Ludwigsburg. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist angespannt, doch Bernd Hertweck blickt optimistisch nach vorn. Im Podcast der LKZ spricht der Vorstandsvorsitzende der Wüstenrot Bausparkasse über die Wohnungsbaukrise, politische Reformen, den neuen Campus in Kornwestheim und darüber, warum der Wunsch nach den eigenen vier Wänden gerade bei jungen Menschen so groß ist wie nie.
Campus als Ort der Begegnung
Seit dem Umzug auf den W&W-Campus in Kornwestheim sieht Hertweck seine Mitarbeiter buchstäblich in Bewegung. Von seinem Büro aus blickt er auf den Campus, der bewusst als Ort der Begegnung konzipiert wurde. Ziel sei es gewesen, Zusammenarbeit und spontane Abstimmungen zu fördern – ein Konzept, das aus seiner Sicht voll aufgegangen ist. Nach den Erfahrungen der Corona-Pandemie sei der moderne Standort heute ein wichtiger Anreiz, damit Beschäftigte gerne ins Büro kommen.
Bezahlbares Wohnen ist die größte Herausforderung
Deutliche Worte findet Hertweck zur Situation am Wohnungsmarkt. Die Zahl der Baugenehmigungen sei drastisch eingebrochen, gleichzeitig fehlten vor allem in wirtschaftsstarken Regionen tausende Wohnungen. Die Folge: Kaufpreise und Mieten seien für viele Familien kaum noch finanzierbar.
Dennoch sieht er erste positive Signale. Bund und Länder hätten die Probleme erkannt und zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht – vom sogenannten Bauturbo über vereinfachte Bauvorschriften bis hin zu neuen Förderprogrammen. Entscheidend sei nun, dass diese Reformen schnell umgesetzt werden.
Eigentum bleibt für junge Menschen attraktiv
Einer weit verbreiteten Annahme widerspricht Hertweck ausdrücklich: Die junge Generation habe keineswegs mit dem Traum vom Eigenheim abgeschlossen. Im Gegenteil. Nach Erkenntnissen der W&W-Marktforschung sei der Wunsch nach Wohneigentum heute sogar höher als je zuvor.
Das eigentliche Problem sei nicht der fehlende Wille, sondern der schwierige Weg dorthin. Hohe Preise, gestiegene Baukosten und fehlendes Eigenkapital erschwerten vielen den Einstieg. Gleichzeitig plädiert Hertweck dafür, wieder stärker über langfristige Vermögensbildung und auch über notwendigen Konsumverzicht zu sprechen.
Weniger Regeln, schneller bauen
Ein weiteres Hemmnis sieht der Wüstenrot-Chef in der zunehmenden Regulierung. Während Anfang der 2000er-Jahre rund 5.000 Vorschriften für den Hausbau gegolten hätten, seien es heute in manchen Bundesländern bis zu 25.000. Viele einzelne Regeln seien sinnvoll, ihre Summe mache das Bauen jedoch unnötig teuer. Gerade der geplante Gebäudetyp E könne helfen, Baukosten deutlich zu senken und Projekte wirtschaftlicher zu machen.
Sorgenkind Landkreis Ludwigsburg
Auch den Landkreis Ludwigsburg sieht Hertweck vor großen Herausforderungen. Besonders kritisch bewertet er die geringe Zahl neuer Wohnungen. Nach aktuellen Studien würden jährlich rund 2.800 neue Wohneinheiten benötigt, genehmigt würden jedoch lediglich etwa 400. Dadurch steige der Druck auf den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt weiter.
Neben mehr Wohnungsbau fordert er auch Investitionen in Infrastruktur und Verkehr sowie eine klare Zukunftsstrategie für den Wirtschaftsstandort.
Optimistischer Blick in die Zukunft
Trotz aller Schwierigkeiten glaubt Hertweck, dass sich der Wohnungsmarkt innerhalb der nächsten zehn Jahre wieder stabilisieren kann. Voraussetzung sei allerdings, dass die angekündigten politischen Maßnahmen konsequent umgesetzt werden. Mehr Neubau, ein stärkerer sozialer Wohnungsbau und die bessere Nutzung bestehender Gebäude könnten wieder für Bewegung auf dem Markt sorgen.
Dass Wohneigentum Menschen Sicherheit gebe, habe er selbst früh erlebt: Bereits mit unter 20 Jahren kaufte Hertweck als junger Bankkaufmann seine erste Eigentumswohnung. Dieses Gefühl, nach Hause zu kommen und die eigene Tür aufzuschließen, sei bis heute für ihn ein besonderer Moment geblieben.



