Ludwigsburg. Jahr für Jahr steigt die Dringlichkeit - und auch die Kosten, die investiert werden müssten. Das Ludwigsburger Forum ist vom Sorgenkind zu einem millionenschweren Problemfall geworden - und mit schwer sind 144 Millionen Euro Sanierungskosten gemeint. Die Diskussion begleitet Stadt, Räte und Bürger bereits über viele Jahre. Und nun möchte Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht dem Gremium heute Abend in der Gemeinderatssitzung vorschlagen, jetzt in die Generalsanierung einzusteigen. Das heißt konkret: Geld blechen oder das Forum könnte zu einem Lost Place der besonderen Größe werden. Wie konnte es soweit kommen? Ein Blick auf die Debatte „Forum“, oder: Was bisher geschah.
Juni 2020
Zwei Millionen Euro für den ersten Schritt: Beim Rückbau der Gastronomie wurden erhebliche Mängel beim Brandschutz entdeckt. „Wir wollten die Reifen wechseln und dann kam raus, dass die Bremsanlage kaputt ist“, fasste damals Mathias Weißer, Leiter des Fachbereichs Hochbau und Gebäudewirtschaft, in einer Gemeinderatssitzung zusammen.
November 2021
Droht dem Forum die zeitweise Schließung? Tourismus & Events weist auf anstehende Arbeiten in dem über 30 Jahre alten Bau hin. Matthias Knecht erklärt: „Das Thema wird uns die nächsten Jahre beschäftigen“. Und damit sollte Ludwigsburgs Oberbürgermeister Recht behalten.
Februar 2024
Eigentlich ist das Ludwigsburger Forum am Schlosspark ein Sorgenkind. Gemunkelt wird von einer „großen Sanierung“ des Gebäudes. Der Grund: Das Dach ist leicht undicht, die Fassade hat kleinere Mängel. Zudem spielen Brandschutz und Fluchtwege eine Rolle. Doch Genaues weiß man nicht. Dann die Überraschung: Das Forum wird zum Kulturdenkmal. Das wird den Verlauf maßgeblich beeinflussen.
März 2025
Nach vielen Diskussionen um einen möglichen Abriss des Forums – den die Erhebung zum Kulturdenkmal im Februar 2024 verhinderte –, soll eine Sanierung kommen. Matthias Knecht verkündet in einer Pressekonferenz, dass 2027 die Bauarbeiten beginnen. Der Auslöser? Das nun 40 Jahre alte Forum hat bis Ende 2026 einen sogenannten „Duldungsbetrieb“, ausgestellt von der unteren Baurechtsbehörde, also von der Stadt selbst. Dieser erlaubt den Betrieb trotz Verschärfung des Brandschutzes noch bis zum 31. Dezember 2026.
Zudem wird bekannt, dass die Sanierung um die 120 Millionen Euro kosten könnte. Diese Zahl wird sich noch verändern.
September 2025
Noch vor dem Beschluss zur Sanierung wird am Interimsprogramm für das Forum gestrickt. Vier Spielstätten stehen zur Auswahl.
Im Dezember werden aus 120 Millionen Euro satte 130 Millionen Euro an Kosten. Das hat Folgen.
Januar 2026
Zu Beginn des Jahres sind noch immer viele Fragen offen: Die Entscheidung, ob das Forum saniert werden soll, wird verschoben. Aber hinter verschlossenen Türen wird diskutiert. Je länger sich die Grundsatzentscheidung zum Forum hinzieht, desto lauter werden kritische Stimmen. Etwa, ob sich die Stadt eine solche Sanierung überhaupt leisten kann.
Auch die Schließung ab 2027 und die vorrübergehende Verlegung auf Interimsstätten, darunter die Friedenskirche und der Louis-Bührer-Saal der Kreissparkasse, wird in Frage gestellt: Der Ausweich gestalte sich 2027 problematisch, etwa wegen eingeschränkter Nutzung oder der Akustik. Auch an einer Bauzeit von viereinhalb Jahren werden Zweifel laut.
Februar 2026
In Ludwigsburg formiert sich der Widerstand. Die Freien Wähler sind sich einig: „Wir werden gegen die Forumsanierung stimmen.“ Der Grund? Bei Grundlagen und Vorplanung seien kostengünstigere Alternativen nicht geprüft worden. Die Gegner fordern eine Reparatur statt einer Generalsanierung. Auch in anderen Fraktionen wird das Thema kritisch gesehen.
März 2026
Der Ludwigsburger OB Matthias Knecht spricht mit seinem Stuttgarter Amtskollegen Frank Nopper über das Forum als Ausweichspielstätte der Staatsoper. Das betrifft die Zeit nach der Generalsanierung des Forums ab 2032. Der Grundgedanke: Beide Städte könnten Geld sparen, da bei einer solchen Konstellation auch das Land einen wesentlichen Anteil der Kosten stemmen würde. Sprich: auch für die Finanzierung des Ludwigsburger Forums.
Daraufhin folgt jedoch eine Abfuhr des Stuttgarter OB‘s: „Der Vorschlag einer Interimsoper im Forum Ludwigsburg ist eine abstrakte Idee aus Ludwigsburg, die an uns herangetragen wurde – mehr nicht“, sagt Frank Nopper.
Kurz darauf ist die Idee vom Tisch.
Im gleichen Monat geht die Debatte in die heiße Phase: In einer Gemeinderatssitzung werden weitere 1,6 Millionen Euro für die Planung gefordert – nachdem bereits über sechs Millionen geflossen sind. OB Knecht muss die Forderung wegen starker Kritik letzlich von der Tagesordnung nehmen. Zu diesem Zeitpunkt ist von 144 Millionen Euro an Kosten die Rede. Zur Erinnerung: Der Haushalt ist noch nicht genehmigt, ebenfalls herrscht bereits die Haushaltsperre.
Gleichzeitig kommt die Sorge auf, das Ludwigsburger Forum könnte, falls die Sanierung nicht machbar ist, zu einem Lost Place werden – und das mitten in der Stadt.
Der Grundsatzbeschluss zur Generalsanierung wird wieder verschoben.
Mai 2026
Der Hotel- und Gaststättenverband warnt nun auch vor einem dauerhaft geschlossenen Forum in einem offenen Brief: Das Forum könnte zu einem Lost Place werden. „Es wäre von unserer Seite mehr als wünschenswert, wenn wir das Forum erhalten würden. Es braucht einen Ort für Kultur und Begegnung“, sagt ein Vertreter der Dehoga.
20. Mai 2026
Die Stadtverwaltung schlägt an diesem Mittwochabend vor, jetzt in die Generalsanierung einzusteigen.
Wenn das gelingt, wird das Forum für die Sanierung geschlossen, zum 100. Geburtstag der Schlossfestspiele soll es dann 2032 erneut seine Tore öffnen. Oder aber das Forum könnte zum Lost Place werden. Die Entscheidung fällt am 20. Mai im Kulturzentrum in der Gemeinderatssitzung um 17 Uhr.










