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Bracher-Schule geht digital weiter voran

Neue Tablets sollen mehr Chancengleichheit schaffen – „Teamplayer über alle Schularten hinweg“

An der Bracher-Schule in Pattonville werden die digitalen Schulprogramme weiterentwickelt.Archivfoto: Marijan Murat/dpa
An der Bracher-Schule in Pattonville werden die digitalen Schulprogramme weiterentwickelt. Foto: Marijan Murat/dpa

Pattonville. Statt einer Schultüte bekommen die „Erstklässler“ am Wirtschaftsgymnasium der Erich-Bracher-Schule im September erstmals ein Tablet überreicht. Damit Lehrer und Schüler dieses neue Werkzeug dann auch sofort optimal einsetzen können, laufen schon jetzt die Vorbereitungen auf Hochtouren.

Möglich macht diese digitale Offensive das sogenannte „Sofortausstattungsprogramm“, aufgestellt von Bund und Land, um Schulen über den Corona-Lockdown zu helfen und fit fürs „homeschooling“ zu machen. Damit schaffte die Schule in Pattonville 140 nagelneue Geräte an, die an die Schüler für den Zeitraum am dreijährigen Wirtschaftsgymnasium verliehen werden. Die Lizenzen für die unterschiedlichen Softwareprogramme werden aus dem Etat des Landkreises finanziert und auf die Geräte aufgespielt.

Ausgegeben werden die Geräte gratis an Schüler, die sonst keinen Zugriff auf eine angemessene technische Ausstattung haben. Und die bekommen ein ganzes Paket geliefert: Das Herzstück ist ein „Surface Go“. Dieses Tablet wird aufgerüstet unter anderem mit Tastatur und elektronischem Stift. Zusätzlich gehören zur Ausstattung Tasche und Displayschutz.

Ziel ist, dass die Schüler jederzeit und überall Zugriff auf ihren Computer haben. Auch im privaten Bereich und in der Freizeit. Ihn im Rucksack zu haben, soll so selbstverständlich werden wie den Ordner. Und auch die Ausrede, „ich habe mein Buch, mein Heft vergessen“, zählt dann nicht mehr. „Wir waren schon vor Corona bei der Digitalisierung sehr fortschrittlich“, betont Schulleiter Oliver Schmider.

Die Erich-Bracher-Schule, die gerade für neun Millionen Euro aufwendig um- und ausgebaut wird, hat mit Glasfaser einen Breitbandanschluss und damit so etwas wie eine Datenautobahn. Außerdem verfügt das Gebäude über lückenloses WLAN. Im Lehrerkollegium gibt es bereits Spezialisten, die sich in diesem Metier gut auskennen. Das sind insbesondere diejenigen Lehrkräfte, die Berufsschüler aus dem Bankensektor unterrichten. Denn die sind schon seit längerem von ihren Arbeitgebern überwiegend mit Tablets ausgestattet.

Von deren Wissen und Erfahrungen sollen alle Kolleginnen und Kollegen profitieren. „Wir sind hier über alle unsere Schularten hinweg Teamplayer“, betont Schmider. Unter der Federführung von Alexandra Schramm, der Abteilungsleiterin des Wirtschaftsgymnasiums, wird die Medienentwicklungsplanung mit einem neuen Konzept fortgeschrieben.

Danach wird es den herkömmlichen Unterricht wie vor Corona nicht mehr geben. Die Tablets werden aber den Präsenzunterricht nicht ersetzen. Beides wird sich ergänzen.

Die zentralen Fragen sind: Wie sieht der Unterricht der Zukunft aus und welche Mittel und Methoden sind dafür nötig? Welche Aufgaben werden an der Schule erledigt, welche daheim? Wo kann auf papierlose Information umgestiegen werden, wo und wie werden Dateien abgelegt und gespeichert, so dass sie auch wieder auffindbar sind.

Es sollen Kernkompetenzen gestärkt werden, wie eigenständiges, pünktliches und zuverlässiges Arbeiten. An der Bracher-Schule setzt man insbesondere auf die breite Office-Produktpalette der neuesten Generation. Diese sollen alle gut beherrschen, schließlich werde das für viele auch in Zukunft das zentrale Handwerkszeug sein, so Alexandra Schramm. Aber auch andere Felder wollen bestellt werden: Online-Lizenzen für Unterrichtsmaterial, wie digitale Bücher, oder welche Apps sinnvoll sind. Darauf muss auch der Lehrplan abgestimmt werden. „Wir wollen Kompetenz, jenseits von Twitter, Instagram und Co, vermitteln“, so Schmider.

Mit den Schulungen sind im Sommer als Erstes die Lehrer dran. Für die Schüler wird zum neuen Schuljahr eine Nutzungsvereinbarung geschlossen, mit denen der private Gebrauch geregelt wird und insbesondere der Datenschutz sichergestellt werden soll. Es ist geplant, die Erfahrungen aus dem Einsatz der neuen Medien im Unterricht kontinuierlich auszuwerten und anzupassen. Ein selbstlernendes System. Das auch noch erweitert werden könnte. Mit interaktiven PDFs, Brillen für den virtuellen Raum, Videoproduktion oder Vokabeltrainer. Es gibt viele Entwicklungsmöglichkeiten.

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