Ludwigsburg. Um seiner Ehefrau zu entfliehen, schuf Herzog Eberhard Ludwig eine neue Residenz: Ludwigsburg wurde zum Schauplatz einer der größten Staatskrisen Württembergs, ausgelöst durch eine verbotene Liebe. Vor 350 Jahren wurde der Herzog geboren.
Als Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg 1704 den Grundstein für ein Jagdschloss legte, ahnte niemand, dass dies der Beginn der Stadt Ludwigsburg und das Symbol einer tiefen Staatskrise werden sollte. Angetrieben vom Vorbild des französischen Hofes in Versailles, wollte der Herzog sein Land modernisieren, doch eine skandalöse Liebesaffäre überschattete seine Herrschaft. Am 18. September 1676, also vor 350 Jahren, wurde er geboren.

Eberhard Ludwig, der bereits als Säugling auf den Thron kam, war ein Mann mit großen Ambitionen. Er machte im Spanischen Erbfolgekrieg Karriere und stieg bis zum Reichsgeneralfeldmarschall auf, einem der höchsten militärischen Ränge im Reich. Innenpolitisch strebte er einen absolutistischen Staat an: Er gründete einen Kommerzienrat zur Wirtschaftsförderung, siedelte die verfolgten Waldenser und Hugenotten an und baute gegen den Willen der mächtigen Landstände ein stehendes Heer auf. Doch sein politischer Wille wurde von seiner privaten Leidenschaft durchkreuzt.
Entsetzte Kirchenleitung verweigert ihm das Abendmahl
Seine Ehe mit Johanna Elisabeth von Baden-Durlach war unglücklich. Da die Gemahlin eine Scheidung verweigerte, ging der Herzog 1707 auf Risiko und schloss eine Zweitehe mit seiner langjährigen Mätresse Wilhelmine von Grävenitz. Der Skandal war perfekt. Die evangelische Kirchenleitung in Stuttgart zeigte sich entsetzt und verweigerte ihrem Landesherrn das Abendmahl. Kaiser Joseph I. setzte die Annullierung der Ehe unter Androhung der Reichsacht durch. Die Grävenitz musste das Land verlassen, kehrte aber nach einer arrangierten Scheinehe als Gräfin von Würben an den Hof zurück.
Von da an wurde sie zur inoffiziellen Herrscherin. Als „Landhofmeisterin“ nahm sie an den Sitzungen des Konferenzministeriums teil, platzierte Vertraute in Schlüsselpositionen und lenkte die Politik aus ihrem Palais. Um den ständigen Konflikten in Stuttgart zu entgehen, forcierte der Herzog den Ausbau Ludwigsburgs. Er lockte ab 1709 Siedler mit kostenlosem Bauland und 15-jähriger Steuerfreiheit. „Um Neubürger anzuziehen, versprach der Herzog 1715 die Religionsfreiheit für die neue Stadt. Außer der evangelischen Gemeinde entstanden daher Gemeinden für Katholiken und Calvinisten“, schreibt der Kirchenhistoriker Hermann Ehmer. 1718 erhielt die am Reißbrett entworfene Siedlung die Stadtrechte.
Als Württemberg wieder katholisch regiert wurde
Die Flucht nach vorn endete in einer dynastischen Katastrophe. 1731 starb der einzige Erbprinz Friedrich Ludwig ohne überlebenden männlichen Erben. Die Thronfolge drohte an eine katholische Nebenlinie zu fallen, was für das protestantische Württemberg undenkbar schien. In einem letzten Versuch, die Dynastie zu retten, verstieß der 55-jährige Herzog seine langjährige Mätresse und kehrte zu seiner Ehefrau zurück - ein neuer Erbe blieb ihm jedoch verwehrt.
Als Eberhard Ludwig 1733 an einem Schlaganfall starb, trat genau das ein, was er hatte verhindern wollen: Sein katholischer Vetter übernahm die Herrschaft. Das absolutistische Projekt des Herzogs war gescheitert. Was bleibt, ist mit Ludwigsburg eine der größten und besterhaltenen Barockanlagen Europas, die heute nicht mehr Symbol für den Willen eines einzelnen Herrschers ist, sondern ein öffentliches Kulturerbe von internationalem Rang.



