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Gesprächsrunde in Marbach: Vielfältige Ansprüche an die „Innenstadt der Zukunft“

Seit Herbst bestimmen Baumaschinen und Absperrungen das Bild der Marbacher Marktstraße. Die Sanierung ist vor allem für Handel und Gastronomie eine große Herausforderung.Foto: Ramona Theiss
Seit Herbst bestimmen Baumaschinen und Absperrungen das Bild der Marbacher Marktstraße. Die Sanierung ist vor allem für Handel und Gastronomie eine große Herausforderung.Foto: Ramona Theiss
Wie sieht die „Innenstadt der Zukunft“ aus? Um diese Frage ging es bei einer Gesprächsrunde, die auf Initiative des Grünen-Landtagsabgeordneten Tayfun Tok in Marbach stattfand. Dabei wurde deutlich: Auch der Handel steckt in einem schwierigen Transformationsprozess.

Marbach. In der Marktstraße wühlen sich die Baumaschinen vom Rathaus in Richtung Torturm. Die Sanierung der Fußgängerzone schreitet voran, im neu geschaffenen Platz vor der Bäckerei Mildenberger ist bereits die Technik für das künftige Fontänenfeld verbaut. Derzeit geht es im Untergrund der Marktstraße weiter – mit allen unvermeidlichen Beeinträchtigungen für die Anwohner, Geschäftsleute, Kunden. Eine „Operation am offenen Herzen“ nennt der Murrer Landtagsabgeordnete Tayfun Tok (Grüne) das, der angesichts der aktuellen Situation am Mittwochabend bewusst in Marbach zu einer Gesprächsrunde über die „Innenstadt der Zukunft“ eingeladen hat. An Toks Seite: Andrea Hahn vom Marbacher Citymanagement und seine Parteifreundin Andrea Lindlohr, Staatssekretärin im Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen.

Gegen Online-Handel und Konkurrenz auf der grünen Wiese behaupten

Die Stuttgarter Erkenntnisse, die den gut 50 Zuhörern auf dem windigen Burgplatz serviert werden, bleiben im Allgemeinen. Die „Stadtmitte der Zukunft“ müsse viele Funktionen übernehmen, als da wären Wohnen, Arbeiten, Handel, Raum für Begegnung und soziales Miteinander, so Andrea Lindlohr. Sie war sich mit Tayfun Tok darüber einig, dass vor allem Handel und Gewerbe in den Innenstädten vor einem schwierigen Transformationsprozess stünden, sich gegen den Online-Handel und die Konkurrenz auf der grünen Wiese behaupten und nun auch noch mit einer schwächelnden Nachfrage aufgrund der steigenden Inflation kämpfen müssten. Bei all dem „sind wir hochrangige Unterstützer unserer Gemeinden“, so Lindlohr über ihr Ministerium.

Diese Aussage kann Andrea Hahn insofern bestätigen, als der Stadt Marbach aus einem Topf der Behörde jetzt knapp 30000 Euro zugestanden wurden, um Veranstaltungen zur Innenstadtbelebung – gerade auch während der Bauzeit – zu finanzieren. Wie berichtet, sollen damit im kommenden Jahr Angebote an festen Tagen gemacht werden, um Menschen in die Innenstadt zu locken. Das langfristige Ziel der Umgestaltung der Fußgängerzone beschreibt Hahn in einem Satz: „Es soll hier einfach was los sein.“

Plakataktion als Werbung für den Einkauf vor Ort angeregt

Dass die Ansprüche an das, was in Marbach nach Abschluss der sieben Millionen Euro teuren Sanierung los sein soll, sehr unterschiedlich sind, zeigen die Wortmeldungen in der Diskussionsrunde. Da reichen die Forderungen nach mehr Grün und Lebensraum auch für Tiere über eine Begegnungsstätte für ältere Menschen bis zum Wunsch nach „mehr Livemusik“, den vier Teenager als Zaungäste der Veranstaltung äußern.

Wie schwierig ein vielfältiger Besatz mit Geschäften zu realisieren ist, unterstreicht dieser Hinweis eines Zuhörers: Der einzige Fahrradladen in Marbach ist umgezogen – von einem Standort an der Peripherie zu einem anderen außerhalb des Zentrums; einen Blumenladen gibt es in der 15000-Einwohner-Stadt nicht mehr, und auch das Reformhaus befinde sich nicht im Zentrum. „Wir können niemandem vorschreiben, an wen er vermietet. Und wir wissen auch, dass manche Ladenflächen bewusst nicht verpachtet werden“, so Andrea Hahn. Positiv aufgenommen wird die Anregung, mit einer Plakataktion das Bewusstsein für Einkäufe vor Ort zu schärfen – getreu der Erkenntnis, dass Bestellungen im Internet dem Handel vor der eigenen Haustür nicht helfen.