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Kleiner Streifzug durch eine Barockoper

Haake-Stiftung: Bernhard Epstein präsentiert und moderiert „Sardanapalus“ im Schlosstheater

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Kurzweilige Führung durch die Oper von Christian Ludwig Boxberg. Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Ein grünes Cembalo im zauberhaften historisch barocken Gartenkulissenprospekt auf der Bühne, ein Rokokotischchen, ein paar Stühle, das Ambiente des schmucken Schlosstheaters: Die Besucher der Veranstaltungen der Haake-Stiftung genießen diesen Ort, beim Eröffnungskonzert am Freitag waren es über 200 Zuhörer, nun bei „Sardanapalus“ ist das Publikum im Parkett überschaubar.

Doch bei moderaten Ticketpreisen (12 Euro für Erwachsene, 8 Euro für Schüler und Studenten) ist diese Konzertreihe, die noch bis zum Sonntag dauert, ein prima Angebot der besonderen Art – zumal es im Anschluss in der Ahnengalerie bei einem Glas Wein und Fingerfood noch die Gelegenheit zum Gedankenaustausch und Gespräch mit den Künstlern gibt.

Am Sonntag also gab es einen Streifzug durch die Barockoper „Sardanapalus“ des Leipziger Kapellmeisters und Komponisten Christian Ludwig Boxberg. Bernhard Epstein, der künstlerische Leiter der Stuttgarter Opernschule, spielte nicht nur zusammen mit dem Lautenisten Toshinori Ozaki den Continuo-Part der Rezitative und Arien, sondern führte auch als kundiger, humorvoller Conférencier durch das Werk.

Im Wilhelma-Theater gab es davon unter seiner Leitung 2011 eine konzertante Aufführung, 2014 dann eine CD-Einspielung der erst vor einigen Jahren in der Staatsbibliothek Ansbach wiederentdeckten frühen Barockoper.

Boxberg, der als Sänger im Leipziger Thomanerchor aufwuchs, schrieb „Sardanapalus“ 1698 für ein Gastspiel der Leipziger Oper im markgräflichen Schloss von Ansbach – es ist die älteste erhaltene Barockoper in deutscher Sprache.

Anschaulich erläuterte Ep- stein die Charaktere: den ganz der Wollust ergebenen Tyrannen Sardanapalus, der sich am Schluss lieber selbst mit seinem Harem und Schätzen auf dem Scheiterhaufen verbrennt, als ein guter Herrscher zu werden – und seinen von protestantischer Arbeitsethik motivierten Gegenspieler und Feldherr Arbaces. Dazu schöne Frauen, kluge Diener und jede Menge Liebe, Intrigen und Eifersucht.

„Wer verliebten Leuten dienet, hat gar wenig Ruh‘“ seufzt der Page Misius gleich zu Beginn, und die Sopranistin Kirline Cirule singt diese Arie mit stilsicherer barocker Phrasierung. Ihr Sängerkollege Dionysios Tsaousidis hat dagegen als Arbaces ganz andere Sorgen: „Nach Ruhm und nach Ehre verlanget mein Herze“ tönt er mit angenehm weichem, gut ausgebildeten Bariton.

44 Arien und einige Duette hat Boxberg für seine Oper komponiert, die meisten sehr kurz, denn – so informiert Epstein – das Werk ist eine Mischung aus italienischem, französischem und mitteldeutschem Stil, wie er sich dann auch im Kantatenwerk J.S. Bachs etablierte. So kurz die Arien, die von Kirline Cirule souverän und von Dionysios Tsaousidis sängerisch ansprechend dargeboten werden, so kurzweilig das Programm.

Zwischen den Aktnummern spielt Toshinori Ozaki auf seiner Theorbe einige Stücke des italienischen Barocklautenisten Alessandro Piccinini. Eigentlich war der Gambist Jörg Meder fürs Continuo eingeplant, doch bei einem Sturz hat er sich den Finger verletzt. Mit einer Sturmarie („Auf, auf, ihr munteren Helden!“) und einer barocken Lebensweisheit („Wer Jungfern traut, der hat gebaut auf Sand und Meereswogen“) ist Tsaousidis und Cirule noch einmal Beifall sicher, dann setzt ein Duett den klangvollen Schlusspunkt.

Info: Am Donnerstag um 20 Uhr dann eine musikalische Soirée, weitere Infos: www.haakestiftung.de.