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LKZ Newscouch
Georg Pommer über 50 Jahre Roncalli: „Es muss immer ein Spiel dabei sein“

Georg Pommer auf seinem Klavierfahrrad von Circus Roncalli.
Georg Pommer auf seinem Klavierfahrrad von Circus Roncalli. Foto: 54°/Felix Koenig
Roncalli-Musikdirektor Georg Pommer spricht im LKZ-Podcast „Newscouch“ über Bernhard Paul, das Zirkusleben und 50 Jahre Roncalli.

Ludwigsburg. Seit mehr als vier Jahrzehnten prägt Georg Pommer den Sound des Circus Roncalli. Im LKZ-Podcast „Newscouch“ spricht der Generalmusikdirektor mit Ulrike Trampus und Stephan Wolf aus der LKZ-Chefredaktion über 50 Jahre Roncalli, seine Zusammenarbeit mit Gründer Bernhard Paul und die besondere Welt des Zirkus.

Unverwechselbare Löwenmähne

Wenn Pommer auf seine Jahrzehnte bei Roncalli zurückblickt, erscheint vor seinem inneren Auge zuerst Bernhard Paul – mit seiner unverwechselbaren Löwenmähne. Paul sei eine „super imposante Erscheinung“ und ein „Menschenfänger“, sagt Pommer. Vor allem aber war er derjenige, der den Musiker für den Zirkus begeisterte. Denn Pommer ist kein Zirkuskind. Er kam zunächst als Pianist zu Roncalli und wurde 1984 von Paul zum Orchesterleiter ernannt. Seither prägt er den charakteristischen Klang des Zirkustheaters.

Freies Leben

Was ihn damals anzog, waren weniger die artistischen Höchstleistungen als die besondere Lebensform: unterwegs sein, im Bus leben, an immer neuen Orten arbeiten. Bis heute schwärmt Pommer davon, auf Tournee Städte immer wieder neu zu entdecken. Auch Ludwigsburg gehört für ihn zu den besonderen Orten.

Newscouch Podcast

Ein Jubiläum ohne nostalgischen Stillstand

Zum 50-jährigen Bestehen will Roncalli nicht einfach die größten Erfolge wiederholen. Das Jubiläumsprogramm soll nach vorne weisen. Das zeigt sich für Pommer an den vielen jungen Artisten und an Bernhard Pauls Prinzip, das Publikum mit Unerwartetem zu überraschen. Gerade wenn man glaube zu wissen, was als Nächstes komme, schlage die Inszenierung einen Haken.

Das Fahrradklavier

Wie solche Ideen entstehen, zeigt ein ungewöhnliches Instrument der aktuellen Produktion: ein Klavier auf einem Fahrrad. Paul hatte Pommer Bilder und Links zu außergewöhnlichen Instrumenten geschickt. Ein Freund Pommers in Frankreich baute schließlich das Unikat. In Ludwigsburg wagte Pommer damit sogar eine Fahrt durchs Blühende Barock – natürlich spielend. Passanten blieben stehen, ein Boogie-Woogie-Fan wünschte sich spontan ein Stück.

Musik darf nicht zur Routine werden

Auch nach unzähligen Vorstellungen soll die Musik für Pommer jeden Abend lebendig bleiben. Deshalb schafft er improvisatorische Freiräume. Harmonien können sich verändern, Musiker dürfen ausprobieren – solange das musikalische Grundniveau stimmt. Die Vorstellung solle ein „Work in Progress“ bleiben.

Georg Pommer auf der Newscouch im Gespräch mit Ulrike Trampus und Stephan Wolf
Georg Pommer auf der Newscouch im Gespräch mit Ulrike Trampus und Stephan Wolf Foto: Highscore

Entscheidend ist für Pommer die Freude. Selbst an heißen Tagen setzt er lieber auf Humor als auf Härte. Ein Scherz unter Musikern oder schon die spielerische Drohung mit einer Wasserpistole könne mehr bewirken als strenge Ansagen. „Bei der Arbeit muss immer ein Spiel dabei sein“, sagt Pommer. Genau dieses Spielerische soll beim Publikum ankommen.

Der besondere Roncalli-Funke

Musik versteht Pommer als Teil eines Gesamtkunstwerks aus Artistik, Kostümen, Licht und Dramaturgie. Manchmal bringen Artisten Musik mit, die nicht zur Roncalli-Welt passt. Dann wird arrangiert, adaptiert oder neu komponiert. Entscheidend sei nicht, eine eigene Komposition durchzusetzen, sondern die größtmögliche Wirkung für die Darbietung zu erzielen.

Ob die Musik funktioniert, erkennt Pommer mitunter erst nach der Vorstellung. Er mischt sich dann unter die Besucher. Wenn jemand beim Hinausgehen eine Melodie pfeift und gut gelaunt ist, hat die Musik ihre Wirkung entfaltet. Es ist das Zusammenspiel aller Elemente, das für ihn Roncalli ausmacht. Diese Atmosphäre habe in 50 Jahren nichts von ihrer Wirkung verloren. Pommer nennt sie den „Roncalli-Funken“.

Mehr Raum für Theater

Zum Wandel gehört auch der Abschied von Tierdressuren. Für Roncalli war dieser Schritt nach Pommers Erinnerung mit Widerständen verbunden. Heute hält er Tierhaltung und Tiertransporte im Zirkusbetrieb nicht mehr für vertretbar. Künstlerisch habe der Verzicht zugleich neue Möglichkeiten geschaffen: mehr Raum für Dramaturgie, Theater und gestalterische Elemente.

Ludwigsburg als besondere Kulisse

Die Premiere der Jubiläumstournee in Ludwigsburg erlebte Pommer gleich doppelt als „heiß“: wegen der Temperaturen und wegen des enthusiastischen Publikums. Besonders angetan hat es ihm die Kulisse am Residenzschloss und im Blühenden Barock. Morgens mit dem ersten Kaffee vor dem Wagen zu sitzen und auf die Parkanlage zu schauen, gehört für ihn zu den schönen Momenten des Zirkuslebens.

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