Ludwigsburg. Läuft man durch die Ludwigsburger Innenstadt, so sieht man das gewohnte Bild der Jahreszeit. Das Weihnachtsgeschäft läuft, Winterartikel stehen in den Schaufenstern, auf dem Marktplatz werden die Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt getroffen. Doch schaut man genauer hin, dann drängen sich vor einzelnen Geschäften kleine Schlangen. Das liegt allerdings nicht am übermäßigen Andrang, sondern an den neuen Einlasskontrollen im Eingangsbereich. Teile der Einzelhändler haben bereits direkt nach der Tür eine Station aufgebaut, an der Mitarbeitende überprüfen müssen, dass die 3G-Regeln bei den Kunden eingehalten werden.
Das Haushaltswarengeschäft Lotter in der Oberen Marktstraße hat eine Mitarbeiterin direkt an der Eingangstür platziert. Stefana kontrolliert jede Person, die in den Laden will. „Zwei habe ich schon rausschicken müssen“, erzählt sie. Ihre stets freundliche Art wird nicht von allen Kunden zurückgegeben. Von dem ein oder anderen Käufer wurde sie schon pampig angemault, warum man denn jetzt den Impfnachweis zeigen müsse. Im Großen und Ganzen seien die Besucher aber verständnisvoll und freundlich.
In den großen Einkaufszentren der Stadt sieht das etwas anders aus als beim früheren Familienbetrieb. Sowohl das Management der Wilhelmgalerie, des Marstalls und des Breuningerlandes teilten auf Nachfrage mit, dass die Geschäfte jeweils selbst für die Kontrollen zuständig seien, sich aber dieser Aufgabe bewusst sind und auch zuverlässig nachgehen würden. An den Haupteingängen finden aktuell keine Einheitskontrollen statt. Das Sicherheitspersonal der Wilhelmgalerie bestätigt diese Aussagen. Die meisten Betriebe würden eine stichprobenartige Kontrolle an den Kassen bevorzugen anstatt einer Einlasskontrolle bei jedem einzelnen Kunden. Die Läden seien hierbei verpflichtet,am Eingang mit einem Plakat oder einem Aufsteller auf die gültigen Regularien hinzuweisen. Ein Leser erzählt jedoch, dass er bei seinem Besuch im Breuningerland nicht ein einziges Mal von einer solchen Stichprobenkontrolle betroffen war oder erfahren hat.
Dass diese Stichproben durchgeführt werden, hat Gudrun Nemesch aus Schorndorf hingegen schon selbst mitbekommen. Sie wurde schon mehrfach kontrolliert, ist aber geimpft und sieht die neue Regelung positiv. Die Sicherheit würde steigen, insbesondere für die Angestellten. Sie selbst ist im Einzelhandel tätig und weiß daher bestens, wie es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geht. Anders geht es Raimund aus Ludwigsburg. Er selbst wurde bisher nur sporadisch kontrolliert, was er tatsächlich schade findet. Es gebe zwar Beruhigung zu wissen, dass eigentlich alle geimpft, getestet oder genesen seien, aber dadurch, dass er bisher selten gecheckt wurde, kann er sich nicht über die Kontrolle seiner Miteinkäufer sicher sein.
„Ich hab inzwischen echt Angst!“ So geht es inzwischen Gabriele Förster, Inhaberin des Landhaus Lifestyle. Bereits am ersten Tag der neuen Verordnung sind zwei Kunden wutentbrannt aus ihrem kleinen Laden direkt am Marktplatz gestürmt. Beide hätten es nicht eingesehen, den Impfpass vorzuzeigen. Selbst mit der langanhaltenden Maskenpflicht hatte sie immer wieder Probleme bei Käufern. „Einmal kam einer rein und hat direkt seine Maske abgezogen und eine Brezel aus der Tasche geholt. Da hab ich gesagt, er solle doch die Maske aufziehen, und der meinte, zum Essen muss er doch die Maske runternehmen“, so Förster. Als sie den Gast aufforderte, das Essen in ihrem Laden zu unterlassen und stattdessen den Mund-Nasen-Schutz aufzuziehen, verließ dieser motzend den kleinen Shop. Auch Beleidigungen wurden ihr schon an den Kopf geworfen, die gingen teilweise unter die Gürtellinie. „Mir wurden schon Sachen nachgeworfen, wie: ,Dann behalten Sie Ihren Scheiß doch!‘ Das macht schon was mit einem“, erzählt die Selbstständige schockiert. Gerade im Hinblick auf den kommenden Weihnachtsmarkt hat sie Bedenken. Wenn so viele Menschen wieder aufeinandertreffen, dann sind Infektionen vorprogrammiert. Die 3G-Regel befürwortet sie sehr, den Glühweinkonsum über den Dezember hinweg eher weniger. Durch den Alkoholkonsum würden bei den meisten dann die Hemmungen fallen und die Coronaverordnungen missachtet werden. Da das Ganze direkt vor ihrem Laden passiert, ist sie nicht sehr begeistert.
Frau Andree, Filialleiterin von „Tobi's“ in der Wilhelmgalerie, sieht das Ganze gelassener. Sie hat schon seit längerem von Gästen einen Impfnachweis gefordert, wenn diese an den imbisseigenen Sitzplätzen das Essen genießen wollen. Beschwerden gebe es von niemandem, nur manchmal käme ein ungläubiger Blick.
Ob die Maßnahmen große Auswirkungen auf das Weihnachtsgeschäft haben werden, steht noch aus. Bisher werden sie aber gut angenommen, sowohl von Verbrauchern als auch von den Händlern.

