Ludwigsburg. Berufliche Schulen im Landkreis Ludwigsburg stehen oft im Schatten klassischer Bildungswege – zu Unrecht. Wie Andreas Eschbach vom Landratsamt und Oliver Schmider, Schulleiter der Erich-Bracher-Schule Kornwestheim, im Podcast „LKZ News Couch“ betonen, bieten sie ein breites Spektrum an Möglichkeiten für Jugendliche, wie die beiden im Gespräch mit Chefredakteurin Ulrike Trampus erklären.
Sechs Berufliche Schulen
Sechs Berufliche Schulen gibt es im Kreis, ergänzt durch sonderpädagogische Einrichtungen und Schulkindergärten. Schulträger ist der Landkreis Ludwigsburg. Die Angebote reichen von kaufmännischen, gewerblichen bis hin zu hauswirtschaftlichen Profilen. Besonders auffällig: die Vielfalt innerhalb einzelner Schulen. Neben Vollzeitbildungsgängen wie Berufskolleg oder Wirtschaftsgymnasium gehören auch klassische duale Ausbildungen zum Alltag.
Durchlässiges System als große Stärke
Ein zentrales Argument für berufliche Schulen ist ihre Durchlässigkeit. „Egal mit welchem Abschluss man kommt – es geht immer noch weiter“, sagt Schmider, der auch geschäftsführender Schulleiter der Beruflichen Schulen im Landkreis Ludwigsburg ist. Selbst ohne Abschluss können Jugendliche ihren Bildungsweg fortsetzen und bis zum Abitur gelangen, sofern die Leistung stimmt.
Damit bieten die Schulen eine wichtige zweite Chance. Anders als oft angenommen, handelt es sich dabei nicht um Umwege, sondern um gleichwertige Bildungswege. Auch Spezialisierungen – etwa in Wirtschaft, Technik oder Gesundheit – sind möglich und sprechen viele Jugendliche gezielt an.
Orientierung bleibt entscheidend
Die große Auswahl bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Viele Angebote seien für Schüler und Eltern zunächst schwer zu überblicken. Deshalb setzen die Schulen auf Informationsveranstaltungen, Ausbildungsmessen und persönliche Beratung.
Der direkte Kontakt – etwa bei Tagen der offenen Tür – spielt dabei eine zentrale Rolle. „Die jungen Leute finden den Weg zu uns, wenn sie sich informieren“, so Schmider.
Gleichzeitig sehen die Experten eine rückläufige Beteiligung der Eltern, etwa bei Informationsabenden. Hier wünschen sie sich mehr Engagement.
Finanzielle Lage angespannt – aber stabil
Trotz knapper Kassen sehen sich die Beruflichen Schulen aktuell solide aufgestellt. Das Bildungsangebot sei nicht gefährdet, betonen beide Gesprächspartner. Investitionen müssten jedoch zunehmend priorisiert werden.
Der Landkreis arbeite eng mit den Schulen zusammen, etwa durch regelmäßige Abstimmungen und neue Budgetregelungen, die den Einrichtungen mehr Flexibilität geben sollen. Langfristig bleibt die Finanzierung jedoch ein Thema. Fachbereichsleiter Eschbach fordert klar: Wenn neue gesetzliche Aufgaben kommen, müsse auch die Finanzierung gesichert sein.
Mehr Unterstützung für Schüler gefragt
Ein wachsender Bedarf zeigt sich vor allem bei der individuellen Förderung. Steigende Anforderungen und persönliche Herausforderungen vieler Schüler erfordern zusätzliche Unterstützung – etwa durch Schulsozialarbeit oder Lernbegleitung. Hier würde Schmider zusätzliche Mittel investieren: „Direkt am Schüler, das ist gut angelegtes Geld.“
Wunsch an die Politik
Beide Experten richten klare Erwartungen an die Landespolitik: mehr finanzielle Mittel für Bildung, bessere Lehrerversorgung und mehr Handlungsspielraum für Schulen vor Ort.
Denn eines steht fest: Berufliche Schulen sind ein zentraler Baustein des Bildungssystems – und bieten Chancen, die oft unterschätzt werden.



