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Ludwigsburger Tierheimleiterin gibt Tipps
So klappt’s mit dem Hund aus dem Tierheim

Jedes Tier im Tierheim bringt seine eigene Vorgeschichte mit, die auch die Mitarbeiter manchmal nur erahnen können. „Jedes Tier ist anders“, sagt Ursula Gericke. Foto: Tierheim/p
Jedes Tier im Tierheim bringt seine eigene Vorgeschichte mit, die auch die Mitarbeiter manchmal nur erahnen können. „Jedes Tier ist anders“, sagt Ursula Gericke. Foto: Tierheim/p
„Tierheime am Limit“ lautet das Leitmotto zum Welttierschutztag am 4. Oktober. Auch im Ludwigsburger Tierheim warten Hunde und Katzen, Kaninchen und Schildkröten auf ein neues Zuhause. Doch wie kommt man an ein Tier aus dem Tierheim? Wir haben nachgefragt.

Ludwigsburg. Das Tierheim am Kugelberg hat viele tierische Gäste, die dort rund um die Uhr versorgt werden und auf ein neues Zuhause warten. „Eine Vermittlung muss die Situation des Tieres immer verbessern“, beschreibt Ursula Gericke, Leiterin des Tierheims, das Leitmotiv. Sie arbeitet dort seit 1984 und hat schon unzählige Hunde und Katzen weitervermittelt.

Einfach vorbeikommen, einen Hund aussuchen und mitnehmen – das funktioniert in Ludwigsburg nicht. „Erst einmal braucht es ein Vorgespräch“, sagt sie. Dabei werden die Vorstellungen besprochen und abgeklopft. Was hat das jeweilige Tier für Bedürfnisse, kann dies der jeweilige Interessent erfüllen?

Ein gemeinsamer Spaziergang zum Kennenlernen

„Für jedes Tier gibt es das passende Herrchen oder Frauchen“, ist sie sich sicher. Nach dem Vorgespräch können sich Mensch und Tier „beschnuppern“. Das Kennenlernen zwischen Hund und Mensch wird bei einem gemeinsamen Spaziergang vertieft. Je nach Situation geht beim ersten Schnupperspaziergang ein erfahrener Gassigeher mit.

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Gericke rät eindringlich, dass man sich ruhig Zeit nehmen sollte, das Tier kennenzulernen. „Entscheiden Sie nicht nach äußeren Merkmalen wie groß, klein, dunkles Fell, helles Fell. Entscheiden Sie sich nicht für eine Rasse, sondern für ein Tier“, ist auch einer der Tipps, die sich auf der Internetseite des Tierheims finden.

Auch Anfänger können Hunde adoptieren

Und was ist mit Anfängern, also Menschen, die noch nie einen Hund hatten? „Grundsätzlich kein Problem“, sagt Ursula Gericke. „Irgendwann fängt jeder mal an.“ Sie vergleicht den ersten Hund mit dem ersten Kind. Da gebe es ohnehin viele Parallelen. Denn ähnlich wie kleine Kinder sind auch Haustiere abhängig von der guten Fürsorge, sorgen für Unordnung und Dreck und können auch nicht einfach sich selbst überlassen werden. Es bestehe auch immer noch die Möglichkeit, zurückzufragen.

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Auch wer noch nie einen Hund hatte, kann also einem Tier aus dem Tierheim ein neues Zuhause geben. Nur den Begriff „Anfängerhund“ mag Ursula Gericke überhaupt nicht. „Das ist auch so ein Modewort. Jeder Hund ist doch anders“.

Stattdessen seien drei Punkte für sie zentral: „Zeit ist das Wichtigste.“ Wer sich heute für einen jungen Hund entscheidet, könne diesen nicht ab Übermorgen zehn Stunden alleine in der Wohnung lassen, das funktioniere nicht. Manch einer verlässt das Gespräch im Tierheim auch ernüchtert. LKZ-Leser berichten, dass bei ihnen die Tiervermittlung eben genau an solchen Fragen gescheitert ist. „Wir versuchen, konsequent zu sein“, so Gericke. „Kein Tier sollte länger als sechs Stunden alleine sein“, sagt die Expertin, der durchaus bewusst ist, dass Tierhalter auch arbeiten gehen müssen.

Vermieter muss mit der Tierhaltung in der Wohnung einverstanden sein

In Einzelfällen könne das Alleinebleiben auch mal länger funktionieren. Aber grundsätzlich bedeutet das Stress für das Tier. Damit kommen vor allem Tiere, die Schlimmes erlebt haben, bevor sie im Tierheim Zuflucht fanden, oft nicht zurecht. „Manche Hunde haben die Hölle hinter sich“, so Gericke, „Da braucht es Geduld und Zuwendung. Doch bevor es um Zuwendung geht, muss ein zweiter wichtiger Punkt geklärt werden. „Ist der Vermieter mit der Tierhaltung in der Wohnung einverstanden?“ Das ist laut Gericke neben der Zeit das wichtigste Kriterium.

Bei Vermittlung verlangt das Tierheim eine Schutzgebühr

Der dritte Punkt: „Man muss offen sein für Veränderung, denn die bringt ein Tier auf jeden Fall mit sich.“ Gericke wünscht sich, dass den Menschen klar ist, dass sie immer für das Tier sorgen müssen. Hunde oder Katzen können zehn bis 15 Jahre alt werden, können alt und krank werden. In der Coronapandemie haben sich viele Menschen einen Hund angeschafft – manche waren sich über die intensive Betreuung, die erforderlich ist, nicht im Klaren. „Die Entscheidung für ein Tier sollte gut überlegt sein.“ Wenn Ursula Gericke und ihr Team merken, dass dies zutrifft, Zeit und die Zustimmung des Vermieters vorliegen, stehe der Vermittlung eines Tierheim-Tieres nichts im Wege. Kostenfrei ist das übrigens nicht. Das Tierheim verlangt eine Schutzgebühr. Bei Hunden sind das 250 bis 300 Euro, bei Katzen 100 Euro und bei Kaninchen 60 bis 80 Euro. „Unsere Kosten können wir damit bei Weitem nicht decken.“

Tierheim hat auch Stammkunden

Ganz aktuell suchen 88 Hunde ein neues Zuhause, rund 100 Katzen und 100 Kleintiere – vom Chinchilla bis zur Schildkröte. „Wir haben auch unsere Stammkunden, die immer wieder ein Tier aus dem Tierheim bei sich aufnehmen“, berichtet Gericke. „Manche nehmen ganz gezielt ein älteres oder behindertes Tier bei sich auf.“ Denn die Tierfreunde wissen: Wer viel Zeit investiert, bekommt auch viel zurück.

Auf der Internetseite des Ludwigsburger Tierschutzvereins finden sich Infos über das Tierheim und die Tiervermittlung. Dort finden sich auch Bilder von Tieren, die ein Zuhause suchen.