gemeine Hure“ schon im darauffolgenden Jahr Goethes Sohn August unehelich zur Welt brachte, verstieß ebenso gegen die Konventionen wie ihr freier Umgang miteinander. Charlotte von Stein, die bis dahin eine wichtige Rolle im Leben des Dichters gespielt hatte, lästerte über „Goethes dickere Hälfte“, und selbst die Herzogin Anna Amalia fand es pikierend, „dass er seinen Bastard mir jeden Tag vor der Nase herumtragen muss.“

Vom ersten Besuch bei Goethes Mutter in Frankfurt schrieb Christiane ihrem „Allersuperbesten“ enttäuscht, es sei ihr nicht einmal Champagner serviert worden, und auf der Rückreise: „Mein Mägelchen tut ordentlich weh, wenn ich keinen Wein bekomme.“ Während Goethe an dem Mädchen aus einfachen Verhältnissen, das er 18 Jahre später auch heiratete, nachdem sie ihm vor französischen Soldaten das Leben gerettet hatte, vor allem dessen Lebensklugheit, praktische Intelligenz und heiteres Wesen schätzte, gab ihm ihre Lebenslust gelegentlich auch Grund zur Eifersucht. Als Christiane ihm aus einer Kur in Bad Lauchstätt von einem schmucken Tänzer-Offizier aus Berlin vorschwärmte, schrieb er zurück: „Mit den Äugelchen teht es, wie ich sehe, etwas stark. Sieh nur zu, dass keine Augen daraus werden.“

Goethes Liebe zu Christiane Vulpius inspirierte auch manche seiner Gedichte. Die wurden von Isabelle Boslé mit großer Einfühlungskraft vorgetragen. 25 Jahre nach ihrer ersten Begegnung widmet der Dichter seiner Frau eines seiner schönsten Liebesgedichte: „Ich ging im Walde so für mich hin / Und nichts zu suchen das war mein Sinn / Im Schatten sah ich ein Blümchen stehn / Wie Sterne leuchtend, wie Äuglein schön...“

Info: Es gibt noch zwei Veranstaltungen der Haake-Stiftung im Schloss: am Freitag ein Duoabend für Violine und Klavier mit Werken von Bach, Beethoven, Mendelssohn, Brahms und Franz Liszt, am Samstag ein Abend mit Liedernvon Richard Strauss und Richard Wagner. Beide Konzerte beginnen im Marmorsaal um 20 Uhr,Eintrittskarten gibt es an der Abendkasse.

Dietholf Zerweck
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