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Aufstieg in den Olymp der Geigenbauer

Ulrike Dederer holt dritten Platz bei renommiertem Wettbewerb – In Ludwigsburg aufgewachsen

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Ludwigsburg. Die zierliche 41-Jährige, die in einem Ludwigsburger Eiscafé sitzt und von ihren drei Kindern auf Trab gehalten wird, wirkt wie eine der vielen Mütter im Alltagsstress. Eines hat einen ganz tollen Stock gefunden, das andere möchte jetzt unbedingt ein Eis, und der Größeren ist es irgendwie langweilig. Mit liebevoller Geduld wendet sie sich ihren Kindern zu, die stürmen wieder ein Spielgerät auf der Wiese.

Und Ulrike Dederer, die statt des schwäbischen längst einen Schweizer Zungenschlag hat, beginnt über ihre Leidenschaft zu erzählen: das Bauen von Geigen in ihrer eigenen Werkstatt in Zürich. Dort lebt sie mit ihrem Mann, einem Mathematiker, und den drei Kindern. Wenn sie in die Welt ihres Ateliers eintaucht, dann vergisst sie den Familientrubel und widmet sich edlen Hölzern, aus denen sie formvollendete Instrumente baut.

In jeder ihrer Geigen stecke viel Seele und Gedankenarbeit, betont sie. Und es steckt darin auch viel handwerkliche Tradition, denn konstruiert und gebaut wird noch wie vor über 300 Jahren, als der wohl berühmteste italienische Geigenbaumeister Antonio Stradivari in Cremona bei Mailand wirkte.

Musik bestimmte schon von Kindheit an das Leben Ulrike Dederers. Sie lernte Cello an der Jugendmusikschule Ludwigsburg und spielte viele Jahre im Jugendsinfonieorchester, damals unter der Leitung von Professor Siegfried Bauer. Für Ulrike Dederer war aber schnell klar, dass sie nicht Musik studieren möchte. „Ich war da einfach nicht fleißig genug“, gesteht sie.

Da sie aber schon immer handwerklich begabt war, reifte in ihr die Idee, das Bauen von Musikinstrumenten zu lernen. Inspiriert hatte sie damals auch der Besuch einer Geigenbauschule in der walisischen Partnerstadt Rhymney Valley. Nach dem Abitur am Schiller-Gymnasium bewarb sie sich um einen der begehrten Plätze an der Geigenbauschule im bayerischen Mittenwald, aber ohne Erfolg.

Ulrike Dederer wagte schließlich einen für einen jungen Menschen mutigen Schritt. Sie schrieb die Geigenbauschule im italienischen Cremona an, wo sie schließlich einen Platz bekam. In den Sommerferien paukte sie Italienisch und verließ Ludwigsburg Richtung Süden. Dort machte sie auch ihren Abschluss und legte danach auch noch die deutsche Gesellenprüfung in Mittenwald ab. In einem Geigenbauatelier in Zürich war sie danach vor allem mit dem Restaurieren von Geigen beschäftigt, seit drei Jahren ist sie selbstständig und baut Instrumente.

Mit ihrem dritten Platz beim Wettbewerb in Polen hat sie sich als erste Frau in einer noch männlich dominierten Zunft gehörig Achtung verschafft. Dass sie unter 148 Wettbewerbsteilnehmern so weit nach vorne kam, erfüllt sie denn auch mit Stolz.

Als sie vom Bau des Wettbewerbsinstruments erzählt, spürt man die Hingabe Dederers zu ihrem Beruf. Wie sie den bosnischen Ahorn und das Fichtenholz aus den Dolomiten direkt aus der Sägerei holte, wie sie die kompakten, aber äußerst leichten Hölzer verarbeitete und schließlich die fertige Geige mit einem speziellen Öllack polierte.

Doch die Zeit läuft davon und ihre ehemaligen Schulfreundinnen warten. Das Treffen in Ludwigsburg war lange geplant, die Frauen haben sich viel zu erzählen. So packt sie Kind und Kegel für einen Ausflug ins Blühende Barock. Da ist sie wieder die ganz normale Mutter im Alltagsstress.