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Ein Pfarrer sorgt für frischen Wind

Gustav Hoffmann war 30 Jahre lang als Pfarrer in Löchgau tätig. Einen Namen machte er sich als Kirchenhistoriker, sein Nachlass ist zum Teil im landeskirchlichen Archiv.

Gustav Hoffmann liest an seinem Schreibtisch ein Buch. Foto: privat
Gustav Hoffmann liest an seinem Schreibtisch ein Buch. Foto: privat

Löchgau. In älteren Löchgauer Fotoalben dürfte der langjährige Pfarrer auf vielen Bildern von Taufen, Konfirmationen und Trauungen zu sehen sein, auf dem Friedhof erinnert sein Grabstein an Gustav Hoffmann. Und gemäß dem Motto „Wer schreibt, der bleibt“ lebt er in seinen kirchenhistorischen und ortsgeschichtlichen Arbeiten weiter.

Gustav Hoffmann, der am 13. Juli 1875 in Leukershausen bei Crailsheim geboren wurde, stammt aus einer alten württembergischen Beamtenfamilie mit vielen Pfarrern und Juristen. Nach dem Abitur studierte er von 1893 bis 1897 Theologie in Tübingen, um den gleichen beruflichen Weg einzuschlagen wie Vater und Großvater. Nach Vikarsstellen in Mönsheim und Welzheim, wo er sich mit der Tochter des Dekans verlobte, trat Gustav Hoffmann eine längere Studienreise an. 1906 wurde er Pfarrer in Geifertshofen und heiratete Selma Leitz. Im Frühjahr 1918 zog die wachsende Familie nach Löchgau, wo Hoffmann 30 Jahre als Pfarrer tätig sein sollte.

Der junge Pfarrer sorgte rasch für frischen Wind in der Gemeinde. „Hoffmann hatte den Kindergottesdienst neu belebt, ein Gemeindeblatt gegründet und auch eine Gemeindeschwester angestellt“, schreibt Professor Dr. Hermann Ehmer in der 2004 erschienenen Ortschronik „Löchgau. Beiträge zur Ortsgeschichte“. Nach dem Ersten Weltkrieg sorgte er für die Beschaffung neuer Kirchenglocken. Die älteren Löchgauer erinnern sich an den Pfarrer, der viele Einwohner getauft, konfirmiert, verheiratet und beerdigt hat. Ehmer beschreibt ihn als guten Prediger und packenden Erzähler, der es verstanden habe, mit Kindern umzugehen. „In den Dekanatsberichten steht, dass er holzschnittartig und volksnah gepredigt habe“, erzählt Hoffmanns Enkel Martin Haußmann im Gespräch mit unserer Zeitung. „Und er konnte sehr gut erzählen“, erinnert sich der Besigheimer, der zwölf Jahre alt war, als der Opa starb.

Er beschreibt Gustav Hoffmann als einen Kopfmenschen, was auch dessen wissenschaftliche Arbeiten zeigten. Der Pfarrer war als Lokalhistoriker und Kirchengeschichtsforscher tätig, er erforschte die Geschichte und Kirchengeschichte seines jeweiligen Dienstortes inklusive näherer und weiterer Umgebung. Er hielt Vorträge und zahlreiche Publikationen stammen aus seiner Feder. Sein Hauptwerk ist das Nachschlagewerk „Kirchenheilige in Württemberg“, in dem die Patrozinien aller Kirchen, Kapellen und Altäre mit dem Zeitpunkt ihrer ersten Erwähnung aufgelistet sind. Auch war er Gründungsmitglied und langjähriger Rechner des 1920 gegründeten Vereins für württembergische Kirchengeschichte in Stuttgart.

Im Jahr 1937 gelang es dem Pfarrer gegen den Widerstand des nationalsozialistischen Ortsgruppenleiters, den Bau des Martin-Luther-Hauses mit Kindergarten zu verwirklichen. Der Ortsgruppenleiter schwärzte ihn zwar immer wieder an, doch Landrat Thierfelder deckte den Pfarrer. „Mein Großvater war zwar deutsch-national geprägt und ein Verehrer Bismarcks, doch dem Dritten Reich stand er sehr kritisch gegenüber“, erzählt Martin Haußmann. Der Zweite Weltkrieg sorgte auch für persönliche Schicksalsschläge. Nachdem Selma und Gustav Hoffmann bereits zwei ihrer zehn Kinder im Säuglingsalter verloren hatten, mussten sie nun verkraften, dass alle vier Söhne im Krieg fielen. Haußmann beschreibt seinen Großvater als sehr ruhigen, ernsten Mann, den der Tod seiner Söhne gebrochen habe.

Im November 1947 ließ sich Gustav Hoffmann in den Ruhestand versetzen, versah die Pfarrstelle aber noch bis Pfingsten 1948, dann übernahm sein Nachfolger das Amt. Am 25. September 1952 starb Hoffmann in Löchgau und wurde dort begraben. „Seine große Bibliothek ging ins Archiv nach Heilbronn, ein Teil davon kam später ins landeskirchliche Archiv“, erzählt Martin Haußmann.

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