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Einzelhandel

Einzelhandel nach dem Lockdown: Viele Läden jetzt wieder offen

Termine zum Einkaufen nach dem System „Click & Meet“ gibt es in vielen Geschäften direkt an der Ladentür

Endlich wieder geöffnet: Aljona Paladey mit ihrem gut gefüllten Einkaufswagen vor dem Obi Bietigheim. Fotos: Holm Wolschendorf.
Endlich wieder geöffnet: Aljona Paladey mit ihrem gut gefüllten Einkaufswagen vor dem Obi Bietigheim. Foto: Holm Wolschendorf.
Der Hausleiter von Oberpaur, Christoph Sprenger, vergibt am Montag Termine.
Der Hausleiter von Oberpaur, Christoph Sprenger, vergibt am Montag Termine.
Ein Blick in die Ludwigsburger Fußgängerzone.
Ein Blick in die Ludwigsburger Fußgängerzone.
Warteschlange vor Ikea im Tammerfeld.
Warteschlange vor Ikea im Tammerfeld.

Ludwigsburg. Egal ob in der Fußgängerzone, im Marstall oder in der Wilhelmgalerie – am Montag ist in Ludwigsburg überall wieder etwas los. Christoph Sprenger, der Hausleiter im Modegeschäft Oberpaur, steht den ganzen Tag hinter der Eingangstür und empfängt seine Kunden. Nur ein kleiner Teil hat im Vorfeld über Telefon oder E-Mail einen Termin ausgemacht. Alle anderen bekommen am Montag ihren Termin direkt an der Türe, vor der sich eine kleine Warteschlange bildet.

Bei der Terminvergabe notiert Sprenger Uhrzeit, Name, Telefonnummer und E-Mail-Adresse der Kunden. Dann heißt es: „Schön, dass Sie wieder da sind.“ 45 Minuten bekommt jeder Besucher. 112 Kunden dürfen nach der Coronaverordnung derzeit gleichzeitig im Modehaus-Oberpaur shoppen. Trotz des Andrangs reicht das am Montag noch dafür aus, dass jeder Besucher ohne größere Wartezeiten reinkommt.

Auch vor dem Haushaltswarengeschäft Lotter hat sich eine kleine Warteschlange gebildet. Dort kann man seinen „Termin“ ebenfalls direkt an der Tür vereinbaren und dann gleich einkaufen gehen. Viele kleinere Geschäfte in der Fußgängerzone und am Marktplatz bleiben am Montag dagegen noch geschlossen. Denn nicht alle Ladeninhaber haben es geschafft, auf die kurzfristig am Wochenende aktualisierte Corona-Verordnung des Landes zu reagieren.

Martin Ruckh, von Böhmer Schuhe, hat zwar offen, aber die kurzfristigen Entwicklungen ärgern ihn. Am Samstag hieß es noch, die neue Verordnung komme erst Anfang der Woche, dann hieß es plötzlich, die Händler könnten auch schon ab Montag öffnen. Gleich morgens hat Ruckh dann einige Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückgeholt. Der Ladeninhaber ist froh, dass er wieder öffnen kann. Aber: „Die Informationspolitik gegenüber den Einzelhändlern ist mehr als beschämend.“ Auch die Terminvergabe für „Click & Meet“ ist laut Ruckh für kleinere Geschäfte kaum zu leisten. „Die Terminanfragen kommen auf sämtlichen Kanälen, über Telefon, E-Mail, Instagram oder Facebook rein.“ Der Händler ist froh, dass sich im Laufe des vormittags in Ludwigsburg ein System etabliert, bei dem viele Termine direkt an der Ladentür vergeben werden und viele Kunden sofort einkaufen können.

Für eine Bilanz sei es zu früh, aber er gehe davon aus, dass viele Läden „Click & Meet“ nutzen werden, sagt Markus Fischer, Citymanager von Luis, dem Verein der Innenstadthändler, am Montagmittag. In seinen Augen ist es wichtig, dass die Ludwigsburger Händler die Chance nutzen. Denn im Gegensatz zum Landkreis Ludwigsburg, in dem die Sieben-Tages-Inzidenz bei über 50 liege und die Geschäfte damit nur mit vorheriger Terminvergabe öffnen dürften, seien alle umliegenden Landkreise, außer die Stadt Stuttgart, mittlerweile unter dem Wert von 50. Das heißt: Die Geschäfte dürfen dort unter den allgemeinen Auflagen wie Maskenpflicht oder Kundenbeschränkungen öffnen. „Da müssen wir aufpassen, dass es keinen Einkaufstourismus in die anderen Landkreise gibt“, sagt Fischer. „Diese erste Öffnung ist ein wichtiger Schritt aber noch lange nicht das, was wir für die Innenstadt brauchen.“

Im Marstall und in der Wilhelmgalerie haben seit Montag ebenfalls viele Geschäfte wieder offen. Auch hier gibt es vor einigen Läden einen Andrang. Die Warnungen einiger Experten, dass es mit dieser vorsichtigen Lockerung bald wieder vorbei sein könnte, scheinen also nicht unbegründet: Spätestens ab einer Sieben-Tages-Inzidenz von 100 müssen die Geschäfte wieder schließen. Da derzeit mehr als je zuvor getestet wird und damit auch mehr Coronafälle aufgedeckt werden, rechnen einige Experten sowieso mit steigenden Inzidenzen. Für den Landkreis Ludwigsburg scheint sich dies tatsächlich zu bestätigen: Hier stieg die Sieben-Tages-Inzidenz am Montag um 0,9 auf 51,5.

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