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Demonstration
Neckarwestheim: Demo gegen Atomkraft und Atomwaffen

Rund 500 Demonstranten ziehen am Sonntag vom Bahnhof Kirchheim aus über die Neckarbrücke zum Kernkraftwerk Neckarwestheim.Fotos: Alfred Drossel
Rund 500 Demonstranten ziehen am Sonntag vom Bahnhof Kirchheim aus über die Neckarbrücke zum Kernkraftwerk Neckarwestheim.Fotos: Alfred Drossel
Verschiedene Gruppen beteiligen sich an der Demonstration.
Verschiedene Gruppen beteiligen sich an der Demonstration.
Mehr als 500 Menschen haben am Sonntag in Neckarwestheim gegen Atomkraft und Atomwaffen demonstriert. Damit wollte ein breites Bündnis auch an die Katastrophe in Fukushima erinnern. Am Kernkraftwerk fand eine Kundgebung statt. Deutlich wurden die Ängste um die aktuellen Ereignisse durch den Krieg in der Ukraine.

Kirchheim/Neckarwestheim. Der Demo-Zug war am Mittag wie immer am Kirchheimer Bahnhof gestartet und endete am Kernkraftwerk Neckarwestheim (GKN) mit einer Kundgebung. Dort forderte Dr. Angelika Claußen, Co-Vorsitzende der Deutschen Sektion „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung“, von der Bundesregierung ein klares Bekenntnis zum Atom- und Kohleausstieg. Die Atom- und Kohlegeschäfte mit Russland und weltweit müssten sofort beendet werden. Erdgas aus anderen Ländern zu importieren, sei keine Lösung. Stattdessen müsse der Ausbau erneuerbarer Energien mit einem massiven Sofort-Notprogramm gefördert werden.

„Wir fordern eine radikale Energiewende und die beschleunigte Durchsetzung der Klimaschutzmaßnahmen zur Einhaltung des 1,5-Grad-Limits“, sagte Claußen. Sie sprach sich gegen das „Rollback“ zu Kohle und Atom aus, gegen Fracking- und Flüssiggas-Importe. Deutschland dürfe die Gefahren der Atomenergie nicht länger exportieren. Ein zeitnaher Ausstieg aus der Brennelemente-Fertigung in Lingen und der Urananreicherung in Gronau müsse jetzt mit entsprechenden Gesetzen auf den Weg gebracht werden. Laut Weltklimarat müsse die massive Reduktion der Treibhausgase in diesem Jahrzehnt erfolgen. Mit einem späteren Kohleausstieg oder dem Import von Flüssiggas sei das nicht zu schaffen, betonte Claußen.

„Putin in Größenwahn noch bestärkt“

„Wir brauchen ein Investitionsprogramm: nicht nur 100 Milliarden für Militär, sondern einen Masterplan für die Energiewende Deutschland“, sagte Herbert Würth von Trägerkreis Fukushima Neckarwestheim. Würth, der die Demo mit organisiert hat, meinte, mit dem Angriffskrieg von Putin auf die Ukraine eskaliere in Deutschland und in Europa das Thema Energieversorgung. Die jahrzehntelange Erhöhung der Abhängigkeit von russischem Gas und Öl, trotz des undemokratischen Verhaltens von Putin, habe diesen sicher in seinem kriegerischen Größenwahn noch bestärkt. Jetzt drohe er dem Westen sogar mit Atomwaffen.

„Atomkraft war und ist eine Hochrisikotechnologie. Von Tschernobyl bis Fukushima und auch im sogenannten ,Normalbetrieb‘.“ Sie beginne bei Uranabbau und -anreicherung und ermögliche die Plutoniumproduktion. „AKWs sind die direkte Vorstufe zur Herstellung von Atombomben“, so Würth. Deshalb müsse der Atomausstieg bestehen bleiben – zumal die letzten drei AKWs nur noch sechs Prozent des Stroms in Deutschland erzeugten. Die Ampel-Regierung müsse sich europaweit für eine rasche Energiewende einsetzen. Die Ankündigung des russischen Präsidenten Putin, die Atomstreitkräfte in höchste Alarmbereitschaft zu versetzen, bedeute eine katastrophale Eskalation der Lage. Dies bringe die Menschheit in die Nähe eines Atomkrieges. Jetzt dürfe keinesfalls die Eskalation durch Waffenlieferungen und Sanktionen weiter verschärft werden, erklärte Würth.

Fukushima-GAU jährt sich bald

Die Demonstration in Neckarwestheim sollte an die nukleare Katastrophe vor elf Jahren erinnern, als es am 11. März 2011 im japanischen Fukushima zur Kernschmelze kam. Nach einem starken Seebeben und einem anschließenden Tsunami war das dortige Atomkraftwerk überschwemmt worden.

Die Protestaktion, die von Beamten des Polizeireviers Bietigheim-Bissingen begleitet wurde, lief ohne Zwischenfälle ab. Eingereiht in den Demonstrationszug hatten sich zahlreiche Bürger und Vereine aus der näheren Umgebung. Die Menschen zeigten Flagge und trugen Transparente. Die Straßen um Kirchheim und Gemmrigheim wurden von der Straßenmeisterei Ottmarsheim abgesperrt.