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Klanggemälde voller Wucht und Resonanz

Ludwigsburg. Welch spannenden Einfluss die Akustik eines Raums auf die Qualitäten des Dargebotenen entwickeln kann, hat das Konzert des Notos Quartetts am Freitag einmal mehr vor Ohren geführt. Es dauert etwas, bis man sich an den knusprig-trockenen Klang des Ensembles im Ludwigsburger Schlosstheater gewöhnt hat, dessen akustische Eigenschaften kaum Raum für technische Patzer lassen. Dererlei Sorgen sind allerdings unbegründet, schöpft das in diesem Jahr mit dem Echo Klassik ausgezeichnete Quartett doch aus einem reichen Fundus an Qualitäten. So werden die Klangeigenschaften angesichts des Programms zum Vorteil.

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Knuspriger Klang: Das Notos Quartett im Schlosstheater.Foto: Karin Rebstock
Ludwigsburg. Die Frage der Akustik passt im Übrigen bestens zum Thema der diesjährigen – heuer siebenteiligen – Konzertreihe der Haake-Stiftung im Schloss. „Resonanz“ ist das Motto, das Thema Widerhall soll in all seinen naturwissenschaftlichen wie emotionalen Dimensionen durchdekliniert werden. „Musik berührt – oder nicht“, erklärt der junge Jenaer Soziologe Peter Schulz zur Einleitung. Die Resonanz im Bezug auf die Musik habe mit Physik, aber auch mit soziologischen Aspekten zu tun. Es gehe um die Offenheit, Kunst zuzulassen. Schulz zieht den Vergleich zur Integration von Zuwanderern. Resonanz als Kompromiss zwischen einem oberflächlichen Multikulti und einer streng hierarchischen Leitkultur würde einen Dialog bedeuten. Selbstsicherheit, aber auch die Bereitschaft zur Veränderung seien Voraussetzungen.

Was diesen Abend in der Folge besonders spannend macht, ist die kluge und mutige Zusammenstellung des Programms, wie sie – das betonen die Verantwortlichen der Haake-Stiftung stets – so vielleicht nur in diesem Rahmen möglich ist. Da steht die schillernde Suite „El Chan“ von Bryce Dessner, seines Zeichens auch Gitarrist der US-Indie-Rock-Band The National, neben der Ballata op. 159 des hierzulande kaum bekannten dänischen Komponisten Vagn Holmboe, eingerahmt von Franz Schuberts Adagio und Rondo concertante in F-Dur (D487) und dem Klavierquartett in c-Moll op. 15 von Gabriel Fauré. Eine überaus faszinierende Kombination.

Was Sindri Lederer (Violine), Andrea Burger (Bratsche), Philip Graham (Violoncello) und Antonia Köster (Klavier) daraus machen, ist vom Allerfeinsten. Gerade Dessners Komposition, die die Eindrücke der mexikanischen Landschaft („Four Winds“, „Coyote“) plastisch macht, ist fesselnd. In „El Charco del Ingenio“ springen die Bögen auf den Streichinstrumenten, im Hintergrund perlt das Klavier. Sich auf diesem schillernden Klangteppich entspinnende Kreiselfiguren nehmen Anleihen an die Minimal Music, lassen ein Klanggemälde mit Wucht entstehen.

Ein heiteres Spiel mit den Klangfarben und Rhythmen ist auch Vagn Holmboes zweiteilige Komposition. Zwischen groovigen Klavierparts zeigen die drei Streichinstrumentalisten mit flotten Glissandi und wuseligen Motiven eine breite Palette der Spieltechniken, die dabei nie zum stumpfen Selbstzweck wird.