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Geburtstag

Vom Ruhestand noch weit entfernt

Früher Staatsoberhaupt, inzwischen im Einsatz für die Entwicklung Afrikas und neuer globaler Entwicklungsziele engagiert: Horst Köhler, Ex-Bundespräsident, früherer Direktor des Internationalen Währungsfonds und Ehrenbürger Ludwigsburgs, will noch viel bewirken. Heute feiert er seinen 75. Geburtstag.

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Ludwigsburg. Ein besonderer Tag, den er ohne Wirbel im engsten Familienkreis verbringen möchte. Diesmal nicht im Feriendomizil im oberbayrischen Unterwössen und schon gar nicht in Berlin, sondern auf einer deutschen Ferieninsel. Dort wird ihm seine Frau Eva Luise heute unter anderem auch eine Geburtstagskarte seiner „Viererbande“ – vier Kameraden aus seiner Schulzeit am Ludwigsburger Mörike-Gymnasium – überreichen.

Lange haben die vier „an einem originellen Text“ getüftelt. Denn dieser Kontakt ist bis heute lebendig geblieben. Erst kürzlich hat sich Horst Köhler mit ihnen zum Mittagessen in Heidelberg wiedergetroffen. „So eine lange Schulzeit verbindet“, erzählt einer von ihnen. „Und er hat gesagt, dass wir ihn immer wieder mal erden.“

Offizielle Würdigungen werden später folgen: Nach Informationen unserer Zeitung wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Anfang März für Horst Köhler ein großes Ehrenessen im Schloss Bellevue geben. Bereits gestern hat er dem Jubilar für sein Engagement in entwicklungspolitischen Fragen gedankt. Als Berater der Vereinten Nationen habe Horst Köhler zudem maßgeblich an der Weiterentwicklung der globalen Entwicklungsziele mitgewirkt.

Auch Oberbürgermeister Werner Spec hätte gern zum Empfang für Ludwigsburgs Ehrenbürger geladen, was aber an dem auch weiterhin sehr vollen Terminkalender des Altbundespräsidenten gescheitert ist.

Denn Horst Köhler ist nach wie vor auf internationalem Politparkett unterwegs. Schon als Bundespräsident hat er eigene Akzente beim Thema Globalisierung und in der Entwicklungspolitik gesetzt. Er war offen für die Argumente der Globalisierungskritiker und rief 2005 die Initiative „Partnerschaft für Afrika“ ins Leben. Sein Einsatz für eine intensive Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit ärmeren Ländern hat seine Amtszeit überdauert und der afrikanische Kontinent beschäftigt ihn bis heute: Im Auftrag von UN-Generalsekretär António Guterres soll er nun als Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen die Konfliktparteien in der Westsahara zusammenbringen.

Für viele Ludwigsburger ist er aber auch nach wie vor einer der ihren: Geboren nahe des polnischen Lublin als siebtes von acht Geschwistern kommt Horst Köhler mit seinen Angehörigen nach deren Flucht in den Westen und vier Jahren in Auffanglagern Mitte der 50er Jahre nach Ludwigsburg, wo die Familie endlich eine neue Heimat findet.

Hier besucht Horst Köhler das Gymnasium, hier lernt er seine große Liebe und spätere Ehefrau Eva Luise kennen. 1969 heiratet das Paar, Tochter Ulrike und Sohn Jochen werden geboren. Inzwischen haben die Köhlers auch vier Enkelkinder und leben in Berlin und im bayrischen Chiemgau.

Als promovierter Volkswirt stieg Horst Köhler über Stationen in Bonn, Kiel und London bis zum Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds IWF auf, wo er sich bereits offensiv für weltweite entwicklungspolitische Fragen einsetzte. Im Mai 2004 dann die Wahl zum neunten Bundespräsidenten Deutschlands. In diesem Amt wollte er gestalten, notfalls auch unbequem sein. Die Distanz des „Außenseiters“ und „Technokraten“ zum etablierten Politikbetrieb machten ihn in der Bevölkerung zum überaus beliebten „Bürgerpräsidenten“ – mit wenig Rückhalt bei der Berliner Polit-Elite.

Auch während seiner Amtszeit hat er Ludwigsburg immer wieder besucht, oft privat, gelegentlich in offizieller Mission wie zum Staatsempfang für den slowenischen Präsidenten im Mai 2008.

Sein Rücktritt im Mai 2010 war ein Paukenschlag. Über die Gründe ist viel spekuliert und geschrieben worden: War es überzogene Medienschelte oder ein Gesetz, das auf Drängen der Bundeskanzlerin zu schnell unterschrieben werden sollte? Er selbst sagte später, die Angriffe auf ihn seien „ungeheuerlich“ gewesen.

Ludwigsburg hat ihm und seiner Frau im Mai 2011 die Ehrenbürgerwürde verliehen, als Würdigung seines Wirkens, aber auch als Dank, dass beide den Namen der Stadt in alle Welt getragen haben.

Sein außergewöhnlicher Aufstieg hat Horst Köhler aber nie gehindert, in persönlichen Begegnungen auf Augenhöhe zu bleiben, mit seinem offenen Lächeln die Sympathie der Menschen zu gewinnen. Und auch wenn es mit dem Geburtstagsempfang in Ludwigsburg nun nicht geklappt hat: An der Stadtgründungsfeier im 300. Jahr der Erhebung Ludwigsburgs zur Stadt am Freitag, 4. Mai, im Residenzschloss, wird er als Ehrengast teilnehmen.