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Theologe Kurt Vogelgsang in der Westukraine
Ukrainekrieg: Die Menschen sind erschöpft

Kurt Vogelgsang (Dritter von links) mit dem Team des Gustav-Adolf-Werks (GAW) beim Verladen von Gehhilfen in Hohenhaslach.
Kurt Vogelgsang (Dritter von links) mit dem Team des Gustav-Adolf-Werks (GAW) beim Verladen von Gehhilfen in Hohenhaslach. Foto: Ulrich Hirsch/privat
Beeindruckende Erlebnisse hatte der Theologe Kurt Vogelgsang bei einem Einsatz in der Westukraine. Der Krieg und seine Folgen zermürben die Menschen.

Kreis Ludwigsburg. Kurt Vogelgsang ist nach einem einwöchigen Einsatz in der Westukraine zurückgekehrt. Vogelgsang, der von September 2019 bis Juli 2021 in Sachsenheim Gemeindepfarrer war, lernte in der Zeit der Hohenhaslacher Zeltkirche im Sommer 2022 auch Ulrich Hirsch, Projektleiter beim Gustav-Adolf-Werk (GAW), näher kennen. Daraus ergab sich für den Ruheständler auch die Mitarbeit bei der Beladung von Hilfstransporten in die Ukraine.

So war Vogelgsang vor Kurzem in den Unterkarpaten. Neben Gottesdiensten und Bibelarbeit gehörten Besuche, Gespräche und Seelsorge zu den Aufgaben des 70-jährigen Theologen. In vielen Gesprächen gewann Kurt Vogelgsang schnell das Vertrauen der Dorfbewohner. Dabei erreichten ihn auch die existenziellen Fragen und Nöte der vom Krieg so sehr belasteten Menschen. Beim Gespräch mit einem verwundeten Soldaten etwa gewann Vogelgsang Einblicke in die Zustände an der Front. Auch das Leid einer Mutter, die bereits zwei Söhne im Krieg verloren hat, habe ihn sehr erschüttert.

Kurt Vogelgsang (links) mit einem kriegsverletzten Soldaten und seinen Angehörigen in Csonkapapi.
Kurt Vogelgsang (links) mit einem kriegsverletzten Soldaten und seinen Angehörigen in Csonkapapi. Foto: Ulrich Hirsch/p

Beim Besuch des reformierten Gymnasiums in Nagydobrony und der Übergabe einer großen Spende aus Sachsenheim für die geplanten Jugendfreizeiten an Direktorin Erika Gal konnte sich der württembergische „Gastarbeiter“ auch einen Eindruck vom hohen Bildungsgrad der ungarischen Schüler im westukrainischen Diasporagebiet verschaffen.

Leiden unter jahrelanger Bedrohung

Als Resümee stellte Kurt Vogelgsang bei seinem ersten Besuch im Westen des Kriegslandes eine große Müdigkeit und Erschöpfung der Menschen fest. Sie leite sich vor allem aus der nun schon jahrelangen Bedrohung und den Einschränkungen bezüglich Energie und Beweglichkeit ab. Besonders die Familien litten unter vielfachen Trennungen. Diese erfolgten entweder durch die Abwesenheit der kriegsfähigen Männer, die schon sehr lange an der Front sind, oder aber ins Ausland geflüchtet sind, um nicht im „Fleischwolf“ zu landen.

Eine ganze Reihe von Familien trägt auch schwer am Tod von Angehörigen. Aus Angst vor der immer wieder durch die Dörfer streifenden Militärkommission, die Männer für die Armee rekrutiert, verstecken sich die wenigen Männer im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, trauen sich kaum auf die Felder oder zum Besuch des Gottesdienstes. (red)