Ludwigsburg. „In gewisser Art und Weise ist es thematisch eine Heimkehr“, sagt Isabell Hoffmann über ihren Wechsel an die Spitze des Deutsch-Französischen Instituts (DFI) in Ludwigsburg. Seit März leitet die Politikwissenschaftlerin die renommierte Einrichtung. Zuvor war sie 18 Jahre für die Bertelsmann-Stiftung tätig und beschäftigte sich dort unter anderem mit europäischer Integration und Meinungsforschung.
Auf der News Couch der LKZ spricht die gebürtige Saarländerin über ihre ersten Monate in Ludwigsburg, die Zukunft des DFI und die politische Lage in Frankreich. Ihre neue Heimat hat es ihr angetan. Sie genieße die kurzen Wege, die Nähe zum Marktplatz und das Leben rund um den DFI-Sitz in der Villa Frischauer. „Ich bin sehr gut gelandet“, sagt Hoffmann.
Thematische Heimkehr nach Ludwigsburg
Frankreich gehörte für Hoffmann schon als Kind zum Alltag. Der nächste große Supermarkt lag jenseits der Grenze, ihre Mutter hatte vor der Einführung des Euro stets zwei Geldbeutel dabei. In ihrem Umfeld wurde immer wieder Französisch gesprochen. Später studierte Hoffmann im Saarland und in Paris.
Am DFI reizt sie nun die Rückkehr zu ihren fachlichen Wurzeln – zu einem Zeitpunkt, an dem die deutsch-französische Zusammenarbeit aus ihrer Sicht besonders wichtig ist. Lange habe man glauben können, die Freundschaft zwischen beiden Ländern sei nahezu selbstverständlich und dauerhaft stabil. Doch in den vergangenen Jahren seien viele vermeintlich feste Prinzipien und Verbindungen ins Wanken geraten. Deshalb empfinde sie eine „besondere Dringlichkeit“ für die Arbeit des Instituts.
Das DFI soll sein Wissen stärker teilen
Hoffmann will den Kern des Instituts bewahren und zugleich neue Akzente setzen. Dazu gehören für sie die Arbeit mit Jugendlichen, Städtepartnerschaften und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Gleichzeitig will sie die großen strategischen Themen stärker in den Blick nehmen – etwa europäische Souveränität, Sicherheit und Verteidigung.
Auch die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse soll sich verändern. Das DFI komme aus einer Tradition langer Publikationen, tiefgehender Analysen und dicker Bücher. Doch das Rezeptionsverhalten habe sich gewandelt. Die Herausforderung bestehe darin, fundiertes Wissen so aufzubereiten, dass es die Menschen weiterhin erreicht. Nach der Sommerpause plant das Institut regelmäßige öffentliche Veranstaltungen zur Entwicklung in Frankreich.
Blick auf die Präsidentschaftwahl
Besonders die Präsidentschaftswahl 2027 dürfte die Arbeit prägen. Für das DFI sei die große Aufmerksamkeit rund um die Wahl eine Art „Weihnachtsgeschäft“, sagt Hoffmann. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen gehe zwar mit einer starken Ausgangslage in den Wahlkampf. Entschieden sei jedoch nichts. Ausschlaggebend werde sein, ob und wie sich das politische Zentrum organisiert. Frankreich sei politisch und gesellschaftlich dynamischer als Deutschland: „Die Messe ist noch nicht gesungen.“
Le Pen wäre eine Belastung für Europa
Le Pen habe ihre Partei erfolgreich normalisiert und radikale antieuropäische Maximalforderungen zumindest aus dem offiziellen Programm entfernt. Hoffmann warnt jedoch davor, sie mit Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni gleichzusetzen, die als pragmatisch und verlässlich gelte. Bei Le Pen sei offen, ob im Fall eines Wahlsiegs ideologische Positionen oder politische und wirtschaftliche Realitäten ihr Handeln bestimmten.
Eine von Le Pen geführte Präsidentschaft könnte die deutsch-französische Zusammenarbeit und die Europäische Union schwer belasten.
Demokratie in einer „Gefahrenzone“
Sorgen bereitet Hoffmann nicht nur die Lage in Frankreich. Die liberale Demokratie mit Rechtsstaat, Minderheitenschutz und verlässlichen Informationen werde heute in einer Weise herausgefordert, die vor zehn oder 15 Jahren kaum vorstellbar gewesen sei. Politische Akteure hätten vorhandene Unzufriedenheit gezielt verstärkt; zugleich habe sich die Medienlandschaft grundlegend verändert.
Demokratische Strukturen allein reichten nicht, wenn ihre Grundprinzipien nicht von möglichst vielen Menschen getragen würden. Es gehe deshalb darum, neue Wege und den richtigen Ton zu finden, um Menschen zu erreichen, zu interessieren und zu aktivieren. Zwar sieht Hoffmann darin auch eine Chance zur Erneuerung. Ihre Diagnose fällt dennoch deutlich aus: „Wir gehen gerade durch eine Gefahrenzone.“



