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Nach Corona-Ausbruch auf der Karlshöhe: Direkt nach der Impfung kein Schutz vor Infektion

Auf der Karlshöhe ist es zu einem Corona-Ausbruch gekommen, obwohl kurz zuvor mobile Impfteams vor Ort waren. Wie ist das möglich?

Wer die Spritze gegen Corona bekommt, ist nicht sofort und komplett vor einer Infektion geschützt. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Wer die Spritze gegen Corona bekommt, ist nicht sofort und komplett vor einer Infektion geschützt. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Auf den Wohngruppen der Karlshöhe für Menschen mit geistiger Behinderung ist Corona ausgebrochen – nur wenige Tage nachdem mobile Impfteams dort waren und den Großteil der Bewohner und Mitarbeiter geimpft haben. Inzwischen sind 32Infektionen durch PCR-Tests bestätigt, sieben Mitarbeiter und 25Bewohner sind betroffen.

Besonders ärgerlich ist der Ausbruch, weil nur wenige Tage zuvor mobile Impfteams auf der Karlshöhe waren. In anderen Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen waren bereits Anfang April Impfteams. „Die Karlshöhe hat sich frühzeitig mit aller Energie bemüht und ihren Bedarf an mobilen Impfteams angezeigt“, so Michael Handrick, der Sprecher der Karlshöhe. Auf die Zeitfenster konnten die jeweiligen Einrichtungen jedoch keinen Einfluss nehmen. Innerhalb der vom Impfzentrum vorgegebenen Zeitfenster seien die genauen Termine mit der Heimaufsicht vereinbart worden.

Eine Impfung gegen Covid-19 schützt nicht zu 100Prozent vor einer Infektion. Dass es kurz nach der Impfung zu Infektionen kommt, kann laut Robert-Koch-Institut (RKI) zwei Gründe haben: Einerseits kann es sein, dass sich jemand kurz vor der Impfung infiziert, also in der Inkubationszeit. Das ist die Zeitspanne zwischen Infektion mit dem Erreger und Auftauchen der ersten Symptome. Andererseits kann man sich auch direkt nach der Impfung infizieren, da der Impfschutz noch nicht vollständig ausgebildet ist.

Die erste Dosis wirkt laut RKI zehn bis 14Tage nach der Impfung. Den vollständigen Impfschutz gibt es erst nach der Zweitimpfung. Auch dann gibt es keinen hundertprozentigen Schutz. „Die Wahrscheinlichkeit, dass man trotz vollständiger Impfung positiv ist, ist niedrig, aber nicht bei Null“, so das RKI.

Die bisher vorliegenden Daten zeigen jedoch, dass die Viruslast bei vollständiger Impfung stark reduziert ist. Das bedeutet, dass das Risiko, das Virus zu übertragen, kleiner ist. Zudem sind die Infektionen laut RKI weniger stark. „Ein positiver PCR-Test trotz Impfung beweist bei fehlenden Symptomen die gute Wirksamkeit der Impfung bei Personen, die besonders schwer erkranken würden“, so das RKI.

Die aktuellen Infektionen in den Wohngruppen sind durch Schnelltests erfasst worden. Laut Sprecher Michael Handrick werden sowohl die Mitarbeiter als auch die Bewohner im Bereich Hilfen für Menschen mit geistiger Behinderung (HfMmgB) zweimal wöchentlich schnellgetestet – und zwar, seit Schnelltests auf dem Markt verfügbar seien. Nach vollständiger Impfung, also nach zwei Impfterminen, erfolge nur noch einmal pro Woche ein Schnelltest als Verpflichtung. „Es wurden stets zusätzlich tägliche Testungen angeboten bei Symptomen und bei Bedarf“, so Handrick. Auch Mitarbeiter, die im Urlaub oder in Quarantäne waren, müssten einen Schnelltest machen. Die Quarantäne werde dabei nicht von der Karlshöhe aufgehoben, sondern vom Gesundheitsamt.

Sobald eine Person in einer Wohngruppe positiv getestet ist, würden alle anderen Bewohner und Mitarbeiter, die mit dieser Kontakt hatten, täglich getestet per Schnelltest. Ist dieser positiv, erfolge so schnell es geht ein PCR-Test. Bei jedem positiven Schnelltest sei unmittelbar die gesamte Wohngruppe in Quarantäne und die Mitarbeiter arbeiten in Vollschutzkleidung. Das ist auch aktuell der Fall. Wegen des Ausbruchs ist außerdem der gesamte Fachbereich HfMmgB für Besucher geschlossen.

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