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Im Internat gehen die Lichter aus

Sie heißt Hogwarts und ist in den Harry-Potter-Romanen eine Schule für Hexerei und Zauberei.

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Der Campus des Lichtenstern-Gymnasiums in Sachsenheim. Im alten Schlossgebäude im Hintergrund links ist das Internat untergebracht. Künftig werden dort die älteren Schüler der Kursstufen unterrichtet. Foto: Archivfoto: Harry Melchert/dpa

Ludwigsburg. An dieser Schule, die sich irgendwo in Schottland befindet, werden magisch begabte Schüler zu Zauberern und Hexen ausgebildet und so auf ihre spätere magische Berufslaufbahn vorbereitet. Wenn das Internat des Evangelischen Lichtenstern-Gymnasiums (LSG) in Sachsenheim ähnliche Angebote unterbreiten könnte, hätte man sich um seinen Fortbestand keine Sorgen machen müssen. Doch zaubern können am LSG weder die Lehrer noch der Schulleiter. Und so kommt das Unvermeidliche: Das Internat muss in zwei Jahren geschlossen werden.

 

Rückläufige Anmeldezahlen

„Mit diesem Schritt gehen wir an die Wurzeln der Schule – das tut schon weh“, drückt Schulleiter Reinhart Gronbach sein Bedauern über die notwendige Schließung des Internats aus. Er begründet die Entscheidung mit zurückgehenden Anmeldezahlen. Das Internatswesen stecke deutschlandweit in einer Krise. Nach 60 Schülerinnen im Schuljahr 2007/2008 seien es aktuell nur noch 14. Das Einzugsgebiet des Internats hat einen Radius von rund 50 Kilometern.

 

„In dieser Dramatik war es nicht absehbar“, sagt Gronbach. Der Einbruch sei vor allem in den vergangenen drei bis vier Jahren erfolgt. „Wer sich heute ein Internat leisten will, geht nach England“, nennt der Schulleiter einen der Gründe für die negative Entwicklung der Schülerzahlen in dem Bereich. Außerdem gebe es nicht mehr viele kinderreiche, mittelständische Familien, die sich ein Internat für ihren Nachwuchs leisten können. 1500 Euro im Monat müssen dafür aufgebracht werden. Selbst mit Schüler-Bafög ist immer noch etwa ein Drittel des Betrags zu bezahlen. In einer individualisierten Gesellschaft sei außerdem für Mädchen das Leben in Doppelzimmern nicht mehr attraktiv.

 

Um zu retten, was nicht mehr zu retten war, hat das LSG Werbung gemacht, Messen besucht, auf Mund-zu-Mund-Propaganda gesetzt und Ehemalige aktiviert – alles vergebens. „Doch alles Jammern und Weinen hilft nicht“, weiß Gronbach und verrät die Zukunftspläne. So wird am LSG eine Dreizügigkeit eingeführt. Ab dem Schuljahr 2016/2017 wird es dort drei Eingangsklassen mit je 28 Schülern geben. Im Schuljahr 2023/24 wird das Lichtenstern-Gymnasium dann 620 bis 650 Schüler umfassen. Derzeit sind es im Aufbaugymnasium und im Tagesgymnasium insgesamt rund 500.

 

Studienkolleg für Kursstufe

Das Schlossgebäude, wo im Moment noch die Internatsschülerinnen wohnen, wird nach Schließung der Einrichtung zu einem Studienkolleg für die Kursstufe umgewandelt. „Damit bekommen die älteren Schüler in ihren letzten beiden Schuljahren das Privileg, in das altehrwürdige Gebäude zu gehen“, sagt Schulleiter Gronbach. Also wird es am Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasium doch ein kleines bisschen Hogwarts geben.