Logo

Konzertreihe

Liedgesang mit politischer Botschaft

Haake-Stiftung gastiert mit einer „Schub(a)rtiade“ in Ludwigsburger Stadtkirche

Gruppenbild der Künstler in der Stadtkirche. Foto: Andreas Becker
Gruppenbild der Künstler in der Stadtkirche. Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. Seit 30 Jahren widmet sich die Haake-Stiftung der Förderung musikalischer Talente, die bereits eine gewisse künstlerische Reife erlangt haben, aber noch nicht fest im Markt etabliert sind. Entscheidender Baustein des Unterfanges ist eine eigens konzipierte Konzertreihe, die nun erstmals in der Ludwigsburger Stadtkirche gastiert.

Aus gutem Grund: Christian Friedrich Daniel Schubart, dessen Todestag sich 2021 zum 230-mal jährt, hatte just hier 1769 seine erste und einzige Wirkungsstätte als Organist und Hofmusikdirektor angetreten, bevor er vier Jahre später aufgrund harscher Kritik an Aristokratie und Geistlichkeit des Landes verwiesen wurde. 1777 folgte schließlich die zehnjährige Internierung auf dem Hohenasperg. Unter der Losung „dies unsere Freiheit“ haben die Verantwortlichen der Haake-Stiftung diesen Umstand zum Anlass genommen, drei Konzertabende am historischen Ort der Wirkungsstätte Schubarts zu initiieren, in deren Mittelpunkt der Begriff der Freiheit steht.

Mit einer „Schub(a)rtiade“ näherte man sich zudem auch dessen musikalischen Wirken an, das weit weniger im öffentlichen Bewusstsein verankert ist als das des Dichters von lyrischen Werken mit kaum verhohlener politischer Botschaft wie „Die Fürstengruft“ oder „Die Forelle“. Gleichzeitig spielt der Titel auch auf die legendären Schubertiaden an, eine Art literarisch-musikalischer Salon, in dem der Komponist Franz Schubert Gleichgesinnte um sich scharte. Auch dies nicht von ungefähr: Nicht nur, dass die Teilnehmer der Schubertiaden vielfach progressives Gedankengut teilten, sondern auch die Tatsache, dass Schubert ebenjenes Gedicht „Die Forelle“ vertont hat, dürfte die Wahl des Mottos befördert haben. Stimmgewaltig nahm sich die Sopranistin Johanna Pommranz des bekannten Kunstlieds an, nachdem Fabian Wöhrle das Konzert mit einer Improvisation über das Thema auf der Klais-Orgel der Stadtkirche eröffnet hatte. Trotz der schwierigen Akustik durchdringend das dramatisch flackernde Timbre der Sängerin.

Grandios Schubarts Klavierkantate „Die Macht der Tonkunst“ – Pommranz meisterte nicht nur die atemberaubenden Koloraturen der an italienische Vorbilder angelehnten Partitur, sondern unterstützt den Text auch mittels Mimik und Gestik. Eine Erstaufführung seit mindestens 100 Jahren, spekulierte Robert Bärwald, der das Programm konzipiert hat und am Schwechten-Flügel der Stadtkirche die profunde, pointierte Liedbegleitung übernahm.

Fulminant Gabriel Klitzings Darbietung der Carl Loewes Ballade „Archibald Douglas“ – ein sonorer, warm sich verströmender Bass, von dem sicher noch zu hören sein wird. Klangschön und ebenmäßig der Bariton Konstantin Ingenpaß, mit dem nochmals Schubert zu Wort kam. Nicht zuletzt lernte man in Lukas Plag mit Stücken von Schumann und Massenet einen vielversprechenden Cellisten kennen. Zwischen den musikalischen Werken brachte Wolfgang Haupt Texte von Schubart und Schumann zu Gehör, Barbara Potthast, Vorsitzende der Internationalen Schubart-Gesellschaft Aalen, steuerte ein Grußwort bei. Ein ausgesprochen erhebendes Erlebnis.

Info: Weiteres Konzert der Haake-Stiftung am 9. November: „Das Verschlingende beim Namen nennen“, Ludwigsburg, Stadtkirche (19.30 Uhr).

Autor: