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Corona

Die Verwirrung um die Inzidenz ist groß

Der Landkreis und das Land haben bei der Berechnung der ausschlaggebenden fünf Werktage für Öffnungen scheinbar andere Sichtweisen

Die Öffnung der Gastro über Pfingsten ist ausgefallen. Die Verwirrung um die Inzidenz bleibt weiterhin. Symbolfoto: Sven Hoppe/dpa
Die Öffnung der Gastro über Pfingsten ist ausgefallen. Die Verwirrung um die Inzidenz bleibt weiterhin. Symbol Foto: Sven Hoppe/dpa

Ludwigsburg. Sie hatten gehofft und alle Vorbereitungen getroffen. Am Ende war die Enttäuschung über die geplatzte Öffnung bei den Gastronomen groß. Da die Sieben-Tage-Inzidenz am Freitag vergangener Woche wieder über 100 kletterte, waren die Öffnungspläne zu Pfingsten dahin. Und auch wenn die Zahlen nun wieder sinken und unter dem Wert von 100 bleiben sollten, ist – Stand jetzt – kein konkretes Öffnungsdatum für die Gastronomie auszumachen – denn selbst die Behörden scheinen sich nicht einig zu sein.

Entscheidend für das Ergreifen der Öffnungsschritte sind laut Landesregierung die Zahlen, die das Robert-Koch-Institut (RKI) – erst am Folgetag – veröffentlicht. „Es darf in der Fünf-Tageszählung also frühestens jener Werktag zählen, an dem das RKI die Inzidenz veröffentlicht“, heißt es vom Sozialministerium. Erst wenn die vom RKI veröffentlichten Werte an fünf Werktagen in Folge unter 100 liegen, gibt es danach am übernächsten Tag Lockerungen, es tritt die Notbremse des Bundes außer Kraft. „Samstage zählen dazu, Sonn- und Feiertage dagegen nicht (sie unterbrechen die Zählung aber auch nicht)“, so das Landesministerium.

Das würde für den Landkreis Ludwigsburg jetzt bedeuten, dass das RKI den Dienstag-Wert des Landkreises (Inzidenz bei 66,7) erst am Mittwoch offiziell bestätigt und damit die Zählung der fünf Werktage erst am Mittwoch beginnen kann. Sollte die Inzidenz an den folgenden Tagen also unter 100 bleiben, könnte die Gastronomie laut dieser Zählweise am Mittwoch, 2. Juni, geöffnet werden. Doch der Landkreis sieht das anders. „Nach unserer rechtlichen Auffassung ist entscheidend, ob das RKI mit seiner Veröffentlichung am Mittwoch eine Unterschreitung der Sieben-Tages-Inzidenz für Dienstag bestätigen wird. Wenn dies der Fall ist, ist der Dienstag als erster Tag der Zählung heranzuziehen“, so ein Sprecher des Landratsamtes auf Anfrage unserer Zeitung. „Dies würde dazu führen, dass bei gleichbleibender Inzidenz der kommende Samstag als fünfter Tag der Zählung zu betrachten wäre. Die gesetzlich vorgesehenen Lockerungen würden dann ab Montag, 31. Mai, in Kraft treten.“

Damit des Inzidenz-Wirrwarrs aber nicht genug. Die Sieben-Tage-Inzidenz hatte schon in den vergangenen Tagen in Ludwigsburg für Wirbel gesorgt. Nicht nur, weil die Öffnung der Gastronomie zu Pfingsten noch ins Wasser fiel, sondern auch, weil der Landkreis und das Land immer wieder unterschiedliche Zahlen meldeten.

Am Beispiel der vergangenen Woche wird das deutlich: Am Montag, 17. Mai, veröffentlichte der Landkreis zunächst eine Inzidenz von 99,9. Das Land vermeldete 100,3. Ein kleiner Unterschied mit großen Auswirkungen. Der Landkreis korrigierte seine Angabe später. Doch auch an den darauffolgenden Tagen wichen die Werte voneinander ab: Am Dienstag, 18. Mai, meldete der Landkreis eine Inzidenz von 96,8, das Land meldete 96,3. Am Mittwoch, 19. Mai, lag die Inzidenz laut Landkreis bei 87,6, laut Land bei 87,8, am Donnerstag, 20. Mai, laut Landkreis bei 96,8 und laut Land bei 97,2. Am Freitag, 21. Mai, waren sich Landkreis und Land dann einig und meldeten eine Inzidenz von 101,4. Das RKI orientiert sich an den Zahlen des Landes.

Wie es dazu kommt, dass sich die Zahlen – wenn auch nur minimal – unterscheiden, obwohl sich Landkreis und Land auf den gleichen Stichtag und auch auf die gleiche Stichuhrzeit beziehen, können beide Behörden nicht schlüssig erklären. „Das Gesundheitsamt des Landkreises meldet gleichzeitig die aktuellen Zahlen der Infizierten an das Landesgesundheitsamt und an unser Internet-Dashboard“, sagt ein Sprecher des Landratsamtes auf Anfrage. „Es kommt in Einzelfällen vor, dass genau zu dieser Zeit Fälle in aktueller Bearbeitung sind. Diese werden dann nicht am selben Tag im Dashboard dazugezählt, dafür aber am Folgetag.“

Eine Sprecherin des Regierungspräsidiums sagt, dass die unterschiedlichen Werte damit zusammenhängen könnten, dass zur Berechnung unterschiedliche Bevölkerungszahlen zugrunde gelegt werden. Und: Offenbar werden demnach beim Gesundheitsamt teils auch Fälle einbezogen, die nicht per PCR-Test bestätigt sind.

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