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Steuerungsspezialist geht das Geld aus

Pleidelsheimer PA Power Automation meldet Insolvenz an – Börsennotierte Mini-AG – 40 Mitarbeiter betroffen

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Der Hauptsitz der PA Power Automation in Pleidelsheim.Foto: J. Schmidt

Ludwigsburg. Pleidelsheim. Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit haben die PA Power Automation AG sowie deren Tochterunternehmen PA Power Automation GmbH CNC-Automatisierungstechnik Insolvenz beantragt. Der Pleidelsheimer Mini-Konzern ist auf Steuerungen und Software für CNC-Maschinen, die von normalen PCs bedient werden können, spezialisiert und gilt nach Aussagen von Börsenanalysten auf diesem Geschäftsfeld als weltweiter Marktführer.

„Der Geschäftsbetrieb der betroffenen Gesellschaften, insbesondere der operativ tätigen GmbH, wird ohne Einschränkungen fortgeführt“, kündigten die beiden vorläufigen Insolvenzverwalter Dietmar Haffa und Mathias Settele von der Kanzlei Schultze & Braun an. Die Gehälter der knapp 40 Mitarbeiter seien durch das Insolvenzgeld bis Ende Juni abgesichert.

Obwohl die Power Automation-Gruppe nur ein kleiner Mittelständler ist, ist die Konzernholding an der Frankfurter Börse notiert. Die Anleger mussten wegen der Hiobsbotschaften erhebliche Kursverluste verkraften. Nachdem das Unternehmen am vergangenen Mittwoch in einer Ad-Hoc-Mitteilung angekündigt hatte, dass es einen Verlust der Hälfte des Grundkapitals gibt und die Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung droht, wenn kurzfristig kein frisches Kapital zufließt, stürzte die im Freiverkehr gehandelt Aktie daraufhin von 1,30 Euro auf derzeit knapp 40 Cent ab. Vor wenigen Monaten hatte der Wert noch bei fast drei Euro gelegen.

Die Probleme bei Power Automation sind nicht plötzlich entstanden. Das Pleidelsheimer Unternehmen hatte in den vergangenen beiden Jahren seine selbstgesteckten Umsatzziele jeweils meilenweitverfehlt. 2016 hatte sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahr von 8,8 auf vier Millionen Euro mehr als halbiert. Das erste Halbjahr 2017 lag nochmals unter dem des Vorjahres. Gleichzeitig fuhr Power Automation Verluste in Millionenhöhe ein. Dafür verantwortlich waren jeweils spezifische Schwierigkeiten in den wichtigsten Auslandsmärkten Türkei, China und USA. In der Türkei hatte das Unternehmen mit der Lage nach dem Putsch und der Zurückhaltung der potenziellen Kunden zu kämpfen. In den USA und Fernost hatte Power Automation jeweils auf Vertriebspartner gesetzt, die nicht die erhofften Aufträge brachten.

Eine Neusaurichtung hat der Pleidelsheimer Konzern bereits eingeleitet. Im vergangenen Jahr war der taiwanesische Steuerungshersteller Techmation als neuer Vertriebspartner und gleichzeitig größter Einzelaktionär mit 20 Prozent eingestiegen. Und im Sommer 2017 verkündete Power Automation eine enge Kooperation mit dem Maschinenbauer Zuse Hüller Hille. Beide gelten auch als Kandidaten, um das insolvente Unternehmen ganz zu übernehmen.