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Sendeturm in Oßweil soll als Baum getarnt werden

Dem Bau eines 25 Meter hohen Sendemastes in Oßweil steht jetzt praktisch nichts mehr im Weg. Die einzige Vorgabe der Stadt ist, dass das Bauwerk, so gut es geht, kaschiert werden soll. Im Gespräch sind Bäume im direkten Umfeld, aber auch der Turm selbst soll als Nadelbaum getarnt werden.

Ein als Nadelbaum verkleideter Funkturm. Foto: Bruce Shippee/stock.adobe.com
Ein als Nadelbaum verkleideter Funkturm. Foto: Bruce Shippee/stock.adobe.com

Ludwigsburg. Die jahrelange Diskussion um den geplanten Sendemast der Telekom in einem Oßweiler Wohngebiet neigt sich dem Ende entgegen. Das 25 Meter hohe Bauwerk am Häusinger Weg wird aller Voraussicht nach in den nächsten Wochen von der Stadt genehmigt. Die Telekom-Tochter „Deutsche Funkturm“ (DFMG) möchte den Turm noch dieses Jahr bauen und in Betrieb nehmen, so ein Sprecher des Unternehmens am Dienstag gegenüber unserer Zeitung.

Die direkten Anwohner, die sich in der Interessengemeinschaft „Oßweil gegen Sendemast“ zusammengeschlossen haben, reagierten am Dienstag entsetzt auf die neuen Nachrichten. „Wir werden das auf keinen Fall akzeptieren“, so der Sprecher der Gruppe, Elmar Metzger, auf Anfrage unserer Zeitung. Die Gruppe will sich in den nächsten Tagen darüber beraten, welche Schritte sie noch unternehmen könnte. Eine Möglichkeit wäre eine Klage vor Gericht.

Stadt sieht keine Möglichkeiten mehr

Das Bauprojekt hat eine lange Vorgeschichte, war Thema eines Runden Tischs und liegt aktuell noch beim Petitionsausschuss des Landtags. Schon vor zwei Jahren hat das Regierungspräsidium die Stadt dazu verpflichtet, eine Baugenehmigung zu erteilen. Die hatte Ludwigsburg zunächst verweigert.

Oberbürgermeister Matthias Knecht sieht die Möglichkeiten der Stadt jetzt ausgeschöpft. „Wir können die Baugenehmigung nicht rechtswidrig verweigern.“ Die Verwaltung möchte die Genehmigung aber daran knüpfen, dass der Sendemast, so gut es geht, getarnt wird – kein einfaches Unterfangen bei 25 Meter Höhe.

Zur Auflage gemacht werden soll die Anpflanzung von Bäumen, „dass der untere Teil des Mastes nicht so zu sehen ist“, sagt Knecht. Für den oberen Teil ist eine Art „Verkleidung als Baum“ vorgesehen (Foto). Solche Ansichten sind in Deutschland bisher fremd, in anderen Ländern gibt es das aber schon. Im arabischen Raum und im Süden gerne als Palme, in nordischen Ländern kaschiert man die Funktürme dagegen als Nadelbaum – zum Beispiel als Kiefer. Die Stadtwerke hätten dazu schon mehrere akzeptable Beispiele gesammelt, die jetzt an die Telekom weitergereicht werden.

Knecht könnte sich auch vorstellen, ganz offensiv mit dem Bauwerk umzugehen und ein „Kunstwerk“ daraus zu machen. Er rechnet aber nicht damit, dass die Telekom sich darauf einlassen wird, weil diese Umsetzung vermutlich erheblich teurer wäre als die Verkleidung mit künstlichen Ästen.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Konrad Epple (Wahlkreis Vaihingen), der den Runden Tisch als Mitglied des Petitionsausschusses begleitet hat, rechnet damit, dass der Ausschuss den nun aufgezeigten Weg mitgehen wird. Rechtsverletzungen seien nicht zu erkennen, das Wirtschaftsministerium und das Regierungspräsidium hätten grünes Licht für den Bau gegeben.

Gleichwohl habe sich die Telekom in der Sache „nicht mit Ruhm bekleckert“. Er wirft dem Unternehmen vor, die Sache einfach ausgesessen zu haben. Hinzu kommt die Coronakrise, die dieser Haltung noch in die Hände gespielt habe. Die jetzt angedachte Lösung sei aber wenigstens eine kleine Verbesserung für die Anwohner.

Die Telekom hat den Ton verschärft

Beim letzten Treffen des Runden Tischs kurz vor Weihnachten hatten die Vertreter der Telekom ihre Argumentation nochmals verschärft. Das Unternehmen hatte sowieso nie einen Hehl daraus gemacht, dass eigentlich nur der Standort am Häusinger Weg infrage komme. Bei der Sitzung warf die Telekom der Stadt Ludwigsburg dann allerdings auch noch Untätigkeit vor, da ihr nie ein alternativer Standort genannt worden sei.

Dem widerspricht Oberbürgermeister Matthias Knecht vehement. „Die Stadt und die Interessengemeinschaft haben zehn Ersatzstandorte vorgeschlagen. Aber alle wurden von der DFMG abgelehnt.“ Für ihn sei klar ersichtlich, dass es der DFMG beziehungsweise der Telekom vor allem um wirtschaftliche Aspekte geht, so Knecht. Das Grundstück am Häusinger Weg gehört der Telekom, ein Standort ein paar Meter weiter auf den Feldern oder bei den Sportplätzen des ASV Oßweil würde das Unternehmen durch den notwendigen Leitungsbau 100000 bis 150000 Euro kosten. Und dazu sei die Telekom nicht bereit.

Weiterer Standort gesucht

Bei der Sitzung des Runden Tisches im Dezember versuchte das Unternehmen darüber hinaus, den Druck weiter zu erhöhen. Die technischen Fragen des Baus seien alle längst geklärt, man könne jetzt nicht einfach einen anderen Standort ins Gespräch bringen. „Der Point of no return ist erreicht“, zitiert das Protokoll der Sitzung einen Vertreter der DFMG.

Nach Angaben der Telekom ist der Mast für die Mobilfunk- und Internetversorgung der Bewohner im Schlösslesfeld und in Oßweil nötig. Bis vor einigen Monaten hatte diese Funktion ein Sendemast auf dem Schwesternwohnheim des Krankenhauses in der Mainzer Allee im Schlösslesfeld. Das Krankenhaus hat den Vertrag aber auslaufen lassen. Zum einen, weil den Anwohnern das vor Jahren versprochen worden war, zum anderen aber auch, weil das Schwesternwohnheim nach Angaben des Krankenhauses abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden soll.

Aber auch im Schlösslesfeld sucht die Telekom weiterhin einen neuen Standort. In der engeren Auswahl steht dafür das Dach des Krankenhauses.

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