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Weitere Unterstützung für Walheim

Die geplante Klärschlammverwertungsanlage in Walheim sorgt weiter für Diskussionen. Der Kirchheimer Gemeinderat unterstützt seine Kollegen im Nachbarort und schließt sich deren Resolution gegen den Bau an. Das Gremium fordert zudem vom Land, den Fokus grundsätzlich mehr auf solare Klärschlammtrocknung zu legen.

Kirchheim. Während es andernorts durchaus mal emotional und hitzig zugeht, wenn über das Vorhaben der EnBW gesprochen wird, herrschte bei der Kirchheimer Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend ein sachlicher Ton. Dennoch haben die Kirchheimer, genau wie die Gemmrigheimer Anfang der Woche, dem Walheimer Gemeinderat Rückendeckung gegeben bei dessen Widerstand gegen die geplante Klärschlammverbrennungsanlage. Da das Walheimer Gremium auch eine Veränderungssperre für das Areal beschlossen hatte, will die EnBW jetzt mit einem Normenkontrollverfahren beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim klären lassen, ob diese rechtens ist.

Das Kirchheimer Gremium sieht durchaus die Notwendigkeit, neue Wege bei der Klärschlammverwertung zu suchen. Denn unter anderem entfällt mit dem Kohleausstieg die Möglichkeit, weiterhin Klärschlamm in Kohlekraftwerken zu verbrennen (wir berichteten mehrfach). Die EnBW möchte deswegen auf ihrem Kohlekraftwerksgelände am Walheimer Neckar eine Klärschlammverwertungsanlage errichten, in der Schlamm aus kommunalen Kläranlagen getrocknet und verbrannt, also thermisch behandelt, wird. Für Bürgermeister Uwe Seibold stellen sich mehrere Fragen: Passe so eine Anlage an diese Stelle? Ins dicht besiedelte Neckartal? Und: Passe es technologisch? Gebe es nicht noch andere Wege, Klärschlamm zu verwerten? Diese Frage kommt nicht von ungefähr, denn Kirchheim selbst setzt seit Jahren auf solare Klärschlammtrocknung, die „wiederum eine energetisch wesentlich sinnvollere und effektivere Verwertung des getrockneten Klärschlamms“ ermögliche. In der Kommune übernimmt also die Sonne die Hauptarbeit.

Immanuel Schmutz (Unabhängige) kann zwar verstehen, dass es bei den direkt Betroffenen in Walheim und Gemmrigheim Widerstand gibt. Er verwies aber auch auf die vorhandene Infrastruktur auf dem EnBW-Gelände, die für eine Verbrennungsanlage genutzt werden könnte. Allerdings sollte seiner Meinung nach die Trocknung nicht in Walheim, sondern vor Ort, bei den jeweiligen Kommunen, stattfinden. Das sei nicht nur aus energetischer Sicht sinnvoll, sondern auch angesichts des Verkehrs: Getrockneter Schlamm fällt im Wortsinn weit weniger ins Gewicht als nasser oder feuchter. Vielleicht wären dann auch andere Verkehrswege für die Anlieferung nutzbar. Insofern finde er die „konstruktive Ergänzung“ im Beschlussvorschlag der Gemeindeverwaltung sehr wichtig. Denn da war abgesehen von der Unterstützung für Walheim auch von einer Forderung an das Land zu lesen: Dieses solle die Möglichkeiten der solaren Klärschlammtrocknung verstärkt ausbauen und „damit eine künftige Anlage zur Klärschlammverbrennung an einem geeigneten Standort mit geringerer Verkehrsbelastung und höherer Energieausbeute“ ermöglichen.

Der Verkehr ist in Kirchheim grundsätzlich ein äußerst sensibles Thema. Das wurde bereits im Sommer deutlich, als die EnBW auf ihrer Tour durch den nördlichen Landkreis das hiesige Gremium über die Pläne informierte. Die Angst vor noch mehr Lastwagen, die durch den Ort rollen, wurde geäußert und spielte auch jetzt wieder eine Rolle. „Wenn einmal eine Anlage steht, wird sicher eine Erweiterung kommen“, meinte Jürgen Brückner (WGK). Wie berichtet, soll perspektivisch eine Anlage für Phosphor-Recycling errichtet werden, um aus dem Klärschlamm den für die Düngemittelindustrie wichtigen Grundstoff zurückzugewinnen. Auch wenn das Walheimer Gelände am Neckar liege, soll bekanntermaßen der Schlamm ausschließlich mit Lastwagen angeliefert werden – „mit vielen, vielen Lastwagen“, sagte Brückner. Bürgermeister Uwe Seibold ergänzte, man sei in Kirchheim verkehrsmäßig an der Belastungsgrenze.

Als Stephan Hennig (WGK) erstmals von den EnBW-Plänen hörte, war er angetan davon, dass bei dieser „super Geschichte“ vor Ort Energie erzeugt werden könne. Doch er sei desillusioniert worden, als deutlich geworden sei, dass die meiste Energie wieder in die Anlage selbst fließen werde. Was die technische Seite betreffe, ist Tobias Vogt (CDU) überzeugt, dass eine solche Verbrennungsanlage notwendig ist. Doch er stellte den Standort und das zentrale Konzept als solches infrage. Wäre es nicht sinnvoller, auf eine dezentrale Lösung zu setzen? Also statt einigen wenigen großen Anlagen im Land lieber mehrere kleinere. Aber klar sei: „Wir können es uns nicht so einfach machen und sagen, das war’s dann.“ Es müsse ein Prozess gestartet und besprochen werden, was mit dem Klärschlamm passieren solle.

Das miteinander Reden hat Inge Schemminger (Unabhängige) vermisst: „Man hätte viel früher einen Runden Tisch einberufen müssen.“ So habe es teilweise unterschiedliche Informationen gegeben, und bei der Debatte sei es sehr emotional zugegangen. Der EnBW stehe es zu, den Klageweg zu gehen – „ob wir es jetzt gut finden oder nicht“. Sie selbst stimme der Resolution ohne Wenn und Aber zu. Das taten auch ihre Gremiumskollegen.

Und dafür gab es lauten Applaus von den Zuschauerrängen, wo sich viele Gemmrigheimer und Walheimer eingefunden hatten.

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