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Trittsteine für scheue Jägerin

BUND-Projekt „Wildkatzenwege im Landkreis Ludwigsburg“ beginnt mit Ausstellung im Bürgerhaus

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Ludwigsburg. Sie sind die nahezu unsichtbaren Jägerinnen der Nacht und sie leben gefährlich: In unserer dicht besiedelten Landschaft bekommt man Wildkatzen – wenn überhaupt – am ehesten tot zu Gesicht. Das will der BUND ändern, mit einem Wildkatzenkorridor durch den Landkreis Ludwigsburg, der den Stromberg mit dem Schwäbisch-Fränkischen Wald verbindet und gleichzeitig anderen Wildtieren dient. Das Projekt startet mit einem Vortrag und einer Ausstellung in Oberstenfeld. Hauptreferent wird Axel Wieland sein, der Projektkoordinator und Wildkatzenexperte des BUND, moderiert wird die Veranstaltung von Stefan Flaig, dem BUND-Kreisvorsitzenden. Schirmherr ist Landrat Dr. Rainer Haas.

Tatsache ist, dass es im Stromberg eine stabile Population der vom Aussterben bedrohten Wildkatze gibt. Allerdings haben die Tiere im waldarmen Landkreis Ludwigsburg Schwierigkeiten, das Gebiet auf der Suche nach Partnern zu verlassen – zum Beispiel in Richtung Schwäbisch-Fränkischer Wald. Das würde dem Genpool der Tiere guttun und ihre Ausbreitung fördern.

In Baden-Württemberg gibt es zwei Hauptkorridore für Wildkatzen und zwar einen bei Herrenberg/Nufringen, der die Verbindung zwischen dem Schönbuch und dem Schwarzwald darstellt und einen zweiten – identisch mit dem Wildtierkorridor – der den Stromberg mit dem Schwäbisch-Fränkischen Wald verbindet und über Freudental, Sachsenheim, Bietigheim führt und in Kleiningersheim zwei Äste ausbildet: Einer führt über Ottmarsheim, Gemmrigheim durch den Pfahlhofwald nach Oberstenfeld und von dort in den Schwäbisch-Fränkischen Wald, ein zweiter Ast von Mundelsheim über den Kälb-ling und Großbottwar nach Oberstenfeld.

So einfach wie beim Herrenberg/Nufringer Korridor werde es wohl im Kreis Ludwigsburg nicht werden, vermutet Stefan Flaig, der BUND-Kreisvorsitzende. Zum einen sind deutlich mehr Kommunen betroffen, zum anderen gibt es mit der Bundesstraße 27, der Autobahn 81 und dem Neckar drei große Hindernisse. Um Wildkatzenwege zu schaffen, reiche es manchmal schon, einen Heckenstreifen anzulegen. Jedenfalls will der BUND Gespräche mit den Kommunen und mit Grundstückseigentümern aufnehmen.

Einen durchgängigen Korridor mit guten Versteckmöglichkeiten für die scheuen Tiere werde man wohl nicht schaffen können, meint Wildkatzenexperte Axel Wieland, aber wenigstens „Trittsteine“, auf denen die Katzen gefahrloser als es bisher möglich wäre, von einem Waldgebiet ins nächste wechseln könnten. Bisher tun sie das nämlich nicht. Wieland schätzt die Population im Stromberg auf eine Zahl im „guten zweistelligen Bereich“. Man könne davon ausgehen, dass Jungtiere sich Neuland erobern, wenn es die Möglichkeit gibt. Dringend nötig sei es allemal, die Pfade wieder herzustellen, damit künftig weniger tote Katzen gefunden werden. Ein Nachweis von lebenden Wildkatzen ist in der Region außerhalb des Strombergs noch nicht gelungen. Im Stromberg dagegen haben Wildtierkameras Katzen aufgenommen, wie sie sich an Lockstöcken (mit Baldrian besprühten Holzlatten) reiben, dabei Haare verlieren, an Hand derer man feststellen kann, ob es sich tatsächlich um eine Wildkatze gehandelt hat.

Axel Wieland und der BUND denken allerdings nicht nur an Wildkatzen, wenn sie auch im Kreis Ludwigsburg einen Korridor anlegen wollen. „Es geht um alle Wildtierarten“, sagt Wieland, „um Rehe, kleine Nagetiere, um Insekten, es geht letztlich um Artenvielfalt und Genaustausch.“ Da ist die hübsche, scheue Wildkatze ein guter Türöffner in die Herzen der Menschen, die das Projekt mit Spenden unterstützen sollen und in die Köpfe der Kommunalpolitiker, wenn es darum geht, neue Wohn- und Gewerbegebiete auszuweisen.

Info: Die Ausstellung „Wildkatze und Lebensraumverbund“ des BUND wird am Montag, 5. März, um 19 Uhr im Bürgerhaus Oberstenfeld eröffnet. Sie ist die Auftaktveranstaltung des BUND-Projekts „Wildkatzenwege im Landkreis Ludwigsburg“. Über das Leben der Wildkatze und ihre Lebensräume spricht der Projektkoordinator Axel Wieland. Die Ausstellung ist bis zum 24. März im Bürgerhaus zu sehen. Eintritt frei.