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Öffentlicher Nahverkehr

Neue Chance für die Schusterbahn

Die Idee einer Verlängerung der Schusterbahn über Ludwigsburg nach Markgröningen soll weiter verfolgt werden. Das hat gestern der Verkehrsausschuss der Region Stuttgart beschlossen.

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Auf der Schusterbahn, hier mit einem historischen Dampfzug, wurden einst die Arbeiter zu Salamander nach Kornwestheim gefahren.Foto: privat
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Die bisherige Strecke der Schusterbahn, die später von Esslingen bis nach Markgröningen geführt werden soll.

Stuttgart/Ludwigsburg. Da hatte die Verbandsspitze der Region Stuttgart die Rechnung ohne ihre Regionalräte gemacht. Eigentlich sollte der Antrag der Linken, zur Reaktivierung der Schusterbahn von Plochingen über Ludwigsburg nach Markgröningen, vom Tisch geschoben werden – möglichst bis Stuttgart 21 auf die Schiene geht. Hohe Investitionskosten und derzeit schlechte Nutzung durch die Passagiere sind die Hauptargumente für die ablehnende Haltung von Dr. Jürgen Wurmthaler, dem leitenden Direktor für Wirtschaft und Infrastruktur in der Region Stuttgart. Doch der Verkehrsausschuss wollte sich mit diesem Vorschlag nicht zufriedengeben. Vehement hatte Linken-Regionalrat Wolfgang Hoepfner für die Idee geworben, schnell eine Entlastung für die verkehrsgeplagte Region Ludwigsburg zu schaffen. „Unser Vorschlag hat auch bei vielen Unternehmen große Sympathie gefunden“, sagte er. „Das ist die einzig schnell umzusetzende Alternative zu allen Modellen, die derzeit diskutiert werden“, meinte der Linken-Politiker mit Blick auf die Debatte um die Doppelstrategie Stadtbahn und Schnellbus-Lösung in Ludwigsburg.

Schon als CDU-Regionalrätin Elke Kreiser darauf hinwies, dass die Schusterbahn zurzeit ein „Insiderbähnle“ sei und deshalb kaum jemand einsteige, wurde klar, dass die Weiterentwicklung der Schusterbahn an diesem Tag nicht aufs Abstellgleis geschoben würde. Eva Mannhardt von den Grünen schob auch gleich einen Ergänzungsantrag hinterher: Danach soll spätestens im Frühjahr 2018 entschieden werden, ob die Schusterbahn ein Modell für die Lösung der ÖPNV-Probleme vor allem im Kreis Ludwigsburg sein könnte. Bis dahin, das versprach Verbandsdirektor Thomas S. Bopp, sollen dann auch die laufenden Studien zur Panoramabahn und dem Salzweg vorliegen. „Dann haben wir auch ein komplettes Bild, um die Schusterbahn in ein größeres Konzept einzubetten“, ergänzte Wurmthaler.

Für Grünen-Regionalrätin Mannhardt der richtige Weg. So sah es auch der Vertreter der Freien Wähler, Rainer Gessler. Der Politiker aus Markgröningen sieht in der Schusterbahn ebenfalls eine Chance, an der es sich lohne dranzubleiben. Mehr Fahrgäste kämen dann, wenn es attraktiver würde, die Bahn zu nutzen. „Außerdem gab es für die Strecke praktisch keine Werbung“, ergänzte FDP-Mann Armin Serwani. Wenngleich SPD-Regionalrat Thomas Leipnitz noch viele Hindernisse für die Schusterbahn sieht und in dem Linken-Vorstoß einen reinen Schau-Antrag sah, so wollte auch er dem Projekt eine Chance geben .

Wurmthaler versprach dann auch, weiter über die Potenziale dieser Verbindung nachzudenken. Zweifel bleiben allerdings bestehen. So dürften erhebliche Investitionskosten anfallen. Allein für die Reaktivierung der Strecke von Ludwigsburg nach Markgröningen wurden 2014 rund 40 Millionen Euro ermittelt. Der Abschnitt von Esslingen nach Ludwigsburg würde mindestens 63 Millionen Euro kosten. Wie die Erweiterung dann mit der Doppelstrategie in Ludwigsburg zusammenpasst - dazu gab es gestern keine Antworten.