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Krankenhäuser

RKH-Kliniken wollen bei Digitalisierung vorangehen

Die deutschen Krankenhäuser hinken bei der Digitalisierung hinterher, klagt der Marburger Bund – und fordert ein milliardenschweres Förderprogramm. Kliniken-Chef Jörg Martin will darauf nicht warten und das Thema in der Regionalen Kliniken-Holding RKH rasch vorantreiben. Noch in diesem Jahr möchte er an den kommunalen Kliniken im Kreis eine digitale Gesundheitskarte einführen.

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Big Data im Krankenhaus– derzeit ist das noch weit eher Vision als Realität. Foto: Kzenon /stock.adobe.com

Kreis Ludwigsburg. Die Krankheitsgeschichte des Patienten, Befunde, Arztbriefe, Röntgenbilder und bisherige Medikation sowie Notfalldaten, alles auf einem Scheckkarten-Chip und somit für niedergelassene und Krankenhausärzte, das Pflegepersonal, Apotheker und andere medizinische Dienstleister per Knopfdruck abrufbar – das ist das Versprechen, das die vor gut elf Jahren eingeführte, elektronische Gesundheitskarte der Kassen bisher nicht einlöst. Dabei sollen eine digitale Patientenakte und der Datenaustausch am Computer oder Tablet nicht nur Bürokratie abbauen, sondern auch die Behandlungserfolge erhöhen.

Professor Jörg Martin, Geschäftsführer der RKH und habilitierter Anästhesist, möchte die Gesundheitskarte, die das alles wirklich kann, angesichts der bundesweiten Umsetzungsprobleme nun vorab in den Häusern des größten kommunalen Krankenhaus-Verbundes im Südwesten einführen. Am Ende stünde – die Zustimmung des jeweiligen Patienten, der, so Martin, „natürlich die volle Hoheit über seine Daten behalten“ werde, vorausgesetzt – eine Chipkarte, die zumindest im Verbund der RKH und ihrer Partner eine vernetzte, die klassischen Sektorengrenzen überwindende Medizin ermöglichen könnte. Das wären immerhin die kommunalen Krankenhäuser der Landkreise Ludwigsburg, Karlsruhe und Enz, die mitwirkenden niedergelassenen Ärzte sowie potenziell Pflegedienste, Reha-Einrichtungen und die mit der RKH kooperierenden Kliniken von Stuttgart über Pforzheim, Karlsruhe und Heilbronn bis hin zur Universitätsklinik Heidelberg.

Mit der Kreisärzteschaft ist der Kliniken-Chef deshalb bereits seit längerem im Gespräch. Ihr Vorsitzender Dr. Michael Friederich begrüßt einen solchen lokalen Vorstoß, sieht aber auch die Reserven der meisten seiner niedergelassenen Kollegen. Neben der Datensicherheit müssten zumindest alle jene technischen Probleme gelöst sein, die die seit Jahren geplante bundesweite Einführung der Gesundheitskarte immer wieder verzögert haben, sagt Friederich.

Wenn trotzdem alles klappt, will Martin mit der neuen RKH-Gesundheitskarte im Kreis Ludwigsburg noch in diesem Jahr an den Start gehen. Doch ist sie nicht der einzige Schritt, mit der der RKH-Geschäftsführer den Weg in die digitale medizinische Zukunft einschlagen will. Deshalb hat die Kliniken-Holding eine Kooperation mit dem Health Care Lab des renommierten Karlsruher Instituts für Technologie – bekannter unter dem Kürzel KIT – verabredet, bei der, möglichst gemeinsam mit Start-up-Unternehmen, nützliche Apps für Patienten und medizinisches Personal entwickelt werden sollen. Erstes konkretes Projekt für die RKH: eine Art digitaler Terminplaner, mit der Patienten der RKH ihren Kliniken-Aufenthalt per Smartphone zeitlich organisieren können. Die logistische Voraussetzung – ein kostenfreier WLAN-Zugang – ist inzwischen für alle 2522 Betten an den insgesamt neun RKH-Standorten gewährleistet.

Auch in der Fortbildung des Personals schreitet die Digitalisierung voran, das E-Learning ist bereits Standard und mit dem im vorigen Jahr eröffneten Simulationszentrum in Vaihingen – wo Ärzte den Ernstfall proben können, als wären sie Astronauten – verfügt die RKH landesweit über ein Alleinstellungsmerkmal. Weiter ausbauen will Martin auch die Telemedizin, die derzeit die Häuser in Bietigheim und Mühlacker mit dem Ludwigsburger Klinikum verbindet. Von der Visite bis zum Eingriff ist so auch für die kleineren Häuser die Live-Beteiligung der Experten des größten Standorts durch eine Videodirektschaltung gesichert. Zudem läuft ein Versuch, den „Telenotarzt“ per Bildschirm auch im Rettungswagen mit zum Einsatz fahren zu lassen. Im Falle eines Erfolgs dürfte sich die Einhaltung der Höchstfristen für das „Eintreffen“ von Notärzten vor Ort deutlich verbessern lassen.