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Nahverkehr

Ulm setzt auf die Straßenbahn

Bis 2019 soll die neue Strecke mit der Linie 2 fertig sein – Stadt leistet sich eigenen Betriebshof für kleines Bahnnetz

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Die Linie 1 im Bild oben, unten die neue und teure Brücke für die Straßenbahn über die Bahngleise hinweg. Sie erhält auch einen Fuß- und Radweg.Fotos: Stadt Ulm
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Ludwigsburg. Auch wenn es für den Ausbau der Straßenbahn quer durch die ganze Stadt zig Baustellen gibt – die neue Linie 2 wird in Ulm sehnsüchtig erwartet. Die Stimmung ist gut, wie bei Passanten in der Innenstadt zu hören ist, trotz mancher Kostensteigerungen, trotz Ärger durch Umleitungen und lange Bauzeit. Das Schienensystem gehört zu den kleineren überhaupt und wäre mit dem vergleichbar, was in Ludwigsburg im Gespräch ist. Darauf ist auch jüngst beim Runden Tisch der LKZ mit den Rathauschefs und dem Landrat hingewiesen worden. 10,2 Kilometer waren es, mit der neuen Linie wächst das Straßenbahnnetz in Ulm auf 20 Kilometer.

Bisher gab es in Ulm nur eine Straßenbahnlinie. Einst knallgelb und bei Schülern beliebt, weil sie auf den Schienen gern Ein-Pfennig-Stücke plattfahren ließen, fahren seit 15 Jahren moderne Niederflurbahnen. Sie pendeln in kurzer Taktfolge zwischen dem Stadtteil Söflingen, dem Bahnhof und der Donauhalle, einer großen Veranstaltungshalle neben Fußballstadion und Messegelände.

Die Stadt mit inzwischen 120 000 Einwohnern hat sich für den weiteren Ausbau des Schienennetzes entschieden. Ulm zähle zu den wachstumsstärksten Regionen, der Nahverkehr stieß an seine Grenzen, so die Argumente der Verwaltung. Bedarf entstand insbesondere durch die Andienung der Wissenschaftsstadt, auch Science Park genannt. Dieser Standort wird weiter ausgebaut. Teil der Wissenschaftsstadt sind auch die Universität und die Universitätskliniken.

Sowohl Wissenschaftsstadt als auch die Schulzentren am Kuhberg waren bislang mit Bussen angebunden. Teils verkehren dort Busse im Drei-Minuten-Takt. „Mit Blick auf das weiter ansteigende Fahrgastaufkommen setzen Stadt und Stadtwerke Ulm auf die Straßenbahn als die bessere Alternative“, teilt die Stadt mit. Wofür man heute 20 Minuten und mehr benötigt, sollen es künftig 14 Minuten sein. Angebunden wird mit der Wissenschaftsstadt ein Einzugsbereich mit 20 000 Menschen.

Noch vor drei Jahren herrschte in Ulm großes Zähneklappern in der Kommunalpolitik. Möglicherweise könnte das Projekt scheitern, weil der Bund keine Mittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) übrig hat. Doch ein Jahr später die Erleichterung. Der Bund machte mit. Der Kosten-Nutzen-Wert der neuen Linie lag bei 1,16 – ein Wert, der in Ludwigsburg sogar deutlich besser ist. Mit der Niederflur- oder der Hochflurbahn (unter Einschluss der Strecke nach Oßweil) liegt der Wert bei 1,48. Fährt die Hochflurbahn nur die Strecke zwischen Aldingen-Ludwigsburg-Markgröningen, erreicht sie noch 1,36.

In Ulm war der Wert für die politischen Gremien ausreichend, um sich für den Ausbau der Straßenbahn zu entscheiden. Es ist, wie der Baubürgermeister bei der entscheidenden Sitzung formuliert hat, „das größte Infrastrukturprojekt seit Jahrzehnten“. Die Fraktionen in Ulm standen hinter der Entscheidung, der Gemeinderat stimmte für den Ausbau (bei nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung).

Mit 178 Millionen Euro an Investitionen rechnete die Donaustadt, inzwischen liegen die Kosten für den Ausbau der Linie bei 199 Millionen Euro. Die Mehrkosten sind vor allem auf gestiegene Baupreise zurückzuführen, heißt es im Zwischenbericht. Dem Ulmer Gemeinderat ist er diese Woche vorgelegt worden.

Bund und Land übernehmen grundsätzlich 80 Prozent der förderfähigen Kosten, derzeit rechnet die Stadt mit einer Förderung von 120 Millionen Euro bei Gesamtkosten von inzwischen 216 Millionen (einschließlich Ausbau Betriebshof), was keine 60 Prozent ausmacht. Noch steht der endgültige Zuschuss nicht fest, entsprechende Anträge auch wegen der Kostensteigerungen sind bei Bund und Land eingereicht. Die Stadt rechnet mit weiteren Zuschüssen aus den GVFG-Mitteln.

In Ludwigsburg könnte zum einen ein vorhandenes Schienennetz genutzt werden. Die Strecke der Linie 2 muss in Ulm komplett neu mitten durchs Stadtgebiet gebaut werden, was die Kosten in die Höhe treibt. Ein weiteres aufwendiges und teures Projekt ist die Überbrückung der Bahngleisstränge an dem Verkehrsknotenpunkt Ulm beim Hauptbahnhof. Der Entwurf sieht eine 270 Meter lange Stahlbrücke vor. Es ist eine einmalige Spezialkonstruktion, die 2500 Tonnen schwer sein wird. Auf ihr wird die Straßenbahn in Richtung Wissenschaftsstadt fahren.

Für den Betrieb der Bahn werden zu den bisherigen acht Fahrzeugen zwölf weitere bestellt. Es sind 32 Meter lange Niederflurbahnen des Typs „Avenio M“ des Herstellers Siemens. Die Kosten sind mit 31 Millionen Euro veranschlagt, sie müssen von der Stadt getragen werden, das Land beteiligt sich nicht.

Die modernen Straßenbahnen sind, so die Verwaltung, leiser als andere Fahrzeuge. Nach Messungen des Landesamts für Umwelt sei der Geräuschpegel mit 53 Dezibel deutlich unter dem eines vorbeifahrenden Autos, für das Werte von über 70 Dezibel ausgewiesen werden.