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Ausstellung

Gerlinger Stadtmuseum mit Ausstellung zu Asterix und Co. - Vom Siegeszug mit „grrrrunz“

Adolf Kabatek hat die Geschichte der Comics in Deutschland maßgeblich mitgeprägt. Zu seinem 90. Geburtstag widmen sein Sohn und das Gerlinger Stadtmuseum dem Förderer von Mickey Maus, Asterix, Hägar und Co. eine Ausstellung.

Johannes Kabatek mit den von seinem Vater selbst getexteten und konzipierten Werken, angelehnt an die von ihm teils auch übersetzten Geschichten von Donald, Dagobert und Co.Fotos: R. Theiss
Johannes Kabatek mit den von seinem Vater selbst getexteten und konzipierten Werken, angelehnt an die von ihm teils auch übersetzten Geschichten von Donald, Dagobert und Co. Foto: R. Theiss
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Gerlingen. Wie wäre Donald Duck wohl in der pompös-königlichen Robe, die nun im Stadtmuseum ausgestellt ist, vorwärtsgekommen? Wäre er über das lange Gewand gestolpert? Hätte er es lieber getragen als sein Matrosenhemd? Und was hätte er zu seinem Bild im Männermagazin Playboy gesagt? Schnatternd gelacht? Oder „grübel, grübel“? Fest steht zumindest: Beide doch so unterschiedliche Exponate sind eng mit der Comicfigur verbunden, beide wurden noch nie öffentlich gezeigt – und wurden von Johannes Kabatek aus dem Nachlass seines Vaters Adolf gerettet.

Sein Name ist heute nicht unbedingt weit bekannt, er tauchte meist nur im Abspann von Filmen auf oder klein im Impressum. Dabei hat Adolf Kabatek Comics nach Deutschland gebracht und ihre Geschichte wesentlich mitgeprägt: als Verlagskaufmann, kreativer Kopf, Übersetzer und später Manager des Stuttgarter Ehapa-Verlags sowie als Autor eigener Werke.

Geplant war das alles nicht. Geboren am 1. Juli 1931 in Böhmen, musste die Familie nach dem Krieg fliehen, nach Thüringen. Eigentlich wollte er ab 1950 Veterinärmedizin studieren, schlug seinen Platz in Leipzig aber aus, weil er die „ideologischen Zustände“ nicht mehr ertragen wollte. Allein floh Adolf K. 1950 nach Gerlingen. Obwohl er die Stadt aufgrund von Kontakten zu anderen Vertriebenen gewählt hatte, sei sie ihm zeitlebens „etwas fremd gewesen“ und er von einer „inneren Heimatlosigkeit“ geprägt, so Johannes.

Einer jener Kontakte war der Verlagsdirektor von Reader’s Digest, wo Vater Adolf sich um die Buchhaltung kümmerte. Dort blieb er aber nicht allzu lange, denn eine dänische Stiftung wollte mithilfe von Reader’s Digest in Stuttgart einen Verlag gründen, um Comics zu veröffentlichen. Horst Mössler als Chef, Adolf Kabatek als Assistent – er löste ihn nach einer Fehlentscheidung 1972 ab – und die Übersetzerin Dr. Erika Fuchs wechselten 1951 zu Ehapa. „Nur drei Menschen in einem Verlag, da hat jeder alles gemacht“, so Johannes Kabatek. Und so war sein Vater nicht nur für das Kaufmännische zuständig, sondern ebenso mit für das Überarbeiten der Texte, dem er viel Bedeutung zumaß.

Anfängliche Skepsis

Auch das zeigen einige der erstmals öffentlich ausgestellten Exponate, etwa das dem fertigen Comicbuch gegenübergestellte Manuskript mit den Texten und so kurios anmutenden Korrekturen wie einem eingefügten „o“ in „grrrrunz“. Dr. Erika Fuchs, eigentlich Kunsthistorikerin, war es, die dieses Lautmalerische schuf. Wurde die neue Textsorte mit ihren bunten Bildern auch deshalb anfangs so kritisch beäugt? Oder weil man um die Moral, die Kabatek aber am Herzen lag, fürchtete? Fest steht zumindest, dass Comics schnell zum Erfolg wurden, sowohl die Geschichten von Mickey und Donald wie auch die von Asterix und Co ab 1968.

Deren Erscheinung hier war zunächst ebenfalls nicht so geplant, denn ein anderer hatte die deutschsprachigen Rechte bekommen – und die Titelhelden zu „Germanen mit komischen Bezügen fast zu Nazis gemacht“, so Johannes Kabatek. René Goscinny, selbst Jude, sei daraufhin entsetzt gewesen, zog zurück und Asterix auf Deutsch sei damit fast tot gewesen. Bis zu einer zufälligen Begegnung des belgischen Verlags mit Adolf Kabatek, der überzeugt war, dass die Nähe zum Original funktioniere, auch wenn es zunächst hieß, dass sich hierzulande niemand für französische Comics interessieren werde. Doch heute kennen viele die Geschichten und Sprüche wie den von Kabatek erfundenen „Die spinnen, die Römer!“

Sein Traum war es aber auch schon früh, eigene Werke zu schaffen. Und so erschienen in den Achtzigern „Abenteuer aus Onkel Dagoberts Schatztruhe“ – auch diese Bände sind nun zu sehen. Schon gleich nach dem Herztod seines Vaters kurz vor dessen 66. Geburtstag hatte Johannes Kabatek begonnen, Kisten mit „Ausstellung“ zu packen, nach dem Tod der Mutter musste das Haus geräumt werden – doch erst ein weiterer Zufall machte die Pläne konkret: Auf einer Zugfahrt traf er auf den Gerlinger Stadtarchivar Klaus Herrmann.

Manches aus dem Nachlass nahm Sohn Johannes auch mit, etwa den Schreibtisch, den er nun auslieh, mit jener Playboy-Ausgabe. Die thematisiert den Fauxpas eines Druckers, der beim Band über Donalds Ausschlag, den er sich bei einem Trip nach Key West holte – die schuldige Muschelart existiert tatsächlich, Kabatek recherchierte viel und reiste dazu –, dachte, die roten Punkte im Erpelgesicht seien Fehler in der Vorlage und müssten entfernt werden. Die ganze Auflage war dadurch hinüber.

Eine Anekdote, wie sie Johannes Kabatek, der mit Comics aufwuchs und sie teils heute als Romanistik-Professor in Zürich in der Lehre einsetzt, viele erzählen kann – wie auch die zu den Begegnungen seines Vaters mit einem ebenfalls lange kaum bekannten Mann: Carl Barks, Zeichner bei Disney. Für seinen Freund Adolf Kabatek fertigte er eigene Zeichnungen mit deutschen Übersetzung(sversuch)en, die Johannes „zum Schreien witzig“ findet und die zu seinen Lieblingsexponaten zählen und direkt neben Kabateks Robe des „Lord High Chancellor“ des Donald Duck-Ordners hängen. Zu sehen sind sie und alles andere bis zum 13. Februar – und möglicherweise danach noch im Erika-Fuchs-Museum in Schwarzenbach an der Saale.

Info: Die Eröffnung ist am Sonntag um 11.15 Uhr (mit Anmeldung). Auch sind Führungen geplant, coronabedingt sollte aber immer auf die Website nachgeschaut werden: www.gerlingen.de/Stadtmuseum. Plätze gibt es noch im Workshop für Kinder am 2., 3. und 10. Juli.

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