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Unterhaltung

Mobiles Kino trotzt Filmpalästen

Gerhard Göbelt aus Asperg betreibt das MoKi Ludwigsburg – Vorführungen in 20 Kommunen in Baden-Württemberg

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Junge und jung gebliebene Cineasten kommen auf ihre Kosten, wenn das Mobile Kino – wie hier im Freiberger Prisma – Filme zeigt. Fotos: Holm Wolschendorf
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Freiberg/Asperg. Der Mythos des alten Lichtspielhauses ist verblasst. Großstadt-Filmpaläste werben mit extra großen Leinwänden, bequemen Sitzen, großzügigen Reihenabständen sowie exzellenter Bild- und Tonqualität. Medien malen düstere Bilder von der Zukunft des Kinos, das sich neu definieren müsse, um der Konkurrenz durch Netflix, 100 Zoll großen Ultra-HD-Fernsehern und Surround-Sound im Wohnzimmer standhalten zu können. Gerhard Göbelt sieht das gelassen, denn auch wenn dies allen Trendanalysen zu wiedersprechen scheint, ist sein Angebot des Mobilen Kinos nach wie vor gefragt und beliebt.

Mit seiner Ein-Mann-Firma MoKi Ludwigsburg ist der Asperger in knapp 20 baden-württembergischen Kommunen mehr oder weniger regelmäßig zu Gast. Neben Ditzingen ist Freiberg sein stärkster Kinostandort. Jeden Monat gibt es an zwei Tagen jeweils vier Vorführungen. Los geht es um 14 Uhr mit einem Kinderfilm, die letzte Vorführung für Erwachsene beginnt in der Regel um 20.30 Uhr. Pro Kinotag kommen durchschnittlich über 150 Besucher, und das wertet Göbelt als gute Quote.

Am vergangenen Freitag und Samstag war es wieder so weit. Junge Zuschauer konnten die Abenteuer des kleinen Stiers Ferdinand und des Bärs Paddington miterleben, Star Wars-Fans kamen mit dem Kinoerfolg „Die letzten Jedi“ auf ihre Kosten. „Aus dem Nichts“ sorgte für 106 spannende Minuten, und die Bilderwelten van Goghs wurden zum Leben erweckt.

„Bei der Auswahl der Filme setze ich auf eine Mischung aus Mainstream und Arthouse, wobei es da heute nicht mehr so enge Grenzen gibt“, sagt Gerhard Göbelt. Publikumsmagneten wie „Die Kirche bleibt im Dorf“ oder „Fuck ju Göthe“ zeigt er ebenso wie anspruchsvolle Literaturverfilmungen, die erfahrungsgemäß weniger Publikum anlocken. „Gelegentlich zeige ich auch das Original mit Untertitel“, so Göbelt, der für dieses „Liebhaberprojekt“ bewusst in Kauf nimmt, damit vielleicht nur ein Dutzend Zuschauer anzulocken.

Für den Verleih der Filme werden durchschnittlich 38 bis 43 Prozent des Kartenumsatzes fällig. „Will man einen Film gleich beim Bundesstart ausleihen, kostet es etwas mehr“, erzählt Göbelt, der eigentlich Realschullehrer ist, sich dann aber entscheiden hat, seine Liebe zum Kino zum Beruf zu machen.

Schon während seines Studiums an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg sammelte er erste Vorführkenntnisse beim Kommunalen Kino Stuttgart. Als Mitbegründer des Kommunalen Kinos Ludwigsburg arbeitete er dort als Geschäftsführer und wechselte dann zur Arbeitsgemeinschaft Kino-Mobil Baden-Württemberg. Im 1990 gründete er mit einem Geschäftspartner das professionelle mobile Kino mit Sitz in Esslingen, seit 1999 ist er alleiniger Gesellschafter des MoKi Ludwigsburg. „Ich arbeite vor allem mit Städten und Gemeinden zusammen, die kein Kino mehr haben oder nie eins hatten“, sagt er. In manchen Kommunen wie in Freiberg ist er monatlich, in anderen nur zweimal im Jahr.

„Die meisten Besucher schätzen es, dass sie in ihrer eigenen Gemeinde ins Kino gehen können“, so Göbelt. „Dass der Eintritt etwas billiger ist, spielt hingegen nur eine untergeordnete Rolle.“ Das bestätigt auch Christine Kniel, die an diesem Wochenende gleich zwei Filme anschaut. „Ich freue mich über dieses kulturelle Angebot, das fußläufig erreichbar ist und ich dafür nicht nach Ludwigsburg oder Stuttgart fahren muss“, sagt die pensionierte Lehrerin, die sich gern mit Freundinnen zum Kinoabend verabredet. „Im MoKi werden oft sehenswerte Filme gezeigt, die im normalen Kino nach kurzer Zeit wieder abgesetzt wurden. Das ist dann eine gute Gelegenheit, sie doch noch zu sehen.“