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Von dem Fluch der bösen Tat

Ludwigsburg. Parkett und erster Rang waren gut besetzt beim Opernkonzert des Haake-Zyklus im Schlosstheater. Hier hat diese Veranstaltungsreihe, die vor rund zwanzig Jahren im Monrepos-Schlösschen begann und sich über verschiedene Lokalitäten wie Fasskeller, Riesenbau und Marmorsaal in dieses Theaterjuwel des Ludwigsburger Schlosses verändert hat, nun ihren idealen Ort gefunden. Auch das gesteigerte Interesse des Publikums honoriert das, und wenn man an solchen Septemberabenden unter den strahlenden Kronleuchtern der Ahnengalerie hindurch zu den wie immer interessant konzipierten Programmen unterwegs ist, stimmt das Ambiente erwartungsfroh. Beliebt seit Jahren ist der Abschlussabend mit Mitgliedern der Opernschule der Stuttgarter Staatstheater: Deren Leiter Bernhard Epstein hatte zum Thema „Rigoletto und andere Intrigen“ wieder ein spannendes Potpourri zusammengestellt.

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Ludwigsburg. Aus den barocken Kulissen des Schlosstheaters treten auf: Rigoletto, der Hofnarr des Herzogs von Mantua, und dessen Tochter Gilda. Die Bühne ist leer, bis auf Epstein am Flügel, der zuvor das „Resonanz“-Motto des Veranstaltungszyklus in alle Richtungen gewendet und ironisch überstrapaziert hat. Johannes Mooser als voluminöser Bariton und Julie Erhart mit fein konturiertem Sopran spielen ihre Rollen auch ohne entsprechendes Kostüm lebendig und überzeugend: Rigoletto, der in seinem Monolog „Pari siamo“ die scharfe Klinge des Mörders Sparafucile mit der bösen Macht seiner Zunge vergleicht, und danach die tyrannische Vaterliebe zu Gilda, die bald der Verführung des Herzogs zum Opfer fallen wird. Der tritt auch gleich auf, und dieses Duett mit dem tenoral auftrumpfenden David Fruci und der zur Liebe erwachenden Julie Erhart ist zum Zerschmelzen.

Jetzt wechselt die Szene zu „Carmen“: Der musikalische Sprung von Verdi zu Bizet ist so gewaltig wie die Rollenverkehrung vom Verführer zur Verführerin. Die brasilianische Mezzosopranistin Sophia de Otero funkelt im feuerroten Kleid, Frucis Don José muss ihr einfach verfallen. Jetzt schmettert David Fruci des Herzogs berühmtes „La donna è mobile“, und Oteros enorme Bühnenpräsenz kommt dann auch Rossinis „Italienerin in Algier“ mit flüssigen Koloraturen zugute. Mehr als dem Prinzen Orlofsky aus der „Fledermaus“ von Johann Strauß, da wirkt das feuerrote Abendkleid doch ein wenig deplatziert – ganz im Gegensatz zu Carmens Tanzlied und Josés Rosenarie, die noch einmal eine „Resonanz“ dieser tragischen Liebe hervorbringt. Noch einmal wechselt die Szene, nun zu einer anderen Verdi-Oper.

Aus „Ein Maskenball“ singt Johannes Mooser die Arie des Renato mit mächtigem Volumen, im Quartett ist man dann wieder zurück bei „Rigoletto“: Der Herzog bändelt mit Maddalena an, Rigoletto quält seine missbrauchte Tochter in die Voyeursituation. Und dann haucht Julie Erhart ihre letzten Lebenstöne nicht sterbend aus dem Sack, sondern als guter Geist für ihren verzweifelten Vater. Da kann Rigoletto nur noch erschüttert rufen „La maledicione!“ – der Fluch des Grafen Montero hat ihn vernichtet. Großer Beifall für diesen besonderen Opernabend im Schlosstheater.