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Schülerprojekt

Kreative Schüler aus Ludwigsburg und Asperg: Blatt für Blatt Schlaues fürs stille Örtchen

„Carpe diem“ – nutze den Tag, dachten sich vier Schüler vom Ludwigsburger Goethe- und dem Asperger List-Gymnasium. Weitgehend tatenlos auf der Toilette zu sitzen, ist pure Zeitverschwendung, fanden die 17-Jährigen und entwickelten „Toilet Time“.

Jonas Nothhelfer, Xinfei Xu, Anna Nothhelfer und Jonathan Freiwald (von links) hatten die Idee für „Toilet Time“. Foto: Holm Wolschendorf
Jonas Nothhelfer, Xinfei Xu, Anna Nothhelfer und Jonathan Freiwald (von links) hatten die Idee für „Toilet Time“. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. „Ein halbes Jahr seines Lebens hockt der Mensch auf der Toilette“, sagt Jonas Nothhelfer. Statt dort nur „Geschäftliches“ zu erledigen, könnte man parallel dazu seinen Horizont erweitern, so der Gedanke des gemischten Quartetts. In den Sommerferien wurde auf einem „Young Leaders Camp“ in Paderborn diese Idee weiterentwickelt. Und damit bewarben sie sich bei „Jugend gründet“. Das ist eine Art „Jugend forscht“, nur eben auf dem Gebiet der Wirtschaft.

Fragen zu Politik und Gesellschaft

Auf einer handelsüblichen dreilagigen Toilettenpapier-Rolle bauten die Zwillinge Anna und Jonas Nothhelfer, Jonathan Freiwald und Xinfei Xu ihren Prototypen auf. Für die ersten zehn Blatt dachten sie sich Fragen und nützliches Wissen aus Politik, Gesellschaft und Umwelt aus. „Es schwirren so viele Fehlmeldungen im Internet und in Gesprächen herum“, wollen sie so ganz nebenbei mit einprägsamen Fakten für mehr Klarheit in Diskussionen sorgen.

Toilettenpapier ist ein Produkt, das weltweit von allen Menschen benutzt und täglich gebraucht wird. Alleine im deutschsprachigen Raum verbrauchen die Bewohner in ihren ganzen Leben zusammen etwa 365 Milliarden Rollen, und es wäre damit einer der größten und niederschwelligsten Wissensmultiplikatoren überhaupt. Ihre Vision besteht darin, einer breiten Gesellschaft grundlegendes Wissen zu vermitteln, um die Allgemeinbildung eines jeden und somit auch der gesamten Bevölkerung zu heben. „Mit ,Toilet Time‘ bringen wir Wissen in jedes Haus und helfen, die Bürger zu einer selbstkritischen Gesellschaft zu erziehen, die unterschiedliche Meinungen toleriert.“

Beitrag zu Bildung und Chancengleichheit

Besonders wichtig ist den Schülern der nachhaltige Fortschritt der Gesellschaft im ökonomischen, ökologischen und sozialen Bereich. Bildung sei für Chancengleichheit besonders wichtig und könne die Spaltung der Gesellschaft aufhalten. Über sich selbst sagen sie: „Wir sind ein ehrgeiziges und ambitioniertes Team, das gemeinsam an einem Strang zieht und bei dem der Spaß nicht zu kurz kommt. Alles in allem sind wir zu einer eingeschworenen Truppe mit starkem Teamgeist gewachsen.“ Das Interesse am Gründen eines „Start-ups“ ist geweckt.

„Ein charmanter Einfall“, urteilte die hochkarätig besetzte Jury, die die vier in nur drei Minuten von ihrer Geschäftsidee und dem Businessplan überzeugten. Außerdem mussten sie sich kritischen Fragen zu ihrem Produkt und wirtschaftlichen Fragen stellen. Das Ganze erinnert ein bisschen an die TV-Sendung „Höhle der Löwen“, bei der prominente Investoren gewonnen werden müssen. „Eine erfrischende Präsentation, ihr wart mutig, hervorragend informiert und habt auf Fragen wie aus der Pistole geschossen geantwortet“, so Laudator Prof. Dr. Nils Högsdal, Prorektor Innovation an der Hochschule der Medien Stuttgart.

In einem Planspiel wurden acht Geschäftsjahre simuliert. Am Bundesfinale schrammte die Gruppe knapp vorbei. Für das sich aber auch nur zehn Bewerber qualifizierten. Dahin wollten anfangs 729 Gruppen. Dem Sieger winkt eine Reise ins Silikon-Valley in den USA.

In der Tradition des Hakle-Gründers Hans Klenk

Mit Hakle für Intellektuelle und solche, die es werden wollen, treten die Jungunternehmer sozusagen in die Fußstapfen vom Ludwigsburger Fabrikanten und Mäzen Hans Klenk. 1928 gründete der im ehemaligen Ludwigsburger Proviantamt „Hakle“. Vormittags wurde Toilettenpapier produziert, der Vertrieb folgte nachmittags. Ob sie ihr Produkt „Toilet Time“ jemals selbst vermarkten, ist offen. „Wenn überhaupt, bräuchten wir einen starken Partner.“ Erst einmal wollen sie ihr Abitur machen und dann studieren. Jonas Chemie, Jonathan Maschinenbau, Anna Jura und Xinfei Modemanagement. Gewinn haben sie mit ihrer Idee aber schon gemacht und sind um viele Erfahrungen reicher. „Dieses Projekt war für uns eine wichtige Stufe ins Berufsleben.“

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