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Projekt

Neues Zuhause für große Kunst

Das Depot des Stuttgarter Kunstmuseums ist an seinem aktuellen Standort nur noch geduldet. Nun gibt es einen Ersatzbau im Strohgäu.

Regelmäßig wechseln die Sonderschauen des Kunstmuseums – aktuell dreht sich eine der beiden um optische Täuschungen –, das auch Werke der städtischen Sammlung zeigt. Archivfotos: dpa
Regelmäßig wechseln die Sonderschauen des Kunstmuseums – aktuell dreht sich eine der beiden um optische Täuschungen –, das auch Werke der städtischen Sammlung zeigt. Foto: dpa
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Korntal-Münchingen. Korntal-Münchingen baut in jüngster Zeit bei den Museen aus. Zum Jubiläum des größten Stadtteils kam Anfang 2019 eine kleine Einrichtung der Brüdergemeinde am Saalplatz dazu, der „Zeit.Raum“ zeigt die Anfänge der pietistisch geprägten Siedlung 200 Jahre zuvor. Dann genehmigte der Gemeinderat vor wenigen Wochen für das Münchinger Heimatmuseum die Aufstockung für die bisherige 50-Prozent-Stelle der Leiterin und eine Aushilfe. Und nun kommt eine weitere Einrichtung dazu – wenngleich keine öffentliche.

Denn das Stuttgarter Kunstmuseum wird in Korntal-Münchingen künftig seine Kunstwerke lagern, und zwar ab dem zweiten Halbjahr 2021. So lange dauert es, bis ein Bestandsgebäude abgerissen ist, und ein Investor ein neues Depot errichtet hat, aufgrund der vielen Anforderungen gehe das nur auf der grünen Wiese, hieß es. Wo genau, verrät die Stadt Stuttgart aus Sicherheitsgründen nicht, auch nicht, wer der Bauherr ist – „privates Vorhaben“, heißt es zur Begründung.

Fest steht nur, dass es allein für das Kunstmuseum um rund 2100 Quadratmeter Lagerfläche geht und es sich um ein gewerblich genutztes Gebiet handelt – und solche gibt es in allen drei Ortsteilen. Und mit den nötigen Voraussetzungen. Denn Korntal-Münchingen war nicht der einzige Standort, den die Verantwortlichen in der rund anderthalb Jahre langen Suche als Ersatz für den eigentlich schon lange nicht mehr nutzbaren im Post-Verteilzentrum nördlich des Hauptbahnhofs ins Auge gefasst hatten. Im Rennen waren drei Orte, neben Korntal-Münchingen noch Urbach und Bad Cannstatt. An den beiden Letzteren war die Kaltmiete pro Quadratmeter zwar günstiger – 32.000 und 33.000 statt 35.000 Euro –, aber vor allem beim Thema Hochwasser konnte Korntal-Münchingen punkten, mit dem Maximalwert von fünf – die anderen lagen jeweils bei zwei. Die volle Punktzahl gab es ebenso für die Größe und die Erfahrung im Umgang mit Projekten für ähnlich sensible Lagergegenstände, wenngleich der für Urbach infragekommende Investor hier ebenso überzeugte. Insgesamt lag das Strohgäu damit zwei Punkte vor diesem Konkurrenten, weshalb die Stadt Stuttgart den Standort auch präferierte – und konnte offenbar als einziger auch schon mit weitergehenden Informationen punkten.

Denn für das Objekt liege ein erster Vorentwurf vor. Demnach soll es in dem Gebäude vier voneinander getrennte Depotbereiche geben, zwei davon werden an das Kunstmuseum vermietet. „Das vom Depotplaner errechnete Raumprogramm von 2100 Quadratmeter Lagerfläche und 120 Quadratmeter Arbeitsraum für Restaurierung, Wissenschaft und Fotografie kann darin komplett abgebildet werden“, hieß es in der Beschlussvorlage für den Stuttgarter Verwaltungsausschuss.

Allerdings hatten die Stadträte im vergangenen Sommer nur eine Grundsatzentscheidung zu treffen, ob sie zum einen hinter den um 300.000 Euro höheren jährlichen Kosten stehen. Und zudem auch den Umzug und nötige restauratorische Maßnahmen finanzieren wollen, der auf 225.000 Euro geschätzt wird, was das Kunstmuseum aus dem laufenden Zuschuss der Stadt – knapp fünf Millionen Euro – nicht bestreiten könne. Nachdem das aber erfolgt ist, ging es an die weiteren Gespräche. Denn die Zeit war nicht nur wegen der unzureichenden Bedingungen im aktuellen, geduldeten Depot knapp bemessen, hatte es schon im Sommer geheißen. Denn alle drei Investoren drängten, weil sie für ihre Grundstücke auch noch andere Anfragen hätten.

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